Hauptguppe Ernährungsfehler

Sie finden auf dieser Seite folgende Untergruppen der Ernährungsfehler

Fütterungshygiene Unausgeglichene Ernährung
Krankheiten durch Nahrungsmittel Ergänzungsfutter

Ernährungsfehler können sich besonders beim wachsenden Organismen sehr schädlich auswirken. Sie stören Wachstum, Entwicklung und Leistungsfähigkeit und können zu mehr oder weniger ausgeprägten Stoffwechselstörungen und dadurch hervorgerufenen Systemerkrankungen führen. Besonders gefährdet sind diesbezüglich große Hunderassen, die in den ersten 4 bis 5 Monaten einen sehr starken Gewichtszuwachs haben und zu diesem Zeitpunkt schon das halbe Erwachsenengewicht erreichen.

1. Fehler in der Fütterungshygiene

- Mangelhafte Konsequenz bei der Erziehung zum richtigen Fütterungsverhalten, unregelmäßige Futterzeiten, Stehenlassen des Restfutters, Verwöhnkost, zu viele Leckerbissen

- Verabreichen von zu kaltem oder zu heißem Futter

- Verfüttern von verdorbenen Nahrungsmitteln

- Unzureichende Reinigung der Futter- und Tränkgefäße

- Störungen während der Fütterung

2. Unausgeglichene Ernährung

- Mangelerkrankungen. Hier sind sich alle Tierärzte einig, daß Mangelkrankheiten ausgesprochen selten vorkommen. Eiweißmangel bei selbst zusammengestellten Rationen führt zur Abmagerung und Verminderung der Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Infektionserkrankungen. Das Vermögen, Antikörper zu bilden, wird herabgesetzt und die Immunitäten sind unzureichend. Das ist auch der Grund, weshalb solche Hunde nicht gegen Erkrankungen geimpft werden sollen, da sie leinen belastungsfähigen Impfschutz erreichen.

- Wesentlich häufiger wird der Tierarzt mit Krankheiten konfrontiert, die durch "Wohlstandsernährung" hervorgerufen sind. Ein nicht selten vorkommendes Eiweißüberangebot, wie es bei reiner Fleischfütterung vorliegt, verursacht fatale Folgen durch Systemerkrankungen des Knochengerüstes. Ausgehend von der Meinung, Fleischfresser brauchen am besten nur Fleisch und für meinen Hund ist mir nichts zu teuer, werden viele Hundehalter erst einsichtig, wenn schon so schwere Veränderungen am Skelett vorliegen, daß der Schaden kaum noch zu beheben ist. Dem Hund schmeckt das reine Fleisch ausgezeichnet. Es entspricht aber nicht seinen Bedürfnissen, und die Folgen sind besonders bei großen Hunderassen katastrophal.

Ein sehr wichtiger Faktor für die störungsfreie Skelettentwicklung ist das optimale Calcium/Phosphor- Verhältnis, das beim Hund 1,2 : 1 bis 1,4 : 1 betragen soll. Fleisch hat aber ein Ca/P- Verhältnis von etwa 1 : 18,einen viel zu hohen Anteil an Phosphor und einen Mangel bei Calcium.

Wenn der Ausgleich nicht mit der Nahrung erfolgt, versucht der Organismus , das Ca/P- Verhältnis zu normalisieren und löst dazu das fehlende Calcium aus den Knochen. Dadurch nimmt die Knochenstärcke ab, die Knochen werden hauchdünn. Wenn dann noch in der Wachstumsphase ein hohes Körpergewicht zu tragen ist, wie das bei großen Hunderassen der Fall ist, kommt es zu starken Verformungen im Knochengerüst, im Fachbegriff als "Osteochondrosis dissecans" bezeichnet (OCD). Das ist das Gegenteil von Rachitis, die vielen Hundehaltern in der Umgangssprache viel geläufiger ist, jedoch von einem Überangebot an Calcium hervorgerufen wird. Bei Rachitis ist die Zugabe eines Mineralstoffgemisches mit hohem Phosphoranteil notwendig, bei der OCD wäre das dagegen ein verhängnisvoller Fehler.

Auch bei der Verwendung von Alleinfutter beim Welpen sind noch nicht alle Gefahren gebannt. Der erste Fehler wäre bei der Aufzucht eines Dobermanns ein allgemeines Welpenfutter zu nehmen und nicht ein Alleinfutter speziell für große Rassen! Der zweite mögliche Fehler in diesem Zusammenhang wäre wiederum ein "Wohlstandsproblem". Nahezu die gesamte industriell hergestellte Hundenahrung ist mit Vitaminen und Mineralstoffen so angereichert, daß zumindest bei Vitaminen kein Mangel zu befürchten ist. Überall wird aber den Hundehaltern ein breites Sortiment von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen in verlockender Verpackung angeboten und auch sehr reger Gebrauch davon gemacht. In diesen Zusatzpräparaten sind meist sehr hohe Dosen von Vitamin A und D3 enthalten, die bei hoher Überdosierung durchaus nicht ungefährlich sind. Man bedenke, daß die Alleinfutter schon hoch mit Vitaminen dosiert sind.

Vitamin A greift über die Regulation des Eiweßstoffwechsels und den Aufbau von Bindegewebe in die Ossifikation (Verknöcherungsvorgänge) ein. Es ist in Fleisch, Leber, Lebertran, Milch, Eier und Gemüse enthalten. Bei Überdosierung kommt es als Gegenregulation zu einer Überfunktion der Schilddrüse, der Stoffwechsel wird gesteigert, und es kommt zu Störungen der Ossifikation.

Vitamin D3 wird durch den Aufenthalt im Freien, durch Ultraviolettstrahlung vom Hund aus den Vorstufen Ergosterin und Cholesterin selbst synthetisiert. Überdosierungen führen zu Intoxikationen und Stoffwechselstörungen mit Veränderungen am Skelett und Bewegungsapparat. Besonders wird durch Vitamin D3 die Mobilisierung von Calcium aus den Knochen, wie es schon ein Phosphorüberschuß induziert, noch verstärkt! Calcium wird über die Niere wieder ausgeschieden, es kann auch zu Kalkablagerungen mit Funktionseinschränkungen in der Niere, dem Herz und der Lunge kommen.

Um es noch ein mal zu verdeutlichen sei gesagt: Eine unausgewogene Fütterung mit zu hohem Fleischanteil, die zu einem unphysiologischen Ca/P- Gleichgewicht mit nachfolgenden Schäden am Knochenapparat geführt hat, kann mit einer zusätzlichen Verabreichung von Vitamin D3 (Vigantol, Lebertran o.ä.) nicht zur Besserung, wohl aber zu einer katastrophalen Verschlimmerung der Deformationen am Bewegungsapparat gebracht werden.

Noch ein paar Worte zum beliebten Zusatzfutter: Wo ist es notwendig, sinnvoll, überflüssig oder schädlich?

Ergänzungsfutter wird benötigt bei Verfütterung von Fleisch und Flocken als Mineralfutter, bei vorwiegender Verfütterung von Getreideprodukten und Schlachtabfällen, sowie vitaminreicher Ergänzungsfutter. Bei Alleinfutter ist keine Ergänzung nötig.

Bei den vitaminisierten Mineralfuttermitteln achte man auf den Vitamin A- und den Vitamin D3- Gehalt. Auf 1 g Calcium sollten nicht mehr als 500-1000 IE Vitamin A und 50-100 Vitamin D3 enthalten sein.

Ohne besondere Wirkung zur Festigung der Mensch- Hund- Beziehung, sind "Snaks" als Belohnungshäppchen in Maßen tolerierbar.

Unwirksame und unlautere Angebote mit gesundheitsbezogener Werbung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen sind z.B. "für den Stoffwechsel", "zur Steigerung der Vitalität", "optimaler Stoffwechsel"; "Vorbeugung gegen praktisch alle Allergieprobleme". Solche Angebote disqualifizieren sich bei kritischer Durchsicht von selbst und man sollte sie im Regal des Händlers stehen lassen.

Ich hoffe, mit diesen Darlegungen einen Anstoß für Hundehalter gegeben zu haben, ihren Hund weniger emotional, als vielmehr rational zu füttern und sich ausreichende Grundkenntnisse anzueignen. Wissen ist Macht, aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!

Es kann schon sehr weh tun, wenn ein vielversprechender junger Dobermann durch Unvernunft seines Besitzers zu einem deformierten Invaliden gefüttert wird und alle Hoffnungen begraben werden müssen.

Auch eine Übertragung von Krankheiten ist durch Nahrungsmittel möglich. Besonders wären hier Salmonellen, Endoparasiten, Viren, Aujeszkysche Krankheit und Transmissibel Gastroenteritis (TGE) zu nennen. Die Übertragung von Infektionskrankheiten ist nur dann möglich, wenn nicht sterilisiertes Futterfleisch suspekter Herkunft verfüttert wird. Daher ist das Abkochen des Futterfleisches eine relativ sichre Prophylaxe. Auf jeden Fall darf Schweinefleisch wegen der möglichen Kontamination mit Erregern der Aujeszkyschen Krankheit (AK) nur abgekocht verfüttert werden. Diese Krankheitserreger sind für den Menschen ohne jede Bedeutung, für Hunde und Katzen aber eine tödliche Gefahr. Diese Erkrankung wird auch Pseudowut genannt, führt zu Apathie und Inappetenz, sehr starkem Juckreiz bis zur Selbstverstümmelung. Anfälle von Tobsucht und Schmerzäußerungen, Speichelfluß; sie verläuft innerhalb von 24-36 Stunden tödlich. Eine erfolgreiche Therapie ist nicht bekannt.

Eine ebenfalls in Futtermitteln vorkommende Bakterienart sind die Clostridien. Es kommt zu Fieber, Erbrechen und stinkend blutigem Durchfall. Es handelt sich mehr um eine Intoxikation, als um eine Infektion.

Hunde sind vor Nahrungsmittelvergiftungen am besten zu schützen, wenn sie durch Aufsicht und Kontrolle an der Aufnahme verendeter Kleinnager oder verdorbener Lebensmittel gehindert werden. Besonders vorsichtig muß man mit der Verfütterung von Futterfleisch oder Innereien suspekter Herkunft sein. Derartiges Fleisch ist nur frisch und zur Erregerverdünnung intensiv durchgekocht einzusetzen.

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