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IV. Die Prägung
der Welpen (4. bis 7. Woche)
Die auf Streßsituationen
bestens vorbereiteten Welpen durchlaufen in der 4. bis 7. Woche einen
Entwicklungsabschnitt, der für ihr weiteres Leben von entscheidender
Bedeutung ist. Denn in dieser Zeit entsteht die wichtigste umweltabhängige
Verdrahtung der Hirnrinde, die den Schutzhund unwiderruflich auf bestimmte
Umwelteinflüsse und Verhaltensweisen fixiert. Dabei können diese prägenden
Verknüpfungen der Gehirnzellen für die spätere Verwendungsart des Schutzhundes
von Vorteil oder Nachteil sein.
Diese Tatsache
bedeutet allgemein, daß der
| 1.
|
Schutzhund
für sein späteres Leben nur dann richtig geprägt ist, wenn er als
Welpe seine zahlreich angeborenen Lerndispositionen in jeder Hinsicht
nutzen kann. |
| 2.
|
Züchter
die späteren Lernleistungen des Schutzhundes über die besonderen
Lernbegabungen des Welpen in eine bestimmte Richtung leiten kann.
|
| Die
logische Konsequenz aus dieser Wahrheit besteht allgemein darin,
daß der Züchter den Welpen |
| 1. |
unbedingt
eine Umwelt anbieten muß, in der er sehr viele Dinge beobachten,
erkunden, handhaben und ausprobieren kann. |
| 2. |
gezielt
über seine Nase, sein Gehör, seine Augen, sein Gefühl und seinen
Geschmack in Richtung eines echten, führigen Schutzhundes "vorprogrammieren"
muß. |
| 3. |
unweigerlich
in seiner Entwicklung zu einem echten Schutzhund fehlleitet, wenn
er die festen Verknüpfungen zwischen den wachsenden Hirnzellen nicht
optimal beeinflußt. Die wichtigsten Grundmuster, deren Wert am Ende
jeder Prägungswoche analog der Checkliste IV (Tabellen 12-15) genau
überprüft wird, sind für den echten, führigen Schutzhund folgende:
|
1. Der Kontakt
zum Meutegenossen
Die zwei wichtigsten
Voraussetzungen für das Leben in der Meutegemeinschaft sind, daß der
Schutzhund
| a) |
die innere
Bereitschaft für das Zusammenleben in Meuten besitzt. |
| b) |
das allgemeine
Aussehen seiner Meutegenossen sicher kennt. |
Die Bereitschaft,
sich in eine Gemeinschaft einzuordnen, ist dem Schutzhund angeboren
und wird vom Meutetrieb gelenkt. Das allgemeine Aussehen seiner Artgenossen
ist dem Schutzhund nicht angeboren und muß vom Welpen in den ersten
Lebenswochen erst erlernt werden.
Dieses Bild des
Artgenossen für den Aurbau einer festen Bindungsfähigkeit vermitteln
dem Welpen automatisch die Mutter, die Geschwister und die Spielgefährten.
Die Grundlage für den Aufbau einer nahen Beziehung zum menschlichen
Meutegenossen entsteht im Welpen nur, wenn er auf diese andersartigen
Rudelmitglieder gezielt geprägt wird.
Dabei ist darauf
zu achten, daß die Prägung nicht zu eng (Einmannhund oder allzu hundebezogener
Hund) oder zu weit (Allerweltskerl oder allzu menschenbezogener Hund)
erfolgt. Denn dadurch entsteht immer ein mangelhaft angepaßter, emotional
gestörter oder allzu friedfertiger Schutzhund.
Der größte
Fehler aber ist, wenn der Welpe keinen oder zu wenig körperlichen Kontakt
mit Menschen hat. Denn dadurch zeigt er sich zeitlebens gegenüber Menschen
scheu und versucht bei jeder Gelegenheit, sich den menschlichen Einwirkungen
zu entziehen. Dies ist z. B. auch ein bisher viel zu wenig beachteter
Grund, warum ein Schutzhund nicht beißt bzw. im Schutzdienst versagt.
Das richtige Gleichgewicht zwischen der innerartigen Hund-Hund-Beziehung
und der zwischenartigen Hund-Mensch-Beziehung entsteht, wenn der Welpe
gleich stark an Hunde und Menschen als Meutegenossen gewöhnt wird.
Die in jeder Hinsicht
richtige Gewöhnung an die Menschen bedingt, daß der Züchter unbedingt
folgende vier Punkte beachtet:
| 1. |
Die
Stimulationszeit für Berührungsreize von täglich mind. 30 Minuten
ist auch in der 4. bis 7. Woche (Prägungsphase) beizubehalten. Dabei
sind die Berührungskontakte zwischen Züchter und Welpen zu verstärken
und auszuweiten, vor allem in der Beschäftigung mit der menschlichen
Hand in der 4. und 5. Woche. Die gleichzeitig jeden Tag stattfindende
Körperpflege des Welpen (Kämmen und Bürsten) sollte am besten erfolgen
|
| a) |
nach
der Nahrungsaufnahme des Welpen. |
| b) |
unter
beruhigenden Worten auf einer Kiste, einem Stuhl oder einem kleinen
Tisch. |
| 2. |
Der
tägliche Berührungskontakt ist unbedingt auf verschiedene Personen
beiderlei Geschlechts und unterschiedlichen Alters auszudehnen.
Dabei sollte die meist über den Tag verteilte Berührungszeit von
mind. 30 Minuten pro Welpe auf mind. 60 Minuten erhöht werden. Denn
die Prägung des Welpen von dem Menschen (Züchter, Betreuer) auf
die Menschen (allgemein) ist auf jeden Fall sicherzustellen. |
| 3. |
Der
Welpe sollte in der Prägungszeit keine starken Unannehmlichkeiten
durch verschiedene Menschen oder eine bestimmte Menschengruppe,
z. B. Kinder, erfahren. Denn dadurch kann der Hund zeitlebens
eine gewisse aggressive oder depressive Furcht gegenüber den Menschen
allgemein oder dem speziellen Personenkreis zeigen. |
| 4. |
Der
in der 7. Woche von der Mutterhündin eingeleitete Lösungsprozeß
sollte vom Züchter dahingehend unterstützt werden, daß er den Welpen
ab der 6. Woche schrittweise von der Mutter und den Geschwistern
entwöhnt und sich immer länger allein mit ihm beschäftigt. |
2. Der Kontakt
zur Außenwelt
Die zwei wichtigsten
Voraussetzungen für die Zusammenarbeit mit dem menschlichen Meutegenossen
sind, daß der Schutzhund
| a) |
über eine gute
Assoziations- und Kombinationsbegabung verfügt. |
| b) |
möglichst keine
objektbezogene Furcht besitzt. |
Der Wert dieser
Komponenten der Lern- und Reaktionsfähigkeit des Schutzhundes ist sehr
stark abhängig von Art und Umfang der Nervenverknüpfungen in der 4.
bis 7. Lebenswoche. Diese Tatsache bedeutet allgemein, daß der Schutzhund
später um so
| a) |
neugieriger
und unternehmungslustiger ist, je mehr die Umwelt den Welpen in
der Prägungsphase anregt. |
| b) |
interessenloser
und scheuer ist, je mehr die Umwelt den Welpen in der Prägungsphase
abstumpft. Die entscheidenden Maßnahmen für die optimale Anregung
und Absicherung des Schutzhundes sind folgende: |
| 1. |
Der
Welpe ist niemals übermäßig beschützt aufzuziehen, sondern stete
so zu halten, daß er |
| a) |
ausreichend
Kontakt zur Außenwelt hat, z. B. hundgerechter Auslauf von mind.
50 m2, Garten, Wiese, Wald. |
| b) |
sich
mit den technischen Dingen der Menschenwelt vertraut machen kann,
z. B. Auto, Rasenmäher, Staubsauger, Fernsehen. |
| c) |
die
vielen alltäglichen und nicht alltäglichen Tonbandgeräusche auch
in der Umwelt hört, z. B. Schießen, Hupen, Pfeifen, Schreien. |
| d) |
sich
an verschiedene Witterungs- und Windverhältnisse gewöhnt, z. B.
Nässe, Kälte, Hitze, Sturm. |
| 2. |
Die
Außenwelt des Welpen ist niemals nach irgendwelchen menschlichen
Gesichtspunkten zu gestalten oder auszuwählen, sondern stets so,
daß sie für das Tier viele Anregungen enthält. Dabei ist vor allem
darauf zu achten, daß die Auslauffläche |
| a)
|
verschiedene
Bodenstrukturen und Pflanzen aufweist, z. B. Sand, Kies, Holz, Beton,
Gras, Sträucher, Bäume. |
| b)
|
mit
verschiedenen Gegenständen ausgestattet ist, z. B. Treppe, Stein-
oder Zementrohre, Holzstücke, Spielzeug, Stoffetzen. |
| c)
|
einen
abwechslungsreichen Ausblick in die weitere Umgebung gestattet,
z. B. freie Natur, Verkehrsflächen, bewohnte Gebiete. |
| d) |
nicht
von unerwünschten Personen oder Tieren erreicht werden kann. |
| 3. |
Das
innere Gefühl der Stärke des Welpen ist durch viele positive Erfahrungen
zu wecken und zu fördern. Dabei sind die Belastungsgrade stets dem
seelischen Gleichgewicht des Welpen anzupassen, vor allem in der
sehr sensiblen 4. und 7. Woche. Daneben sind dem Welpen zur Geschmacksentwicklung
die verschiedensten Fut-tersorten anzubieten, vor allem in der 3.
Woche. |
| 4.
|
Die
Furcht des Welpen vor bestimmten Gegebenheiten oder vor unversehens
auftretenden optischen oder akustischen Eindrücken ist systematisch
bis zur Gleichgültigkeit zu verringern. Dabei ist besonders darauf
zu achten, daß der Welpe in der Furchtphase nicht bedauert, beruhigt,
getröstet usw. wird, weil die positive Zuwendung die negativen Anlagen
noch verstärken würde, d.h. die Furcht vor etwas wird gefördert. |
| 5. |
Die
Gewöhnung an die furchtauslösenden Umweltreize kann dadurch gefördert
werden, daß der Welpe öfters diesen Reizen ausgesetzt wird. Dabei
ist jede positive Reaktion sofort zu bestätigen, während jede negative
Verhaltensweise konsequent zu mißachten ist. |
| 6. |
Der
Welpe sollte ab der 6. Woche systematisch die weitere Umwelt kennenlernen.
Dabei zeigen seine Erstreaktionen in der neuen Umgebung deutlich
den momentanen Stand seiner Anlagenentwicklung. Dadurch kann der
Züchter den Welpen gezielter fördern und absichern. |
3. Die Abwandlung
des Beutetriebes
Das in jeder Hinsicht
erfolgreiche Zusammenleben in der bereits vor-gebildeten menschlichen
Gemeinschaft bedingt neben einem optimalen Kontakt zum Meutegenossen
und zur Außenwelt, daß der Schutzhund seine Triebanlagen richtig einsetzt.
Die nach Befriedigung und Entspannung drängenden Triebe dürfen nicht
hemmungslos und unerwünscht wirken, sondern sind stets in ausreichendem
Maße umweltfreundlich und zielgerichtet abzureagieren.
Der die Entwicklung
des Schutzhundes am stärksten fördernde Trieb ist der in der 4. Lebenswoche
deutlich erkennbare Beutetrieb.
Diese Triebform
ist ein Teil des Selbsterhaltungstriebes und mit dem Jagdtrieb nahe
verwandt. Der von Natur aus auf lebende Beuteobjekte ausgerichtete Trieb
ist von Anfang an so abzuwandeln, daß er den Aurbau des Hundes zum echten
Schutzhund unterstützt und nicht fehlleitet. Die für den Aufbau eines
echten, führigen Schutzhundes wichtigste Übung ist das "Beutefang- und
Festhalte-Spiel". Denn diese Spielart fördert nicht nur sehr stark den
Beutetrieb, sondern auch das innere Gefühl der Stärke, die Unerschrockenheit
und die natürliche Aggression des Schutzhundes. Der größte Lernerfolg
wird während der Spielstunden des Schutzhundes am frühen Vormittag und
am späten Nachmittag erzielt. Dabei ist zu beachten, daß sich die Spielstunden
analog des jahreszeitlichen Tag- und Nachtrhythmus verschieben. Sie
liegen im Sommer früher am Vormittag und später am Nachmittag und im
Winter später am Vormittag und früher am Nachmittag. Das Spiel selbst
wird wie folgt durchgeführt:
a) Spielregeln
| 1. |
Die
Spielobjekte sind mehrere helle und dunkle Jute- und Leinenstücke,
Größe etwa 20 x 20 cm bis 20 x 40 cm, und zwei gefütterte, leicht
abstreifbare Lederhandschuhe. |
| 2. |
Die
Stoff stücke sind öfters zu wechseln und in ständig, leicht zappelnder
Bewegung so vor den Welpen hin und her oder weg zu bewegen, daß
er sie nur durch Aktivität bekommt. |
| 3.
|
Die
Spielintensität ist stets der Triebstärke und dem momentanen geistigen,
seelischen und körperlichen Zustand des Welpen anzupassen. |
| 4. |
Das
Kämpfen um die Beute ist sofort durch Loben und Beutemachen zu bestätigen,
insbesondere, wenn der Welpe sich das Beuteobjekt durch intensives
Ziehen, Rucken oder Schütteln aneignen will. |
| 5.
|
Das
Beutespiel ist in Abwesenheit der Mutter und Geschwister zielgerichtet
durchzurühren und muß für den Welpen stets lustbringend
und erfolgreich sein, niemals frustrierend. |
b) Spielablauf
| 1. |
Der
Welpe wird anfangs durch allgemeines Spielen lustvoll erregt. Dann
wird das kleine Stoffstück mehrmals vor den Welpen ruckartig hin
und her oder weg bewegt, bis er sich aktiv dafür interessiert. |
| 2. |
Der
Welpe erhält erst dann die Gelegenheit, das ständig leicht zappelnde
Beuteobjekt zu fassen, wenn sein Beutetrieb optimal erregt ist.
|
| 3. |
Die Triebstimmung
des Welpen ist nicht ausreichend, wenn er nur passiv das Beuteobjekt
beobachtet oder nur Ansätze zum Fangen der Beute zeigt. |
| 4. |
Der
Welpe erhält bei niedrigem Triebpotential nicht das Beutestück,
sondern erst dann, wenn durch äußere Maßnahmen wie Außenreizverstärkung
und/oder Beutewechsel sein Beutedrang deutlich angestiegen ist.
|
| 5. |
Der
Welpe hat mangelhaften Beutetrieb oder das Beutespiel ist fehlerhaft,
wenn es nicht nach 2-3 Wiederholungen gelingt, den Beutetrieb des
Welpen wunschgemäß zu reizen. |
| 6. |
Der
Mißerfolg beim Beutespiel ist sofort zu untersuchen und durch entsprechende
Maßnahmen zu beseitigen, sonst entstehen Fehl-verknüpfungen. |
| 7. |
Die
Beute ist dem Welpen nach dem Fassen und Festhalten nicht sofort
zu überlassen, sondern erst nach einem durch Lob unterstützten spürbaren
Ziehen, Rucken oder Schütteln der Beute. |
| 8. |
Der
Widerstand bei dieser Art "Tauziehen" ist stets so zu dosieren,
daß der Welpe immer das Gefühl hat, der Stärkere zu sein. |
| 9. |
Das
Siegesgefühl und das "Selbstbewußtsein" des Welpen wird am meisten
gefördert, wenn der Züchter seinen Widerstand mit steigender Aktivität
des Welpen abbaut und sich die Beute langsam aus der Hand ziehen
läßt. |
| 10. |
Der
Züchter sollte eine besonders starke Aktivität des Welpen dadurch
belohnen, daß er seine "Niederlage" durch dosiertes Nachgeben des
Armes und des Oberkörpers bis zur Liegestellung auch körperlich
zeigt. |
| 11. |
Der
Welpe wird ausgiebig gelobt, wenn er das erkämpfte Jute-oder Leinenstück
weiter festhält und es stolz herumträgt oder sogar schüttelt. |
| 12. |
Dieser
vorgenannte Spielteil wird so lange mit individuell steigender Intensität
gespielt, bis der Welpe ihn sicher beherrscht. Dann folgt das Erkämpfen
einer fliehenden Beute. |
| 13. |
Der
Züchter aktiviert den Beutetrieb des Welpen, läuft weg und zieht
das große Jute- oder Leinenstück in schüttelnden Bewegungen hinter
sich her. |
| 14. |
Das Tempo
des fliehenden Züchters darf weder zu langsam noch zu schnell sein,
sondern hat immer geringfügig unter dem Laufvermögen des Welpen
zu liegen. |
| 15. |
Der
Welpe ist anfangs sofort durch Beutemachen und später durch schrittweisen
Tempoabbau und Beutemachen zu bestätigen, wenn er nach dem Anbiß
die Beute beharrlich festhält. |
| 16. |
Dem
Welpen ist die Beute nach dem Anbiß seinem Wesen entsprechend streitig
zu machen, wenn er das Stellen der fliehenden Beute sicher beherrscht.
|
| 17. |
Der
fliehende Züchter dreht sich nach dem Anbiß zum Welpen, geht in
die Hocke oder auf die Knie und achtet darauf, daß der Welpe die
Beute voll und fest im Fang hält. Dann macht er dem Welpen durch
dosiertes Anpusten und Anknurren die Beute streitig. |
| 18. |
Der
Züchter reagiert sofort entsprechend den Punkten 9 und 10, wenn
der Welpe in verstärkter Form weiterkämpft und dabei sogar richtig
"wütend" wird. Dann wird mit steigendem "Siegeswillen" des Welpen
auch der Streit um die Beute verstärkt, z.B. durch Schlagen auf
den Boden, Schlagen auf die Beute, durch Anschreien usw. |
| 19. |
Der
Einsatz des Züchters ist jedoch fehlerhaft, wenn der Welpe sich
im Zweikampf einschüchtern läßt und aufgibt. In der Regel entspricht
dann die Aktivität des Züchters nicht der Triebhöhe oder der Unerschrockenheit
des Welpen. |
| 20. |
Die
Kanalisierung des Beutetriebes ist abgeschlossen, wenn der Welpe
die Beute gegenüber einem Rivalen verteidigt und nach dem Erhalt
schüttelt, bewacht usw. |
4. Die Reaktion
auf Belastung
Die entscheidende
Voraussetzung für einen wirklich echten Schutzhund ist, daß er die gegnerischen
Belastungen richtig abbauen lernt. Diese Belastungen, die immer Streß
verursachen, lösen beim Schutzhund wie bei allen Lebewesen stets eine
der zwei Grundreaktionen aus: Abwehr oder Flucht.
| Belastung
= Streß = |
Abwehr |
| oder |
| Flucht |
Die primäre Schutzreaktion
auf eine bedrohliche Gefahr ist die Flucht, vor allem beim Welpen und
Junghund. Diese bei jedem Hund andersartig ausgeprägte Ausdrucksform
des Selbsterhaltungstriebes ist beim echten Schutzhund unerwünscht.
Deshalb sollte der Schutzhund zuerst
lernen, die Bedrohung durch einen Konkurrenten oder Feind ausschließlich
mit Abwehr zu beantworten.
Die Grundlage der
Auseinandersetzung mit einem Gegner ist die Aggression. Diese muß beim
Schutzhund in einer Mindesthöhe vorhanden sein und kann sich z.B. richten
gegen die Beute (Beuteaggression), den Konkurrenten (soziale Aggression)
oder den Feind (Schärfe). Die rein auf die Beute gerichtete Aggression,
nicht der Beutetrieb, ist beim echten Schutzhund in keiner Weise erwünscht.
Deshalb sollte er als zweites lernen, seinen Streß am Verursacher der
Belastung (Konkurrent oder Feind) abzureagieren. Diese zwei grundlegenden
Erfahrungen sind dem Schutzhund möglichst schon in der Prägungsphase
zu vermitteln, weil diese
| a) |
sich
in der 4. bis 7. Woche unwiderruflich in sein Gehirn einprägen. |
| b) |
bei
tierpsychologisch richtiger Haltung, Formung und Führung des Schutzhundes
zeitlebens wirken. |
| c) |
den
Aufbau zum echten, führigen Schutzhund ungemein erleichtern. |
| d) |
später
oft nur mit bedingtem Erfolg nachgeholt werden können. |
Die wichtigsten
Maßnahmen zum Erlernen von Streßabbau durch gezielte Abwehr = richtiges
Verhalten bei Belastung sind:
| 1.
|
Der
Züchter sollte nur mit solchen Hündinnen züchten, die schon durch
ihr Verhalten dem Welpen diese erwünschte Grundreaktion auf Belastung
vermitteln. In der Regel sind das köpf- oder führhundveranlagte
Hündinnen. Dabei sind besonders jene Hündinnen
von unschätzbarem Wert, die jeden Welpen gezielt fordern. Dieses
"Training" der Welpen kann soweit gehen, daß die Hündin einen Welpen
regelrecht "traktiert", bis dieser sich aggressiv wehrt (Streßabbau
durch gezielte Abwehr). Hierbei gilt: Je mehr die Mutterhündin einen
Welpen fordert, desto ausgeprägter sind seine ererbten Fluchtelemente
wie aufgeben, ausweichen, meiden, weglaufen etc. |
| 2.
|
Der
Züchter sollte die für menschliche Begriffe scheinbar harten Aktionen
der Mutterhündin niemals in irgendeiner Form unterbinden, auch wenn
die Welpen noch so schreien. Denn dadurch beraubt der Züchter sich
nicht nur einer natürlichen Unterstützung bei der Aufzucht von echten
Schutzhunden, sondern schafft obendrein noch Problemhunde. Die Sentimentalität
ist bei der Zucht von echten, führigen Schutzhunden völlig fehl
am Platz, weil eine übermäßige Bemutterung oder Verwöhnung seitens
der Hündin oder des Züchters stets abhängige, belastungsschwache
und unterwürfige Tiere zur Folge hat. Hierbei gilt: Je mehr ein
Welpe verwöhnt wird, desto ungeeigneter wird er für die Aufgabe
eines echten, führigen Schutzhundes. |
| 3. |
Der
Züchter sollte den Stärkegrad der Sozialtriebelemente eines jeden
Welpen genau erforschen, indem er z. B. den Welpen in der Auslauffläche
täglich mehrere Fleischknochen gibt. Dabei sollte anfangs der Welpenzahl
entsprechend ein Knochen weniger gereicht werden. |
| 4. |
Der
Züchter sollte die Kampftriebelemente der Welpen gezielt wekken
und fördern, indem er z.B. das "Beutefang- und Festhalte-Spiel"
täglich mit zwei Welpen spielt. Dabei sollten anfangs stets gleichgeschlechtliche
und trieblich unterschiedlich veranlagte Welpen zum Tauziehen mit
dem Beutestück ausgewählt werden. |
| 5. |
Der
Züchter sollte den einzelnen Welpen mit wachsendem Sozialtrieb wiederholt
das Jute- oder Leinenstück streitig machen und die Endhandlung des
Beuteverhaltens verhindern. Dabei sollte er den Kampf so rühren,
daß der Welpe sich gezielt zur Wehr setzt und immer einen persönlichen
Erfolg erringt. |
| 6. |
Der
Züchter sollte in der 6. bis 8. Woche die bestveranlagten Welpen
von einer qualifizierten Fremdperson mit der geschützten Hand so
lange gezielt ärgern und am Ausweichen hindern lassen, bis sie wie
bei der Mutterhündin reagieren. Dabei sollte die Fremdperson nach
der Wunschreaktion sofort starkes Meideverhalten zeigen und sich
den einzelnen Welpen als klarer Verlierer präsentieren. |
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