Homöopathischer Ratgeber

Erkrankungen des Verdauungssystems

Erkrankungen von Dünndarm, Dickdarm und Enddarm

Verengerung des Magenausgangs (Pylorusstenose)

Eine Magenausgangsverengerung kann vererbt, aber auch erworben werden. In diesem Fall entsteht das Leiden meist als Folgeprozeß einer Entzündung mit Narbenbildung; das Narbengewebe blockiert dann den Magenausgang.

Symptome

Der Hund muß sich sehr heftig erbrechen, sein Appetit bleibt allerdings unbeeinträchtigt. Das Erbrechen hängt davon ab, ob der Hund gefressen oder gesoffen hat; meist übergibt sich das Tier einige Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Außerdem leidet der Hund gewöhnlich an Verstopfung.

Behandlung

Wenn die Beschwerden nicht operativ behoben werden sollen, können vielleicht folgende Mittel Abhilfe schaffen:

Nux vomica M1 Der Hund erbricht sich unter starkem Würgen. Die Magengegend ist sehr druckempfindlich.

Lycopodium clavatum M1 Die Verdauung ist generell schlecht. Das Mittel ist eher für magere Hunde oder schlanke Hunderassen geeignet. Der Hund gibt sich schon mit ganz wenig Kost zufrieden und leidet unter Blähungen.

Silicea (syn. Acidum silicicum) D30 Mit diesem Mittel läßt sich vorhandenes Narbengewebe sehr gut beseitigen. Auf diese Weise wirkt Silicea indirekt, indem es den chronischen Entzündungsprozeß beseitigt.

Entzündung des Dünn- und Dickdarms (Enterokolitis)

Die Entzündungen von Dünndarm und Dickdarm lassen sich unter dem Begriff Enterokolitis zusammenfassen. Darmentzündungen führen meist zu Durchfall und ruhrartigen Beschwerden, die Beschaffenheit des Kotes kann hierbei beträchtlich variieren.

Akute Enterokolitis

Diese Krankheit entsteht vielfach, weil Krankheitserreger in den Dünndarmbereich eingedrungen sind, wie z. B. die Erreger von Staupe und Leptospirose. Eine andere Ursache kann auch fehlerhafte Ernährung sein, wenn der Hund beispielsweise verdorbenes Futter gefressen hat.

Symptome

Zu Beginn der Krankheit wird sich der Hund übergeben, das charakteristische Symptom ist jedoch der Durchfall, der gelegentlich auch blutig ist (hämorrhagischer Durchfall). Die Körpertemperatur steigt, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt; bei einer Lebensmittelvergiftung o. ä. liegt die Temperatur hingegen unter ihrem normalen Wert. Bei Berührung seines Bauches empfindet der Hund deutliche Schmerzen, und aus dem Dickdarmbereich ertönt ein Kollern und Knurren. Bei länger anhaltendem Durchfall machen sich Symptome einer Dehydrierung bemerkbar (der Hund »trocknet zusehends aus«).

Behandlung

Dem homöopathisch praktizierenden Veterinär stehen glücklicherweise viele Arzneimittel gegen diese Krankheit zur Verfügung — immer unter der Voraussetzung, daß die Symptome stimmen. Nachfolgend können nur ein paar ausgewählte Beispiele vorgestellt werden, da der Rahmen dieses Buch sonst gesprengt würde. Im Literaturverzeichnis finden Sie einige Bücher, die umfassende Listen mit homöopathischen Heilmitteln enthalten.

Arsenicum albuni (syn. Acidum arsenicosum) D30 oder D6 Ein typisches Symptom für dieses Mittel ist wäßriger, nach Aas stinkender Durchfall, der in den Abendstunden oder gegen Mitternacht stärker wird. Im allgemeinen hat der Hund Durst auf kleine Mengen Wasser. Sein Fell ist rauh und trocken, und gelegentlich wechselt er voller Unrast seine Position. Das Mittel ist ideal, wenn sich beim Hund Symptome einer Dehydrierung bemerkbar machen.

Ipecacuanha D30 Typischerweise geht dem Anfall ein heftiges Erbrechen voraus. Der häufig ausgeschiedene schleimige Kot ist von grünlicher Farbe und zum Teil blutdurchsetzt.

Aloe D200 Der Kot ist bröckelig und von gallertartiger Konsistenz. Möglicherweise leidet das Tier an einer bisher nicht bemerkten Leberanschoppung (Stauungsleber). Die Blähungen machen sich durch lautes Rumoren im Dickdarm bemerkbar.

Podophyllum D30 Dieses Mittel wird sehr oft bei bestimmten Darmerkrankungen (sowohl Dick- als auch Dünndarm) verwendet; typisches Kennzeichen ist ein sehr flüssiger Kot, der aus dem After herausschießt und gelegentlich Schleim enthält. Podophyllum ist auch bei länger anhaltendem Durchfall geeignet, wobei der Mastdarm leicht vorgewölbt sein kann (Rektalprolaps).

Mercurius corrosivus D30 Ist ein passendes Mittel gegen ruhrartigen Durchfall, wobei der Kot viel Schleim enthält und daher glitschig aussieht. Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang verschlimmern sich die Symptome. Der Hund setzt seinen Kot unter heftigem Pressen ab.

Veratrum albuni D30 Während der Diarrhoe ist der Hund sehr schlapp und bricht häufig zusammen. Die meist sehr flüssigen und ergiebigen Durchfälle beginnen mit Koliksymptomen. Zu den allgemeinen Symptomen für die Weiße Nieswurz gehören u. a. ein trockenes Maul und bläulich angelaufene Schleimhäute (Zyanose).

Campnora D6 Ein bezeichnendes Symptom für den Einsatz von Camphora ist wiederum eine Kraftlosigkeit des kranken Tieres, jedoch noch ausgeprägter als bei Veratrum album. Dem Hund ist am ganzen Körper kalt, sein »Stuhl« ist schwärzlich und wird unkontrolliert ausgeschieden.

Cuprum metallicum D30 Ein grünlicher, blutdurchsetzter Durchfallkot kann von Muskelkrämpfen begleitet sein. Als weiteres häufiges Anzeichen von Nervosität kann man u. a. ein Zucken des Hundes beobachten.

Carbo vegetabilis D200 Dieses Mittel hat sich besonders bei todkranken Hunden bewährt, teilweise sogar mit spektakulärem Erfolg. Carbo vegetabilis schlug vor allem bei Tieren an, bei denen man schon aufgrund eines hohen Flüssigkeitsverlustes alle Hoffnung aufgegeben hatte. Der Kot stinkt nach Aas und wird von heftigen Winden begleitet.

Pyrogenium M1 Auch dieses Mittel bietet sich für den äußersten Notfall an. Der Kot riecht meist faulig, und des Öfteren besteht eine ausgeprägte Blutvergiftung (Toxämie). Hohes Fieber und ein träger, kleiner Puls sind weitere »todsichere« Zeichen für den Einsatz von Pyrogenium.

China D6 Diese Arznei sollte immer als Adjuvans (unterstützendes Mittel) für andere Homöopathika verabreicht werden, da es den Hund nach starkem Flüssigkeitsverlust wieder kräftigt. Die eigentliche Wirkung von China (d. h. ohne weitere Medikamente) besteht darin, den Durchfall in den Griff zu bekommen.


Chronische Enterokolitis

Diese Erkrankung ist durch einen chronischen Durchfall charakterisiert, der auf vorhandene Fremdkörper oder Wurmbefall hinweisen kann. Tumorbildung oder Erkrankungen von Leber bzw. Bauchspeicheldrüse (Pankreas) können gleichfalls zu einer chronischen Enterokolitis beitragen. Weitere Ursachen sind u. a. Nierenleiden und Nervosität.

Symptome

Wenn man den Bauch des Tieres abtastet, läßt sich eine Verdickung des Dickdarms feststellen. Der Kot wird schleimig und enthält hin und wieder Blut. Der Gesundheitszustand des Hundes verfällt sehr rasch, und das Tier beginnt auszutrocknen (zu dehydrieren).

Behandlung

Die Arzneien, die bei der akuten Enterokolitis geholfen haben, sind auch für eine chronische Darmentzündung geeignet, da Durchfall als charakteristisches Symptom bei fast allen Formen dieser Krankheit auftaucht. Außerdem könnte die Darmverdickung durch Gabe von Silicea D30 verringert werden.


Ulzerative Dickdarmentzündung (Colitis ulcerosa)

Diese Spezialform der Kolitis, die mit Eiterung und Geschwürbildung einhergeht, tritt häufig bei jungen, insbesondere bei zweijährigen Hunden auf. Vor allem Boxer sind hierfür sehr anfällig.

Symptome

Der Allgemeinzustand des Hundes bleibt unverändert gut, einziges sichtbares Zeichen für die Erkrankung ist der weiche Kot, der überwiegend Schleim und gelegentlich auch Blutspuren enthält. Seine Beschaffenheit verändert sich dauernd; er ist hellbraun und wird recht häufig ausgeschieden.

Behandlung

Auch bei dieser Erkrankung können die in den beiden vorigen Abschnitten erwähnten Mittel gegeben werden. Die Entscheidung richtet sich nach den vorhanden Symptomen. Daher werden die nun vorgestellten Arzneien detaillierter beschrieben.

Acidum nitricum D200 Dies ist ein sehr gutes Mittel, wenn Schleimhäute ulzerieren, die sich in der Nähe einer Körperöffnung befinden. Daher eignet sich Acidum nitricum ideal bei Läsionen im Bereich des Mastdarms, der ja ein Teil des Kolons (Dickdarms) ist.

Mercurius dulcis D30 Diese Arznei zeigte bei leichter Erkrankung (»Stuhl« gelegentlich mit Schleim durchsetzt, Geschwürbildung im Maul) gute Erfolge. Der Hund scheidet geringe Kotmengen aus, allerdings häufiger als gewöhnlich.

Kalium bichromicum D200 Dieses Mittel ist hervorragend bei gallertartigem Kot, den der Hund mehrfach in den Morgenstunden absetzt. Dabei muß das Tier sehr heftig pressen. Häufig stellt sich auch eine Darmgrippe ein.

Joduni D6 Sollte bei folgenden Symptomen gegeben werden: schaumiger gelber Kot, Heißhunger und Verschlechterung der körperlichen Verfassung. Die Haut sieht ausgetrocknet aus.

Chamomilla D6 Kamille ist besonders gut, wenn gerade junge Hunde an Durchfall und damit verbundener Aufregung leiden. Der Kot ist schleimig, sehr heiß und läßt die Haut um den After wund werden.


Mastdarmentzündung (Proktitis)

Eine Entzündung im Rektum (Mastdarm) kann durch vorhandene Fremdkörper (z. B. Knochensplitter) verursacht werden. Wenn die Entzündung stärker geworden ist, muß der Hund beim Koten meist sehr heftig pressen, und die Innenhaut des Mastdarms kann dabei nach außen gedrückt werden. Bei einer Rektaluntersuchung ergibt sich in der Regel, daß die Schleimhaut verdickt und möglicherweise von Geschwüren befallen ist.

Behandlung

Die nun aufgezählten Mittel sollten Abhilfe schaffen. Parallel zur Behandlung empfiehlt es sich, dem Hund nur halbflüssige, leicht verdauliche Kost zu geben.

Collinsonia D200 Der Hund hat Verstopfung und muß beim Koten stark pressen. Sein After kann nach außen gestülpt sein (Analprolaps). Durchfallkot kann mit hartem Kot abwechseln.

Podophyllum D30 Charakteristisch für diese Arznei ist ein grünlicher, ergiebiger Durchfall am Morgen. Des öfteren sind Teile des Mastdarms herausgestülpt. Die innere Darmschleimhaut fühlt sich (bei äußerem Abtasten) »verbeult« an und ist eventuell voller Geschwüre.

Aloe D200 Die Defäkation wird von starken Blähungen begleitet und der Kot sieht aufgrund des umfangreichen Schleims gallertartig aus. Möglicherweise wird man Wundsem am After feststellen.

Ruta graveolens D30 Der Hund kotet unter heftigem Pressen, und sehr häufig ist der Enddarm nach außen gestülpt. Die Kotmenge ist durchweg reduziert, jedoch findet man bei schwereren Fällen, daß der ausgeschiedene Kot schaumig- schleimig ist.


Durchfall (Diarrhoe) und Verstopfung (Obstipation)

Die beiden Erkrankungen — Durchfall und Verstopfung — lassen sich problemlos in einer gemeinsamen Beschreibung abhandeln.

Beschaffenheit des »Stuhls«: Der Kot kann wäßrig, schleimig oder ruhrartig (dünnflüssig) und unterschiedlich geformt bzw. gefärbt sein. Eine sehr üppige Darmentleerung deutet daraufhin, daß die Ursachen eher im Dünndarm als im Dickdarm liegen, Sehr spärlicher und häufig abgesetzter Kot mit viel Schleim läßt eine Kolitis vermuten. Schaumiger Kot, der von Fettbröckchen durchzogen ist, ist vielfach ein Symptom für Diabetes oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), während ein schwarzer Kot (Teerstuhl) auf Darmblutungen hindeutet. Störungen der Lebertätigkeit werden durch einen lehmfarbenen Kot offenbart, und orangefarbene Pigmente im Kot sind gewöhnlich Anzeichen einer Leptospirose.

Durchfall (Diarrhoe): Unter dem Stichwort »Enterokolitis« wurde bereits auf diese Krankheit eingegangen. Einen Durchfall kann man generell mit den dort aufgezählten Arzneien behandeln. Jedoch wurden bewußt nur einige Mittel ausgewählt, um den homöopathischen Anfänger nicht zu verwirren, weil dieser ja die erforderlichen, zum Teil sehr komplexen Arzneimittelbilder noch nicht kennt.

Verstopfung (Obstipation): Der Stuhlgang kann leicht oder stark eingeschränkt sein. Ursachen hierfür können sein, daß der Hund zuwenig gesoffen oder zu viele Knochen gefressen hat.

Symptome

Unter heftigem Pressen setzt der Hund einen leicht bröckeligen Kot ab, der gelegentlich noch Blut enthält. Erbrechen ist ebenfalls nicht ungewöhnlich. Bei länger andauernder Erkrankung kann man beobachten, daß das Tier seinen Hinterkörper nur unkoordiniert bewegt. Der Hund hat es nicht gern und wehrt sich dagegen, am Bauch berührt zu werden.

Behandlung

Die folgenden Mittel sind je nach Arzneimittelbild einzusetzen:

Nux vomica M1 Der Hund scheidet unter heftigem Pressen jeweils kleine Kotmengen aus. Die Ursache hierfür ist vielfach eine Fehlernährung. Oft muß sich der Hund auch noch erbrechen. Brechnuß ist ein gutes Verdauungsmittel, das eine gut funktionierende Darmtätigkeit erreicht.

Sulfur D6 Rötungen im Afterbereich sind Symptome, um Sulfur zu verordnen. Außerdem kratzt sich der Hund permanent an dieser Stelle. Der Körper riecht moderig. Dieses Mittel läßt sich hervorragend mit Nux vomica kombinieren.

Bryonia D6 Der dunkel gefärbte Kot ist beträchtlich und wird meist am Morgen abgesetzt. Der Hund fühlt sich insgesamt unwohl und will sich partout nicht vom Fleck rühren. Die Bauchregion ist sehr empfindlich; der Hund reagiert jedoch nicht unwillig, wenn man auf dieses Körperteil drückt.

Antimonium crudum D6 Der Hund setzt einen harten, bröckeligen Kot ab, begleitet von wäßrigen Ausscheidungen und eventuell auch von Schleim. Typische Begleitsymptome im Mundbereich sind z. B. eine weiße Zunge oder ein ekzemartiger Ausschlag, der sich in Lippennähe bildet.

Opium D200 Ist in hartnäckigen und schwereren Fällen angebracht. Der Hund wirkt insgesamt lethargisch, fast schon wie im Koma. Der Kot ist sehr hart und dunkel.

Lycopodium clavatum M1 Das Mittel wird meist bei einer bereits vorliegenden Leberfunktionsstörung oder begleitenden Hepatitis eingesetzt. Die Kotmenge ist spärlich. Der Hund ist sehr launenhaft, was seinen Appetit betrifft, und frißt daher nur wenig. Magere oder unteremährte Hunde sprechen gut auf Lycopodium an - vorausgesetzt natürlich, daß die übrigen Symptome hierzu in Einklang stehen.

Alumen D6 Ist eher für den älteren Hund gedacht, dessen Darmgewebe leicht verhärtet. Die Verstopfung kann recht stark sein. Weitere Begleiterscheinungen sind Haarausfall (Alopezie), ekzemartige Ausschläge und gewöhnlich auch Muskelschwäche.

 



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