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Spondylitis / Spondilose
im deutschsprachigen Raum die übliche Bezeichnung
einer chronisch-rheumatischen Krankheit, die über entzündliche
Prozesse zu einer knöchernen Einsteifung der Wirbelsäule führen
kann. Sie kann aber auch die peripheren Gelenke in anderen Teilen des
Körpers angreifen. Der medizinische Begriff Spondylitis ankylosans
bedeutet versteifende Wirbelsäulenentzündung.
Erste Symptome
Im Frühstadium gibt es keine eindeutigen diagnostischen Tests.
Später erfolgt die Diagnose über das Blutbild und Röntgenaufnahmen
der Wirbelsäule.
Folgende Kriterien helfen, die ankylosierende Spondylitis zu diagnostizieren
und sie von Rückenproblemen degenerativer Ursache zu unterscheiden:
Es treten Rückenschmerzen auf, die leicht mit anderen Rückenschmerzen
zu verwechseln sind.
Tiefsitzende Rückenschmerzen, verbunden mit einer Bewegungseinschränkung
in der Lendenwirbelsäule.
Langsamer (schleichender) Beginn, der sich über Wochen hinzieht
(kein plötzlicher Anfall innerhalb von Stunden).
Die Beschwerden dauern mehr als 3 Monate an.
Die Steifigkeit und die Schmerzen treten vor allem in den frühen
Morgenstunden auf.
Bewegung führt zu einer Besserung und Ruhe zu einer Verschlimmerung
(bei Rückenschmerzen degenerativer Ursachen ist es umgekehrt).
Bei Beginn Schmerzen im Gesäß, die hinten in den Oberschenkeln
und in den unteren Rücken ziehen können. Meist schmerzt eine
Seite heftiger als die andere. (In meinem Fall wurde dies im Frühstadium
als Ischiasreizung diagnostiziert und behandelt.)
Durch ärztliche Behandlung mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden
Medikamenten können die meisten Symptome gemildert werden. Allerdings
ist Spondylitis nicht heilbar.
Nebeneffekte
Manche Patienten fühlen sich allgemein krank, müde und elend.
Dadurch kann Gewichtsverlust eintreten.
Bei etwa einem Drittel der Patienten treten ein oder mehrmals im Leben
Augenentzündungen auf wie z.B. Iritis (Regenbogenhaut), Irdozyklitis
(Entzündung eines größeren Augenbereiches). Mann sollte
dies schnell beim Arzt behandeln lasen und auf Spondylitis hinweisen.
Bisweilen kommt es zu Darmentzündungen oder Psoriasis
Auftretende Veränderungen
Mit der Sakroiliitis, der Entzündung des Kreuzdarmbeingelenks
(Iliosakralgelenks = ISG), entsteht, wie bei allen entzündlich-rheumatischen
Prozessen, an bandgeführten Gelenken eine Gelenkinstabilität.
Das ISG ist ein bandstabilisiertes Gelenk und wird in der physiologischen
Beckenkippung durch sehr kräftige Bandstrukturen gehalten.
Bei Bandschwächen ist eine muskuläre Kompensation nicht möglich,
da die Muskulatur dieses Gelenk nur übergreift, aber keinen direkten
Ansatzpunkt vom Os ilium zum Os sacrum (s.o.) aufweist. Als logische
Kompensation findet man in diesem Stadium die Aufrichtung des Beckens.
Dadurch wird das Os sacrum mechanisch zwischen den Ileum-Schaufeln eingekeilt
und fixiert.
Diese neue Beckenstellung führt zu einer Formveränderung der
Wirbelsäule mit einem Ausgleich der Lendenlordose und damit einer
Vorverlagerung des Körperschwerpunktes vor die Körperachse,
die den Patienten zunehmend in die typische Fehlform drängt: also
Streckstellung der LWS, Zunahme der Brustkyphose (Wirbelsäulenverbiegung
nach vorne), kompensatorische Zunahme der HWS-Lordose (Wirbelsäulenverbiegung
nach hinten).
Andererseits entspricht eine Beckenaufrichtung einer Überstreckposition
der Hüftgelenke. Um den Schwerpunkt wieder in die Körperachse
zu verlagern, beugt der Patient die Kniegelenke. Diese falsche innere
Kompensation verstärkt die Deformität und führt im weiteren
Verlauf der Erkrankung zu einer bleibenden Hüftbeugestellung (Kontraktur).
Beispiele für die Rückgratkrümmung und das Einknicken
der Knie.
Diese statischen Veränderungen bewirken auch eine massive Beeinträchtigung
der Dynamik, die sich bei der Analyse des Gangbildes aufzeigen läßt.
Die normale Ganganalyse zeigt eine Innenrotation und Uberstreckung im
Standbein sowie eine Außenrotation und Beugung im Schwungbein
im Bereich der Hüften. Die ausgeführte Rumpfrotation bringt
die Energie im Sinne einer Antriebskraft zum Vorwärtskommen.
Beim Patienten mit einer Spondylitits ankylosans wird durch die Kompensation
der Beckenaufrichtung die Überstreckmöglichkeit der Hüfte
,verschenkt". Das wirkt sich im Gangbild des Spondylitikers z.
B. durch eine bleibende Beuge und Außenrotationsstellung aus.
Das Gangbild wird deshalb kleinschrittig.
Die zunehmende Einsteifung der Wirbelsäule führt außerdem
zur Einschränkung der Rotationsmöglichkeiten beim Gehen.
Spondylosen sind nicht vererbbar oder ansteckend.
Was versteht man unter der Spondylose?
Die Spondylose oder Spondylopathia deformans gehört zum Formenkreis
der degenerativen Skeletterkrankungen. Darunter versteht man Erkrankungen,
die mit einem Umbau der normalen Organstruktur (Knochen und Gelenke)
einhergehen. Im Fall der Spondylose handelt es sich um den Abbau elastischer
Elemente (Bänder, Zwischenwirbelscheiben) einerseits und knöchernen
Zubildungen (Abb.1) andererseits. Die Umbauprozesse beginnen in der
Regel an der Unterseite der Wirbel.
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Abb.1 linke Seitenansicht der Beckenregion mit Kreuzbein und 6./7.
Lendenwirbel, die fortgeschrittenen Spondylosen sind gelb hervorgehoben |
Diese Zubildungen können erhebliche Ausmaße annehmen und
im Seitenbereich der Wirbelkörper bis in die Region der Nervenabgänge
hineinreichen. Wenn auch die kleinen Wirbelgelenke oberhalb der Nervenabgänge
in das degenerative Geschehen einbezogen sind, spricht man von einer
Spondylarthrose.
Im Extremfall sind ganze Wirbelsäulenabschnitte durch eine massive
Knochenbrücke starr miteinander verbunden (Bambusstabwirbelsäule,
Abb. 2):
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Abb. 2: Die gesamte Lendenwirbelsäule ist durch eine massive
Knochenbrücke (rot hervorgehoben) versteift. Der letzte Lendenwirbel
(über dem rechten Ende der Knochenbrücke) ist ein so genannter
Übergangswirbel, da er mit dem Kreuzbein enger anatomisch verwandt
erscheint, als mit den übrigen Lendenwirbeln), ca. 4 Jahre
alter Malinois der zum Ankauf (!) angeboten wurde |
Wie entstehen Spondylosen? Welche Bereiche der Wirbelsäule können
betroffen sein?
Wenn die elastischen Elemente der Wirbelsäule (Zwischenwirbelscheiben,
Bänder) verschlissen sind, drohen erhebliche Folgeerkrankungen
z. B. in Form von Lähmungen durch Bandscheibenvorfälle. Der
Körper versucht deshalb diese Bereiche schnellstmöglich zu
reparieren. Eine Reparaturart ist die Versteifung benachbarter Wirbel
durch Spondylosen. Die Wirbelsäule ist in diesem Bereich zwar nicht
mehr elastisch, bleibt aber stabil und die Gefahr eines Bandscheibenvorfalles
ist nach vollständigem Abschluss der Spondylosenbildung gebannt.
Die Bildung von Spondylosen ist deshalb in Zonen der höchsten Belastung
zu erwarten, da hier auch der Verschleiß am stärksten ist.
Diese Bereiche sind in der Bewegungsanalyse der am stärksten belastenden
Gangarten (Galopp, Sprung) gut zu erkennen:
Hauptbelastung am untersten Abschnitt der Lendenwirbelsäule am
Übergang zum Kreuzbein, da hier die Wirbelsäule in die Bewegung
der Hintergliedmaße einbezogen wird,
Übergang der Lendenwirbelsäule zur Brustwirbelsäule
Diese Regionen sind am stärksten belastet, weil hier ein besonders
elastischer Bereich der Wirbelsäule, nämlich die Lendenwirbelsäule,
an besonders starre Bereiche (Kreuzbein, Brustwirbelsäule/Rippen)
angrenzt. Diese Situation ist vergleichbar mit dem Übergang eines
Kabels in den Stecker, wo ja bekanntlich trotz technischer Vorkehrungen,
in der Regel ein Kabelbruch entsteht. Sind 2 Wirbel durch eine Spondylose
versteift, so tritt nun die höchste Belastung an den unmittelbar
benachbarten Wirbeln auf. Dies ist der Grund, warum sich Spondylosen
entlang der Wirbelsäule ausbreiten und letztlich zu Zuständen
wie in Abbildung 2 führen können.
Ähnliche Verhältnisse liegen im Bereich des Übergangs
der Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule vor. Zusätzlich
wird diese Region durch den Schutzdienst belastet. Diese Belastung verteilt
sich aber offensichtlich doch besser, so dass Spondylosen im Bereich
der Halswirbelsäule deutlich seltener als im Bereich der Lendenwirbelsäule
sind. Prinzipiell können Spondylosen an jeder Zwischenwirbelscheibe
(z.B. auch im Schwanzbereich) gebildet werden.
Ursächlich für die Spondylosenbildung ist, wie bereits erwähnt,
der Verschleiß der elastischen Elemente der Wirbelsäule.
Hierfür kommen 3 Ursachen in Frage:
Individuelle Disposition des Tieres. Bei manchen Tieren (gehäuft
z. B. bei Boxern) tritt der Verschleiß ungleich schneller und
bei geringerer Belastung auf. Die Ursache hierfür ist primär
in genetisch determiniertem minderwertigeren Stützgewebestrukturen
(Biochemie der Proteine u. Glykosaminoglykane) zu suchen.
Äußere Belastungsfaktoren: Häufigkeit und Intensität
des Trainings bzw. der dienstlichen Belastung, zu frühe Belastung,
Kondition, Übergewicht etc.. Insbesondere eine forcierte Sprungbelastung
sowie häufiges Aufrichten auf die Hinterhand (hohes Abspüren)
führt zu vorzeitigem Verschleiß. Andererseits fördert
ein zu geringes Trainingspensum das Auftreten akuter Probleme (Muskelzerrungen,
Verletzungen durch zu tiefen Sprung, Diskopathien) während dienstlich
notwendiger, akuter Hochbelastungsphasen.
Innere Belastungsfaktoren: hierunter verstehe ich die Bereitschaft eines
Tieres sich zu verausgaben. Die Triebe eines Hundes sind sicherlich
zu einem erheblichem Anteil genetisch determiniert. In der Regel ist
es aber zwingend notwendig bestimmte Triebe (z.B. Spiel- und Beutetrieb,
Angriffstechnik) beim Junghund zu fördern, damit aus dem Welpen
ein guter Gebrauchshund werden kann. Bei Tieren mit sehr starken entsprechenden
Veranlagungen kann man hierbei jedoch auch über das Ziel hinausschießen,
so dass diese Tiere blind gegen Überbelastungen des eigenen Körpers
werden.
Deshalb ist es kein Zufall, dass gerade die "besten" Hunde
besonders häufig an degenerativen Skeletterkrankungen leiden. Erfreulicherweise
wird diesem Umstand m. E. an vielen Stellen bereits Rechnung getragen.
Trotzdem ist hier weiter Kreativität gefordert um Hunde, bei gleich
bleibender Verlässlichkeit, mit der geringst möglichen Belastung
zum Ausbildungs- und Einsatzziel zu bringen.
Selbstredend verschlechtern Kombinationen der o. a. Faktoren die Tendenz
zur Bildung von Spondylosen, so dass diese nicht selten bereits in einem
Alter von 1,5 bis 2 Jahren auftreten können. Aus diesem Grund sollte
bei der Ankaufsuntersuchung eines Hundes unbedingt die gesamte Lendenwirbelsäule,
einschließlich der Übergänge zu den benachbarten Wirbelsäulenabschnitten
geröntgt werden.
Fortsetzung (zum Teil I.):
3. Welche Beschwerden können durch Spondylosen verursacht werden?
3.1 Frühe Stadien der Spondylosenbildung
Durch die Spondylosen werden die elastischen Zwischenwirbelscheiben
in ihrer Pufferfunktion zunächst eingeengt (Abbildung 3b) und später
völlig ausgeschaltet. Bis zur vollständigen Ausbildung der
Spondylose ist die betroffene Bandscheibe erhöht verstauchungs-
bzw. rupturgefährdet. Folgen können akute Rückenschmerzen
bis hin zu Lähmungen bei akutem Bandscheibenvorfall (s. Diskopathie)
sein.
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Abb. 3a: gesunde Zwischenwirbelscheibe (rot), darüber der
normal weite Bereich des Nervenabganges |
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Abb. 3b: durch Spondylosen eingeengte Zwischenwirbelscheibe (rot)
und eingeengter Bereich des Nervenabganges (Foramen intervertebrale) |
Die elastische Funktion für die Wirbelsäule kann in der Regel
in diesem Stadium von den benachbarten Zwischenwirbelscheiben problemlos
übernommen werden, so dass die Tiere häufig völlig beschwerdefrei
sind. Durch die hierbei auftretende zusätzliche Belastung kommt es
auch an diesen Zwischenwirbelscheiben deutlich gehäuft zu Folgeerkrankungen
(z. B. Diskopathie, Spondylosen).
3.2 Fortgeschrittene Spondylosenbildung
Auch fortgeschrittene Spondylosen sind in der Regel nicht völlig
knöchern durchbaut, das heißt, es verbleiben meist Trennfugen
(Abbildung 4). Bei extremen Belastungen können diese wieder aufreißen,
wobei häufig Teile der Spondylose abbrechen. Außerdem setzt
sofort eine starke Entzündungsreaktion ein, die die Beschwerden
weiter verstärkt. Nach kurzer Zeit sind die Symptome ähnlich
wie bei einem Bruch der Wirbel: hochgradiger Schmerz und Funktionsausfall.
Besonders häufig habe ich diese Störung am Rutenansatz als
Folge einer unsachgemäßen Bewegung der Rute nach oben (z.
B. beim Versuch des Fiebermessens durch den Besitzer), beobachtet. Auch
im Bereich der Lendenwirbelsäule brechen Spondylosen, z. B. bei
Sprüngen, nicht selten auf. Kommen solche Verletzungen nicht zur
Ruhe, können sich gravierende Folgeerkrankungen anschließen
(z. B. eine Diskospondylitis, d. h. Entzündung und Abbau der Wirbelendplatten).
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Abb. 4: Wirbelsäulenpräparat mit fortgeschrittenen Spondylosen
(gelb) von der Bauchseite aus betrachtet. Die Trennfugen innerhalb
der Spondylosen sind deutlich zu erkennen. |
Auf Dauer breiten sich die Spondylosen häufig bis in den Bereich
der Nervenabgänge und auch des Wirbelkanals aus, so dass das Rückenmark
oder einzelne periphere Nerven geschädigt werden. Die Tiere zeigen
bei geringer oder fehlender Schmerzsymptomatik zunächst eine Verzögerung
der Korrekturreaktion, die auch bei anderen Erkrankungen vorkommen kann
(s. CECS). Mit weiterem Fortschreiten entwickelt sich eine Hangbeinlahmheit
mit Schleifgeräusch und evtl. abnorm abgeschliffenen Krallen. Der
Gang der Tiere ist insgesamt steif, das Absitzen und Aufstehen sind verzögert.
Die Muskulatur im Bereich der Hinterhand wird zunehmend schwächer.
Diese Symptome sind ähnlich einer fortgeschrittenen Arthrose der
Hüftgelenke, können aber beispielsweise auch bei einer Borreliose
(bakterielle Erkrankung nach Zeckenbissen) auftreten.
4. Wie werden Spondylosen diagnostiziert und was kann man dagegen tun?
4.1 Diagnose
Spondylosen können in der Regel problemlos anhand von Röntgenaufnahmen
diagnostiziert werden. Da sie aber teilweise auch völlig ohne Beschwerden
ablaufen können, müssen im Rahmen einer Lahmheitsuntersuchung
auch Krankheiten mit ähnlichen Symptomen (z.B. Borreliose, Cauda
equina compression, Diskopathie, Coxarthrose) ausgeschlossen werden.
Nur durch eine möglichst vollständige Röntgenuntersuchung
der gesamten Wirbelsäule (erkrankte Bereiche in 2 Ebenen) und eine
sorgfältige neurologische und orthopädische Untersuchung (einschließlich
Beurteilung in der Bewegung) kann der momentane Status der Erkrankung
erfasst werden. Durch Folgeuntersuchungen (in der Regel nach 1 und 2
Jahren) sollte das Fortschreiten der Erkrankung bzw. der Therapieerfolg
überwacht werden.
4.2 Therapie
Die knöchernen Zubildungen sind praktisch irreversibel, machen
aber selber häufig auch keine Probleme (Ausnahme Fraktur der Spondylosen
s. o.) und müssen deshalb meist nicht behandelt werden. Sind die
Raumforderungen durch die Spondylosen so stark, dass andere empfindliche
Organe (z. B. das Rückenmark) geschädigt werden, kann nur
eine raumerweiternde Operation (Hemilaminektomie, dorsale Laminektomie)
helfen. Zur Behandlung akut entzündlicher Prozesse werden verschiedene
entzündungshemmende Präparate über ca. 2 bis 3 Wochen
angewendet. Im Gegensatz zur Behandlung degenerativer Erkrankungen der
großen Gelenke müssen diese Präparate bei der Spondylosetherapie
nur selten auf Dauer angewendet werden. Bei Reizungen der Nervenwurzeln
werden häufig hochdosierte B-Vitaminpräparate (rezeptpflichtig)
verordnet.
Wichtig ist vor allem die Unterstützung der verbliebenen intakten
Bandscheiben, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern bzw.
zumindest zu verlangsamen. Hierzu muss in aller Regel die Belastung
dem Krankheitszustand angepasst, d. h. mehr oder weniger stark verringert,
werden. Gerade während der Anwendung entzündungshemmender
Medikamente (evtl. auch als Depotinjektion verabreicht) müssen
die Tiere zeitlich befristet völlig geschont werden. Zu lange Schonung
ist ebenfalls zu vermeiden. An diese Rekonvaleszenzphase muss sich eine
kontrollierte Trainingsphase wieder anschließen. Hierbei kann
auch die zeitlich vorübergehende Anwendung von Anabolika sinnvoll
bzw. sogar notwendig sein. Gerade bei älteren Tieren oder bei Zuchttieren
müssen die zu erwartenden Vorteile mit den Nebenwirkungen (Prostatavergrößerung,
verminderte Fertilität) sorgfältig abgewogen werden.
Weiterhin kann man versuchen die elastischen Eigenschaften der verbliebenen
Bandscheiben mit Gelatine und Glykosaminoglykanpräparaten (oft
aus Keimdrüsengewebe der Muschel Perna canaliculus gewonnen) zu
unterstützen. An der Diensthundeklinik der Bundeswehr wurden hierbei
verschiedene Präparate pharmakologisch und klinisch untersucht
und erhebliche Unterschiede in der Zusammensetzung und Wirksamkeit festgestellt.
Wenn diese (sehr teuren) Präparate Erfolg versprechend eingesetzt
werden sollen, müssen sie hoch dosiert und ausreichend lange (mindestens
8 Wochen) gegeben werden. Aufgrund der breiten qualitativen Streuung
der am Markt befindlichen Präparate rate ich grundsätzlich
nur zu den, nur geringfügig teureren, Präparaten namhafter
pharmazeutischer Firmen, da hier zumindest von einem einheitlichen Qualitätsstandard
ausgegangen werden kann.
In Ausnahmefällen (instabile und gebrochene Spondylosen) kann
eine zeitlich befristete und streng tierärztlich überwachte
Förderung der Spondylosenbildung durch eine Stoßtherapie
mit den Vitaminen A und D sowie Calciumpräparaten angezeigt sein.
Die früher häufig angewandte Behandlung mit Kurzwellen ist
nicht mehr üblich. Über erfolgreiche Behandlungen mit alternativen
Behandlungsmethoden (u. a. Magnetfelder, Homöopathie, Enzympräparate,
Akupunktur) wird immer wieder berichtet. Diese richten sich sicherlich
auch primär gegen Entzündungszustände im Zusammenhang
mit Spondylosen und gelten nach derzeitigem Kenntnisstand zumindest
als ungefährlich. Um keine anderen Krankheiten (z. B. Borreliose)
zu verschleppen, sollten sie ebenfalls stets nur auf der Grundlage einer
gesicherten Diagnose angewandt werden.
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