Demodikose:
Der Erreger ist die Haarbalgmilbe Demodex canis. Die Milbe lebt als Kommensale, also nicht schädigender Mitbewohner der Haut, in geringer Anzahl meist oberhalb der Talgdrüse. Bis heute ist ungeklärt, warum es plötzlich innerhalb kürzester Zeit zum aktiven Eindringen der Nymphen und Imagines in die Haarbälge kommen kann, wo sie sich dann massenhaft vermehren und pathologische Zustände hervorrufen. Angenommen wird ein erblich bedingter Defekt der T-Zelle mit Induktion eines immununterdrückenden Serumfaktors.
Wichtige Erläuterungen zum Immunsystem
Der im Körper nach der Geburt bereits vorhandene Abwehrmechanismus des Immunsystems entspricht der angeborenen Immunität. Defekte im Immunsystem - Immunmangelzustände - stellen ein nicht so seltenes, oft nicht erkanntes oder unterschätztes Problem für die Abwehr von Krankheiten dar. Während die erworbene Immunität durch gezielte Impfungen zu einen hohen Schutz vor bestimmten Krankheiten führt, können die erblichen und angeborenen Immunmängel kaum zu beeinflussende, völlige Wehrlosigkeit gegen Krankheiten bedeuten. Erstens verlangt nur Sorgfalt und Einhaltung des Impfplans vom Besitzer, erbliche Mängel erfordern dagegen züchterische Konsequenz.
Durch die Forschung werden immer mehr erbliche Immunmängel festgestellt, die sowohl den antigen-unspezifischen, als auch den antigen-spetifischen Bereich betreffen können. Die Lokalisation des erblichen Defekts, die zur Demodikose führt, ist noch nicht abschließend geklärt, man vermutet ich im Bereich der T- Zellen. Man unterscheidet eine lokale und eine generalisierte Demodikose. Es erkranken vor allem Jungtiere im Alter von 3-12 Monaten.
Die Übertragung der Milben erfolgt in der ersten 72 Stunden nach der Geburt vom Muttertier beim Saugakt der Welpen. Von der Umgebung der Zitzen erfolgt die Übertragung auf die Haut der Welpen, wo sie sich vorwiegend im Kopfbereich und an den Pfoten ansiedeln. Lokalisierte Demodikose mit Haarausfall, leichter Rötung (rote Räude) und Schuppung sieht man daher zuerst am Kopf, um die Augen herum (Brillenbildung) und an den Gliedermaßen.
Aus der lokalen Demodikose entsteht bei ungenügender Immunabwehr die generalisierte. Durch zusätzliche bakterielle Besiedlung kommt es anschließend zu eitrigen Hautentzündungen und schweren Störungen des Allgemeinbefindens. Nach intensiver Therapie und nach Abheilung der generalisierten Demodikose bleiben häufig im Bereich der Pfoten noch therapieresistente Bezirke zurück.
Streß, Läufigkeit und Trächtigkeit können bei Hunden mit Immunschwäche jederzeit wieder zu einem Rückfall führen. Hündinnen, die wiederholt Welpen mit Demodexerkrankung bringen oder selbst eine generalisierte Demodikose überstanden haben, sollten sinnvollerweise nicht zur Zucht verwendet werden.
Milben, Ordnung der Spinnentiere mit über 30000 meist sehr kleinen, weltweit verbreiteten Arten von in der Regel ovaler Körperform. Neben den Spinnen stellen die Milben die artenreichste Gruppe der Spinnentiere dar. Die Tiere sind zwischen knapp 0,1 Millimeter und drei Zentimeter groß, wobei Zecken wie der Holzbock im vollgesaugten Zustand zu den größten zählen; im Allgemeinen sind Milben jedoch kleiner als ein Zentimeter. Kopf, Brust und Hinterleib der Milben sind zu einem unsegmentierten Körper verschmolzen. Im Larvenstadium besitzen sie oft drei Beinpaare, als Nymphen (siehe: Entwicklungsbiologie: Metamorphose) und ausgewachsene Tiere hingegen vier Beinpaare, wie bei den Spinnentieren üblich. Die Mundwerkzeuge sind je nach der Ernährungsweise stehend, saugend oder kauend ausgebildet und verfügen über kleine Scheren (Cheliceren), die bei verschiedenen Milbengruppen in vielfältiger Weise abgewandelt sind. Wie die meisten Spinnentiere atmen Milben mit Hilfe von Tracheen (kleinen Atemröhren mit Öffnungen an der Körperoberfläche). Sie sind in praktisch allen Lebensräumen zu finden, sowohl im Wasser als auch an Land. Auch die Ernährung ist außerordentlich vielfältig: Einige Gruppen leben räuberisch von anderen Kleintieren, andere sind Parasiten an Tieren und Menschen, wieder andere ernähren sich von Pflanzen, an denen sie teilweise (die Unterordnung der Gallmilben) für die Erzeugung von Gallen verantwortlich sind. Zahlreiche Milben sind aus wirtschaftlicher und medizinischer Sicht in mehrfacher Weise bedeutsam: Sie können Schäden an Kulturpflanzen verursachen, bei der Saugtätigkeit an den Pflanzen Krankheiten - z.B. krankheitsauslösende Viren (siehe Pflanzenkrankheiten) - übertragen, sie lösen gefährliche Krankheiten bei Nutz- und Haustieren und beim Menschen aus, und sie stellen wichtige Vorratsschädlinge dar.
Zu den wichtigsten Milben gehören die Erntmilbe und die die Krätze auslösende Kratzmilbe.
Die Haarbalgmilben befallen die Follikel menschlicher Haare und Talgdrüsen und werden nur ungefähr einen Millimeter lang. Die Vogel- oder Hühnermilbe lebt als Blut saugender Parasit von Hühnern und anderen Hausgeflügel, kann aber auch beim Menschen Hautentzündungen hervorrufen. In den letzten Jahren hat die Varroa-Seuche (Varroatose) aus. Die Milbe saugt dabei als Ektoparasit (sich außerhalb des Körpers befindlicher Parasit) die Hämolymhe- das "Blut" der Gliedertiere-,und zwar sowohl von den Bienenlarven als auch von ausgewachsenen Tieren. Die Bienen verkrüppeln daraufhin oder sterben ab. In Europa hat diese Seuche bereits zur Vernichtung vieler Bienenstöcke geführt. Ursprünglich war die Varroa- Milbe in Asien heimisch; an den dortigen Honigbienenarten verursacht sie jedoch kaum Schäden. Inzwischen ist die Seuche weltweit - mit Ausnahme von Australien - verbreitet.
Mehr als 100 Arten von Süßwassermilben bewohnen allein die Seen und Flüsse der Vereinigten Staaten, eine Art findet sich auch in Meer; diese Tiere besitzen gefranste Beine, mittels deren sie sich im Wasser fortbewegen können. Häufige Pflanzenparasiten sind die so genannten Roten Spinnen oder Spinnenmilben; sie fressen an der Unterseite von Blättern und bilden dort Nester aus sehr feinen, seidenartigen Fäden, in denen sie sich aufhalten. Bei dafür empfindlicher Personen können Hausstaubmilben und deren Kot heuschnupfenartige, allergische Reaktionen auslösen; diese nur 0,1 Millimeter großen Tiere leben von Hautschuppen und Staub und finden sich häufig in Bettmatratzen, Polstern und Fußbodenritzen.
Haarbalgmilbe, Demodicidae0,09-0,4 mm lange Milben mit wurmförmig verlängertem, quergerinseltem Hinterkörper und vier Paaren stummelförmiger Beine. Haarbalgmilben leben streng wirtsspezifisch in den Haarbälgen und Talgdrüsen der Säugetiere (einschließlich des Menschen). Sie verursachen beim Hund die gefährliche - Demodikose. Eine therapierung bei Demodex-Hunden erfolgt über die Unterstützung des Immunsystemes. Als sehr wirksam hat sich die Unterstützung durch Injektionen von Vitaminkomplexen erwiesen (z.B. Catosal, Vitamin AD3 E200-oleosum), sowie das Einreiben der angegriffenen Stellen durch Hydrocortiderm-M, bei großflächigem Befall durch das Waschen des Hundes mit Amitrass und eine Heilungsunterstützung von Innen erfolgt über die Fütterung von Cythioat (z.B. Cyflee Tabletten). Es gibt Milben, die sind so klein, dass man sie mit dem blossen Auge nicht sehen kann, aber sie leben auf der Haut der Hunde. Es gibt viele Sorten. Die wohl gefürchtetste ist die Demodex-Milbe, auch Haarbalgmilbe genannt, weil sie vorwiegend in Haarfollikeln lebt. Unter dem Mikroskop sieht diese Milbe länglich aus. Am vorderen Teil hat sie acht Beine. Sie lebt von Haarzellen, Plasma und Blut. Sie hat einen Lebenszyklus (vom Ei bis zur erwachsenen Milbe) von ungefähr 30 Tagen.
Bei jedem Hund kommen diese Milben in geringer Zahl auf der Haut vor. Wenn sich die jedoch plötzlich vermehren, kann es zu sehr ernsten Hautproblemen kommen, vor allem, wenn sie grossflächig auf dem ganzen Körper anzutreffen sind. Was sind die ausschlaggebenden Faktoren, dass der eine Hund eine beinahe nicht zu bekämpfende Ausbreitung bekommt, der andere eine lokal schnell zu behandelnde Form, und der nächste absolut nichts bekommt? Das kann innerhalb eines Wurfs vorkommen. Bei bestimmten Rassen wie zum Beispiel dem Shar Pei, Bullterrier oder Dobermann tritt diese Hauterkrankung sehr häufig auf. Interessant ist die Beobachtung, dass die längere Verabreichung von Cortison, das ja bekanntlich das Immunsystem auf verschiedenen Ebenen herabsetzt, die generalisierte Form von Demodex auslösen kann. Auch das Hormon zur Unterdrückung der Läufigkeit kann diesen Effekt haben. Bei älteren Hunden kann es auch zu Demodex-Ausbrüchen kommen. Meist werden zum Beispiel bösartige Tumore, Leber- und Nebennieren-Erkrankungen festgestellt. Wenn diese Krankheiten erfolgreich behandelt werden können, dann heilt die Demodex in den meisten Fällen von selbst.
Man nimmt an, dass bei solchen Tieren keine erblichen Einflüsse auf Demodex vorliegen. Es gibt also verschiedene Demodexformen: Die lokalisierte Jugend-, die lokalisierte altersunabhängige, die generalisierte Jugend- und die Demodex bei älteren Hunden. Die lokalisierte Demodex tritt vor allem bei Jungtieren im Alter von drei bis sechs Monaten auf. Man sieht ein bis mehrere haararme bis haarlose Hautbezirke, gerötet, auch mit Schuppenbildung. Die Veränderungen finden sich meist im Gesicht, besonders im Bereich der Augen und Mundwinkel, aber auch an den Vorder- und Hinterbeinen. Juckreiz liegt meist nicht vor. Es handelt sich bei dieser Form um eine vorübergehende Störung des Immunsystems und nicht um ein genetisches Problem. Auch starke Verwurmung oder Blasenentzündung können ein Grund sein. In über 90 Prozent der Fälle heilt diese lokalisierte Form ohne irgendeine Therapie innerhalb von acht bis zwölf Wochen aus. Diese „Selbstheilung" ist ein sicheres Zeichen für das gut funktionierende Immunsystem des Patienten.
Man sollte allerdings auch hier nicht nur einfach still abwarten, was passiert, sondern unter Aufsicht des Tierarztes den genauen Verlauf beobachten. Bei der generalisierten Demodex sehen wir ein sehr ernstes Krankheitsbild, vor alle, wenn eine sekundäre bakterielle Hautinfektion dazu kommt. Nässende, eitrige Haustellen mit mehr oder weniger Juckreiz, die auch schmerzhaft sein können. Das kann sich über den ganzen Körper ausbreiten. Auch eine Blutvergiftung kann auftreten. Heute geht man davon aus, dass die generalisierte Demodex ohne erworbene Immunschwäche, also Cortison-Behandlung, Tumore etc., Ausdruck eines erblichen, vermutlich autosomal rezessiv vererbten spezifischen Immundefektes gegenüber den Demodexmilben ist.
Durch die bei einer Erkrankung erfolgende massenhafte vermehrung der Demodexmilben wird eine Substanz im Serum der Tiere induziert, die ihrerseits zu einer generalisierten Unterdrückung von bestimmten weissen Blutkörperchen, den so genannten T-Zellen führt. Diese Blutkörperchen sind für die zellvermittelte Immunität verantwortlich. Wenn man die Milben behandelt, normalisieren sie die T-Zellen wieder. Nur durch tiefe Hautgeschabsel, die unter dem Mikroskop untersucht werden, kann man Demodex feststellen. Lebende Milben in allen Stadien müssen nachweisbar sein, zum Beispiel acht Milben pro Gesichtsfeld.
Ist Demodex ansteckend? Nein, bis auf die Ausnahme, dass Welpen sich in den ersten drei Tagen nach der Geburt bei ihrer Mutter anstecken können. Bei der Behandlung von generalisierter Demodex braucht man einen langen Atem. Etwa 70 Prozent sind heilbar. Es gibt leider kein Mittel, das auf die zellgebundene Abwehr eingreift. Das heisst: man muss alles tun, um die Gesamtkondition des Hundes gut zu halten. Gutes Futter, keine bakteriellen Hautinfektionen, Würmer und so weiter. Auch eine extra Gabe von Vitamin E kann einen guten Einfluss haben. Der Hund muss geschoren werden, das ist vor allem bei langhaarigen Typen wichtig.
Einmal in der Woche sollte man den Hund mit einem Anti-Seborreo-Shampoo waschen, um einer übermässigen Talgproduktion entgegen zu wirken. Das einzige, momentan offiziell zugelassene Mittel gegen Demodex ist Amitraz, Markenname Ectodex (Bayer). Es gibt ausserdem noch TacTic, das jedoch meist für Grosstiere eingesetzt wird und dementsprechend stärker dosiert ist. Man badet den Hund jeden Tag mit einer genau dosierten Lösung Ectodex, einen Tag die vordere Hälfte, den nächsten die hintere.
Es gibt noch zwei Alternativen: In Tablettenform Interceptor von Ciba Geigy, und zum oralen Gebrauch Ivomec von MSD. Ivermectine in Form von Injektionen ist nicht wirksam. Diese beiden Mittel nie mit anderen Mitteln gebrauchen! Sie sind in einigen europäischen Ländern nicht zugelassen (Rassen wie zum Beispiel Bobtail dürfen nicht behandelt werden) und somit nur auf eigene Verantwortung zu gebrauchen. Aus Amerika kommt Milbemycine Oxime, das auch in Tablettenform gereicht wird. Es ist sehr teuer und auch noch nicht genügend getestet. Wenn plötzlich ganze Würfe an generalisierter Demodex erkranken, dann ist das ein Alarmzeichen für die Züchter und die Rasse allgemein. Vor allem, wenn die Form so aggressiv ist, dass einige Hunde nicht überleben, und der Rest es nur nach wochenlanger mühsamer Behandlung „auf dem Nippel" schafft. Man sollte sich nichts vormachen: Ectodex ist ein Teufelszeug, das auch für eventuell andere im selben Haushalt lebende Hunde negative Auswirkungen haben kann. Bei Durchlesen des Beipackzettels wird einem sowieso Angst und Bange.