Die Lehre von
der Zucht, der Ausbildung und den Krankheiten des Hundes (Kynologie)
hat wie jedes andere Teilgebiet der Biologie eine gemeinsame Verständigungsgrundlage
und eine eigene Fachsprache. Jedoch besteht in der Kynologie allgemein
die akute Gefahr, Fachausdrücke unzulässig zu deuten, vor allem
im menschlichen Sinne.
Da solche Fehlinterpretationen
aber nachweislich jeder optimalen Gestaltung und Beurteilung des
echten, führigen Schutzhundes entgegenstehen, werden nachfolgend
einige wichtige kynologische Grundbegriffe näher erläutert.
|
A
|
| Aggression |
ist
ein Mehrzweckverhalten und bezeichnet allgemein die gegnerische
Auseinandersetzung zwischen Artgenossen oder Vertretern verschiedener
Tierarten. |
| Aggressivität
|
bezeichnet
die Bereitschaft des Hundes zur gegnerischen Auseinandersetzung.
Dabei kann das Ausmaß der Angriffsbereitschaft inner-halb der
ererbten Merkmalsbreite durch verschiedene Umweltreize beeinflußt
werden, vor allem im frühkindlichen Alter. |
| Aggressives
Verhalten |
oder
Aggressionsverhalten ist die Sammelbezeichnung für alle Elemente
des Angriffs-, Verteidigungs- und Drohverhaltens, die durch
ganz unterschiedliche Verhaltensbereitschaften ausgelöst werden
können, z. B. Frustration, Rangstufenkampf, Revierbehauptung,
Selbstverteidigung. Deshalb ist der Aggressionstrieb stets an
eine Motivation gekoppelt. |
| Ahnentafel |
ist
der schriftliche Nachweis über Rassenreinheit, Name und Abstammung
des Hundes, gehört zum Hund und ist beim Verkauf dem neuen Eigentümer
unbedingt unterschrieben auszuhändigen. Die Ahnentafel gilt
als Urkunde im juristischen Sinn und wird von dem zuständigen
Zuchtbuchamt der Rasse amtlich ausgestellt und schriftlich anerkannt. |
| Aktionsspezifische
Ermüdung |
besagt,
daß eine durch Reize ausgelöste und gerade abgelaufene Verhaltensweise
des Hundes eine Zeitlang nicht mehr oder nur noch mit sehr verstärkter
Reizgestaltung ausgelöst werden kann. Sie hat nichts mit einer
allgemeinen körperlichen Ermüdung zu tun. |
| Aktivität
|
ist
das Tätigsein des Hundes innerhalb gewisser Grenzen, unterbrochen
von einem Ruhezustand. |
| Alpha-Tier
|
wird
jenes Tier eines Rudels genannt, das in der Rangfolge die Spitzenstellung
einnimmt (Rudelführer). |
| Angeboren |
sind
alle Verhaltensweisen des Hundes, die bei seiner Geburt in seinem
Organismus vorprogrammiert sind. Sie entwickeln sich im ständi-gen
Wechselspiel zwischen Erbgut und Umwelt. |
| Artspezifisch
|
oder
artgemäß bezeichnet in diesem Buch ein typisch hundliches Verhalten. |
| Assoziation |
ist
die Verknüpfung von Vorstellungen, von denen die eine die andere
hervorgerufen hat. |
| Aufbau |
ist
allgemein die systematische Formung des Hundes mit Hilfe von
dosierten Umweltreizen. Er sollte so früh wie möglich beginnen
und autoritär, aufgeschlossen, beherrscht und konsequent erfolgen. |
| Ausbildungskennzeichen |
ist
ein auf Prüfungen eines Rassezuchtvereins erworbenes Kennzeichen,
z. B. Schutzhundprüfung Stufe I-III. Bei einem Schutzhund sollte
z. B. immer das höchste Ausbildungskennzeichen angestrebt werden.
Hunde, die dieses Ziel nicht oder nur mit mäßigem Erfolg erreichen,
sind für die Zucht von Leistungstieren wenig geeignet. |
| Ausdauer |
beinhaltet
|
| |
1.
die Eigenschaft, Triebhandlungen zu Ende zu führen, ohne sich
ablenken zu lassen, oder sie rasch abzubauen. |
| |
2.
die Fähigkeit, körperliche und psychische Anstrengungen ohne
offensichtliche Ermüdungserscheinungen durchzustehen. |
| Ausdruck |
sind
die äußeren Merkmale der seelischen und geistigen Verfassung
des Hundes, der sich entsprechend den verschiedenen Situationen
verändern kann. |
| Außenreize |
sind
Sinnesreize außerhalb des hundlichen Körpers, die in unterschiedlicher
Weise seine Triebhandlungen in Gang setzen. Daneben können sie
auch die Richtung einer Bewegung bestimmen (richtende Reize)
oder die weitere Handlungsbereitschaft des Hundes beeinflussen
(motivierende Reize). |
|
B
|
| Beitsen:
|
sollte
der Hund nur im Notfall oder auf Befehl seines Herrn. Der Hundebesitzer
hat für entstehenden Schaden gesetzlich zu haften. |
| Beißerei |
ist
Kampf unter Hunden. Ankündigung: Knurren, Hochstellen der Rückenhaare
und der Rute, Zähne zeigen, stelzender Gang, Aufrichten der
Ohren. Schlichtung: beide Besitzer heben ihren Hund an den Hinterbeinen
hoch. Schuld: der Besitzer, der seiner Sorgfaltspflicht nicht
genügte, z.B. ein Hund war nicht angeleint. |
| Belehrung |
ist
eine ruhige, konsequente und spielerische bis maßregelnde Gewöhnung
des Hundes an ganz bestimmte Verhaltensweisen. Sie erfolgt in
der Zeit von der 8. bis 16. Woche. |
| Bellen |
ist
die vielgestaltige Eautäußerung des Hundes, welche bis zur Eärmbelästigung
führen kann. Deshalb sollte jeder Hund dazu erzogen werden,
daß er seine Lautäußerungen der Umwelt anpaßt. |
| Beschwichtigungsgebärde
|
oder
Befriedigungsgeste bezeichnet alle Verhaltensweisen, die eine
innerartige Aggression unter Hemmung setzen (Begrüßungsgesten,
Bettelbewegungen, Begattungsaufforderung). |
| Beutetrieb |
ist
mit dem Jagdtrieb nahe verwandt und äußert sich in dem Bestreben,
Beuteobjekte z. B. zu suchen, zu verweisen, aufzustöbern, zu
hetzen, zu treiben, nachzuspringen, zu fangen, zu fassen, festzuhalten,
niederzureißen, totzuschütteln. |
| Bewachungsverhalten |
umfaßt
Handlungen wie das Bewachen von Haus und Hof, von Gegenständen,
Lebewesen und das Bellen. |
| Bewegungs-
und Betätigungstrieb |
ist
der mehr oder weniger intensive Drang, die angestauten physischen
und psychischen Energien in Form von Bewegung oder irgendwelcher
Betätigung zu entladen. Die Grundlage ist die konstitutionelle
und konditionelle Verfassung des Hundes. |
| Bissigkeit |
trifft
dann bei Hunden zu, wenn sie ohne besonderen Grund Lebewesen
angreifen oder auf jede nur scheinbare Bedrohung mit einem blindwütigen
Angriff reagieren. Sie wird den Hunden oft durch falsche Erziehung
beigebracht (aneifern, anhetzen). Angstbeißen ist Wesensschwäche. |
| Blutlinie
|
ist
die Ahnenreihe einer bestimmten Familie, die durch bestimmte
Ahnen und deren Sprosse innerhalb der Ahnentafel repräsentiert
wird. |
| Bringtrieb |
ist
das Bestreben, Beuteobjekte oder Teile von ihnen aufzunehmen,
zu verschleppen, zu verstecken, zu vergraben oder zu bringen.
|
|
D
|
| Demutsgebärde |
ist
eine Unterwerfungsgeste, die in der innerartigen Ausein-andersetzung
vom unterlegenen Hund eingenommen wird. Sie ist in ihrer Form
oft das Gegenteil der Drohbewegung. |
| Dominant |
wird
innerhalb der sozialen Rangordnung der jeweils überlegene Hund
bezeichnet. |
| Dressur |
oder
Abrichtung oder Abführung oder Ausbildung bezeichnet die Endphase
der hundlichen Lernleistung, niemals den Beginn oder eine Zwischenphase.
In dieser letzten Lernphase werden die früher gelehrten Lernschritte
(Aurbau) zu einer komplizierten Gesamtleistung aneinandergereiht.
Diese Tätigkeit erfolgt meist mit bedeutendem Affektaufwand
und einer maximalen Intensität der Mensch-Hund-Beziehung. |
| Drohgebärde |
ist
eine Einschüchterungsgeste, die den Zweck hat, einen Rivalen
oder Feind so einzuschüchtern, daß es nicht zum Kampf kommt.
Sie entspringt in der Regel dem Konflikt zwischen Angriffs-
und Fluchtdrang. |
|
E
|
| Endhandlung
|
ist
eine relativ einfache, kurze und oft sehr starre Erbkoordina-tion,
die am Ende einer Folge von Appetenzhandlungen auftritt. Sie
wirkt allgemein "triebverzehrend" oder "triebbefriedigend" und
kann durch Negativreize nur ausnahmsweise gehemmt werden. |
| Entwicklungsphasen |
des
Hundes sind: Vegetative Phase (l. und 2. Woche); Übergangsphase
(3. Woche); Prägungsphase (4. bis 7. Woche); Sozialisierungsphase
(8. bis 12. Woche); Rangordnungsphase (13. bis 16. Woche); Rudelordnungsphase
(5. und 6. Monat); Pubertätsphase (7. bis 10. Monat); Erwachsenenphase
(ab 11. Monat). |
| Entwöhnung
|
bezeichnet
die Loslösung des Welpen von der Mutter nach Beendigung seiner
ernährungsmäßigen Abhängigkeit. |
| Erbkoordination |
ist
ein erblich festgelegter Bewegungsablauf, der von bestimmten
Umweltreizen ausgelöst wird und dann zwanghaft abläuft. |
| Ermüdung
|
bezeichnet
allgemein die abnehmende Auslösbarkeit einer hundlichen Handlung. |
| Erregung |
bezeichnet
allgemein die gesteigerte Ansprechbarkeit des Hundes auf Außenreize
aller Art. |
| Ersatzhandlung |
ist
eine Bewegung, die nicht auf das handlungsauslösende Objekt,
sondern auf ein Ausweichobjekt gerichtet ist. Sie tritt in einer
Konfliktsituation auf. |
| Erwerbskoordination |
ist
eine zeitweilige oder langandauernde individuelle Verhaltensweise
des Hundes, die das Ergebnis einer Umwelterfahrung ist. |
| Erziehung |
ist
die ruhige und konsequente Anpassung des Junghundes an das Leben
im Mensch-Hund-Rudel. Sie erfolgt in der Zeit vom 5. bis 10.
Monat. |
| Ethologie |
ist
allgemein das Studium tierlichen Verhaltens mit den Methoden
der Biologie (Verhaltensbiologie). |
|
F
|
| Fehlprägung |
erfolgt
beim Hund durch "falsche" Erfahrung während seiner sensiblen
Phase. |
| Fellsträuben |
ist
das Aufrichten der Haare als Wärmeschutz oder Verständigungsmittel.
|
| Fluchtdistanz |
ist
derjenige Abstand, bei dessen Unterschreitung der Hund vor einem
bestimmten Objekt die Flucht ergreift. Sie kann von Hund zu
Hund verschieden groß sein. |
| Fluchttrieb
|
ist
das Bestreben des Hundes, sich einer Gefahr durch Verhaltensweisen
der Flucht zu entziehen. |
| Folgsam
|
oder
gehorsam ist ein Hund, wenn er die Anweisungen seines Führers
sofort und genau ausrührt. |
| Frustrationssituation
|
entsteht,
wenn der Hund einen sehr stark erregten Trieb durch äußere Umstände
nicht abreagieren kann. |
| Führigkeit |
ist
die Bereitschaft des Hundes, sich in die Meutegemeinschaft einzuordnen
und dem ranghöheren Meutekumpan zu gehorchen. Die psychische
Voraussetzung dafür ist die Unterordnungsbereitschaft.
|
|
G
|
| Gebärden |
oder
Gesten sind Ausdrucksformen wie Demutsgebärden, Imponiergehabe,
Drohstellung, Freude, Schmerz, Unsicherheit, Angst usw. |
| Gedächtnis |
ist
allgemein die Fähigkeit, Informationen abrufbereit zu speichern.
Der Hund hat ein erworbenes "Individualgedächtnis" und ein ererbtes
"Artgedächtnis". |
| Gehirn |
umfaßt
Lust und Unlust vermittelnde Flächen, deren Verhältnis etwa
bei 4: l liegt. |
| Geltungstrieb
|
zeigt
sich im Bestreben des Hundes, innerhalb des Rudels eine ranghöhere
Stellung einzunehmen, z. B. die des Rudelführers. |
| Genotyp |
bezeichnet
die Gesamtheit der Erbmasse oder das Erbbild des Hundes. |
| Gewöhnung |
ist
allgemein die Fähigkeit des Hundes, sich an wiederholt auftretende,
folgenlose Reize zu gewöhnen und nicht mehr auf sie zu reagieren.
Dieser Abbau der vorh. Reizbeantwortung ist eine einfache Lernform
und stellt gleichsam das Gegenstück zur klassischen Konditionierung
dar. Denn bei der Gewöhnung wird ein primär reaktionsauslösender
Reiz zu einem neutralen Reiz. |
|
H
|
| Handscheu
|
wird
ein Hund z. B. durch rohe Behandlung, allzu viele Schläge mit
der Hand oder dem Stock, Strafreize nach dem Herankommen, fal-scher
oder vermenschlichender Aufbau. |
| Hart
|
ist
ein Hund, wenn er unlustvolle Empfindungen und Erlebnisse hinnimmt,
ohne sich im Moment oder auf Dauer wesentlich beeindrucken zu
lassen. Also eine geringe Empfindlichkeit gegenüber Schmerz,
Strafe, Niederlage im Kampf usw. Die Folge ist eine schlechtere
Führigkeit. Andererseits ist Härte durch zweckmäßige Haltung
und durch Training erheblich steigerungsfähig. |
| Hemmung |
bezeichnet
beim Hund eine durch äußere oder innere Reize bzw. durch entgegengesetzte
Verhaltenstendenzen blockierte Verhaltensweise. |
| Hetzen |
ist
das Verfolgen einer Beute auf Sicht oder mit der Nase. |
| Hierarchie |
oder
Rangstufe ist allgemein die Herrschaft einer übergeordneten
über eine untergeordnete Instanz. Dabei wird unterschieden zwischen
sozialer Hierarchie (Rangordnung) und Instinkthierarchie. |
| Höhere
psychische Fähigkeiten |
umfassen
das Lernvermögen und die Assoziations- und Kombinationsbegabung
des Hundes. Es sind mehr oder minder ausgeprägte Anlagen, die
sich bei dem Aufbau durch eine leichtere oder schwerere Lern-
und Auffassungsgabe bemerkbar machen. |
| Hüftgelenksdysplasie
(HD) |
ist
eine vererbbare Fehlentwicklung des Hüftgelenkes, die zu einer
chronischen Erkrankung der Hüfte führen kann. Sie kann durch
entsprechende Fütterung und Haltung des Welpen in ihrer Entwicklung
gehemmt werden. |
| Hundebesitzer |
ist
der rechtmäßige Besitzer des Hundes. Zu den Pflichten gehört
u.a.: Hundesteuer zahlen, für Schäden, die der Hund anrichtet,
haften; beim Spazierengehen mit dem Hund die Straßenverkehrsordnung
beachten; Tollwutverdacht sofort melden und den Hund gemäß dem
Tierschutzgesetz halten und unterbringen. Wichtig: der Hundebesitzer
behält auch dann die Haftung, wenn er die Sorge für die Unterkunft
eines Tieres anderen Personen überträgt. |
| Hundeführer |
oder
Führer ist jene Person, die im Mensch-Hund-Rudel als Führer
füngiert. Dies kann der Hundebesitzer selbst oder eine andere
Person sein. |
| Hundesport |
dient
dem Ziel, die Leistungen der Hunde und deren Gebrauchswert sowie
ihre Schönheit zu steigern. |
|
I
|
| Innenreiz |
ist
ein Sinnesreiz innerhalb des hundlichen Körpers. |
| Instinkte |
sind
alle Anlagen zu angeborenem Verhalten. Sie werden durch bestimmte
Reize ausgelöst. |
| Intelligenz
|
ist
die Fähigkeit des Hundes zum Erlernen von Verhaltensweisen.
Sie ist zum Teil rassebedingt und kann durch entsprechende Aufbauarbeit
gefördert werden. Der Hund besitzt im Gegensatz zum Menschen
nur zwei Intelligenzstufen: die Prägung und die soziale Intelligenz. |
|
J
|
| Junghund |
ist
ein Hund zwischen dem 3. und 11. Lebensmonat. Im Alter von etwa
einem dreiviertel Jahr wählt er seinen Herrn. |
| Juvenil |
ist
ein jugendlicher, noch nicht geschlechtsreifer Hund. |
|
K
|
| Kampftrieb |
ist
das Bestreben des Hundes, die eigenen Körperkräfte mit einem
Rivalen oder Feind zu messen, sei es im Spiel oder im Ernst.
Die Vorausset-zungen für einen ausgeprägten Kampftrieb sind:
1. reizbare, feindselige Grundstimmung 2. die innere Sicherheit
und Unerschrockenheit, 3. der Geltungstrieb, 4. eine gewisse
Härte und 5. ein ausgeprägtes Sexualverhalten. |
| Kondition |
bezeichnet
die körperliche Verfassung bzw. den Fütterungs-, Pflege- und
Leistungszustand zu einem bestimmten Zeitpunkt. |
| Konfliktsituation |
entsteht
für den Hund, wenn zwei miteinander nicht vereinbare Verhaltenstendenzen,
z. B. Angriff und Flucht, gleichzeitig aktiviert sind und keine
von ihnen eindeutig vorherrscht. |
| Konfliktverhalten |
sind
Verhaltensweisen, die in einer Konfliktsituation auftreten,
z. B. vermehrtes Gähnen in unpassenden Situationen, übertriebenes
häufiges Kratzen, Sich-Schütteln, Pfoten-Belecken, sinnloses
Hin- und Herspringen, Zittern, Winseln, Speicheln, Scharren
am Boden oder an Wänden, Erbrechen, Kotabsatz, wiederholtes
Beinheben zum Spritzharnen. |
| Konstitution
|
ist
mehr grundlegender und allgemeiner Art. Sie umfaßt die Körperbeschaffenheit
in bezug auf Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse, die auf
die Leistungsfähigkeit hinweisen. |
| Körung
|
ist
die Auswahl von besonders für die Zucht geeigneten Hunden im
Hinblick auf Leistung und Schönheit. |
| Kritische
Distanz |
ist
der Abstand, bei dem ein in die Enge getriebener Hund zum Angriff
übergeht. Kynologie ist die Lehre vom Hund. |
|
L
|
| Latenzzeit |
ist
die Zeit zwischen Signal und Antwort oder die Zeit zwischen
dem Eintreffen eines Reizes und dem Auftreten der durch ihn
ausgelösten Reaktion. |
| Lernbegabung |
oder
Lerndisposition oder Lernvermögen umfaßt alle im Erbgut festgelegten
Voraussetzungen für die Leistungen des Hundes. Sie ist erblich
begrenzt, bei den einzelnen Rassen, Individuen und Funktionskreisen
verschiedenartig ausgeprägt und entwicklungsbedingten Änderungen
unterworfen. So kann z. B. das gleiche Ausmaß von Erfahrung
innerhalb und außerhalb der sensiblen Phasen zu sehr unterschiedlichen
Ergebnissen führen. |
| Lernen
|
ist
allgemein die Aufnahme von Informationen durch ein Lebewesen
und die Aufbewahrung der Erfahrungen im Gedächtnis. Beim Hund
sind das alle Prozesse, die zu einer individuellen Anpassung
seines Verhaltens an die jeweiligen Umweltbedingungen führen. |
|
M
|
| Meideverhalten |
zeigt
der Hund, wenn er eine physische oder psychische Bedrohung oder
eine offene Aggression mit Flucht, Unterlassungsreaktionen,
Demutsgebärden usw. beantwortet. |
| Meutetrieb |
ist
das Bestreben des Hundes, sich zu einem reinen Hund-Rudel oder
Hund-Mensch-Rudel zusammenzuschließen. An diese Meute fühlt
er sich gebunden und in ihr wirken seine auf die Meute ausgerichteten
Triebe. |
| Motivation
|
oder
Antrieb oder Stimmung ist die Bereitschaft des Hundes zur Ausführung
einer bestimmten Handlung. Sie hat für jede Verhaltensweise,
zu jedem Zeitpunkt einen bestimmten Wert und entstammt allgemein
den vier großen Triebanlagen: Ernährungstrieb, Aggressionstrieb,
Fluchttrieb und Sexualtrieb. Der Motivationsgrad ist dabei abhängig
von einer Vielzahl äußerer und innerer Faktoren, die ihre Wirkung
nicht isoliert ausüben, sondern in verschiedenartigen Wechselbeziehungen
zueinander, z. B. motivierende Reize, Entwicklungsstand, Ermüdung
usw. Ersichtlich ist die Motivation aus der Stärke und der Häufigkeit
einer Handlung. |
| Motivierende
Reize |
sind
Außenreize, die nicht eine äußere Reaktion hervorrufen, sondern
durch Änderung der inneren Stimmungslage des Hundes die Auslösbarkeit
einer Verhaltensweise durch andere Reize vorbereitet. |
| Motorisches
Lernen |
bezeichnet
das Lernen auf dem Gebiet der Bewegungsausführung. |
| Mut |
bedeutet
in der Kynologie Unerschrockenheit oder Furchtlosigkeit in bekannten
und unbekannten Situationen. Er basiert auf der Wesensverfassung
und den Triebanlagen des Hundes und kann nicht durch Training
erworben werden. |
|
N
|
| Nachahmung |
bezeichnet
das "Lernen durch Beobachtung". Dabei übernimmt der Hund beobachtete
Verhaltensweisen indirekt in sein Verhalten, auch wenn sie seinen
wahren Anlagen nicht entsprechen, z. B. feiges Verhalten trotz
innerer Sicherheit. |
| Nervenverfassung |
beeinflußt
sehr stark das Verhalten und den Wert des Hundes. Übermäßige
Nervenreizbarkeit ist eine Wesensschwäche, während eine zu hohe
Nervenbasis eine schlechte Arbeitsgrundlage ist. Das in jeder
Hinsicht beste Nervensystem ist jenes, das auf eine mittlere
Reizschwelle reagiert. |
| Neurose |
entsteht,
wenn der Hund nicht mehr in der Lage ist, einen Konflikt, dem
er wehrlos ausgeliefert ist, zu lösen. |
|
O
|
| Omega-Tier |
ist
das an letzter Stelle stehende Tier in der Rangordnung eines
Rudels (Prügelknabenstellung). |
|
P
|
| Phänotyp |
bezeichnet
das äußere Erscheinungsbild des Hundes. Es ist das Ergebnis
des Wechselspiels zwischen den Erbanlagen und den Umweltbedingungen,
die während seiner Entwicklung auf den Organismus einwirken. |
| Psychologie |
ist
die Lehre von den Funktionen und Leistungen der Lebewesen. |
| Prägung
|
ist
ein verhältnismäßig schneller Lernvorgang in frühester Jugend,
der sich von den anderen Lernprozessen durch drei Eigenschaften
unterscheidet: 1. Durch eine ausgeprägte sensible Phase. 2.
Durch ein sehr stabiles, nicht rückgängig zu machendes Lernergebnis.
3. Durch die Unmöglichkeit, Nichtgelerntes nachzuholen. |
| Prüfung |
ist
eine von hundesportlichen Organisationen eingerichtete, vorher
ausgeschriebene und nach einer Prüfungsordnung ausgerichtete
Veran-staltung, bei der bestimmte Leistungen des Hundes genau
geprüft und bewertet werden. |
| Prüfungsordnung
|
ist
die Zusammenfassung der Zulassungs- und Durchführungsbestimmungen
für die Prüfung. Sie wird in gewissen Abständen überprüft und
nach den gewonnenen Erfahrungen abgeändert oder ergänzt. Jede
Prüfung ist in einzelne Fächer eingeteilt. Für die Leistungen
werden Zensuren vergeben. Das Richterurteil ist grundsätzlich
unanfechtbar. |
|
R
|
| Rangordnung |
oder
soziale Hierarchie ist allgemein die geregelte Verteilung von
"Rechten und Pflichten" innerhalb einer Tiergruppe. Sie wird
durch Kämpfe oder Paarbildung festgelegt. Dabei ist die Rangstufe
eines Tieres abhängig von seiner Größe, Körperkraft, Geschicklichkeit,
Kampfbereit-schaft und dem Zufall. Das ranghöchste Tier (Alpha-Tier)
hat die Aufgabe, durch sein Können und seine Erfahrung das Überleben
der einzelnen Rudelmitglieder zu sichern. |
| Rasse
|
ist
eine Gruppe von Einzeltieren innerhalb einer Art mit gemeinsamen,
vererblichen Eigenschaften. |
| Rasseausdruck
|
ist
der körperliche und wesensmäßige, für eine Rasse typische Ausdruck:
Rassetyp. |
| Rassehund
|
ist
der zuchtmäßig gezüchtete und in einem anerkannten Stammbuch
eingetragene, edle Hund. |
| Reifung |
ist
die Vervollkommnung einer Verhaltensweise ohne Übung. Sie beruht
auf Entwicklungsprozessen im Zentralnervensystem. |
| Reiz
|
oder
Stimulus ist allgemein ein physikalischer Zustand oder eine
Zustandsänderung in der Umwelt oder im Inneren eines Lebewesens,
der im Organismus zu Veränderungen führt. |
| Reizschwelle |
ist
die Mindestgröße eines Reizes, die bei einem Lebewesen eine
Reaktion auslöst. Dabei kann der Schwellenwert von verschiedenen
Innen- und Außenbedingungen beeinflußt werden. |
| Reizsummation
|
bezeichnet
die wechselseitige Reizverstärkung von Schlüsselreizen, die
ein- und dieselbe Verhaltensweise auslösen. Dabei entspricht
der Gesamtwert einer Situation in der Regel nicht der genauen
Summe der Einzelreize. |
| Revier |
ist
ein verteidigtes und markiertes Wohngebiet, dessen Größe von
dem Grad der Angriffslust des Tieres bestimmt wird. Im Mittelpunkt
des Reviers ist die Kampfbereitschaft am größten, während sie
mit zunehmender Entfernung in gleichem Maße abnimmt, wie die
Umgebung für das Tier fremder und furchterregender wird. |
| Rudel |
ist
bei Hunden eine geschlossene Gesellschaft, deren Mitglieder
sich als Individuen persönlich kennen und in einer Rangordnung
zusammenleben. |
|
S
|
| Schärfe
|
ist
eine Wesensanlage, die triebhaft verankert oder durch Erziehung
verstärkte Bereitwilligkeit des Hundes, auf unvermutete Reize
und offensichtliche Angriffe feindlich zu reagieren. Schärfe
hat nichts mit Mut zu tun. |
| Scheu |
ist
ein nerven- und wesensschwacher Hund. Scheue kann aber auch
umweltbedingt sein, z.B. Handscheue, Leinenscheue. Diese tritt
dann auf, wenn der Hund öfters sehr unangenehme Erfahrungen
mit der Hand des Menschen oder der Führleine machte und deshalb
vor jeder Hand-oder Leinenbewegung zurückweicht. |
| Schlüsselreiz
|
oder
Signalreiz ist ein Außenreiz oder eine Reizkombination, der
ein bestimmtes Verhalten auslöst oder aufrechterhält sowie die
Orientierung einer Verhaltensweise oder die Stimmungslage des
Hundes beeinflußt. |
| Schußfest |
sollte
jeder gesunde und nervenfeste Hund sein. Schon der Welpe sollte
an laute Geräusche gewöhnt werden. |
| Schutzhund |
ist
im weiteren Sinne ein Hund, der durch sein Verhalten und Vorgehen
seinen Herrn beschützen kann. |
| Schutzhundanlagen |
sind
ererbte Eigenschaftsnormen des Schutzhundes, die innerhalb des
vorgegebenen Rahmens durch Umwelteinflüsse in einer bestimmten
Weise verwirklicht werden können. |
| Schutzhundeigenschaften |
sind
die durch das Wechselspiel zwischen Erbgut und Umwelt verwirklichten
Eigenschaftsnormen des Schutzhundes. Schutztrieb ist die vererbbare
Veranlagung, auf jeden Angriff, ob gegen sich oder gegen seinen
Herrn, mit einem Gegenangriff zu reagieren. Der Schutztrieb
steht in engem Zusammenhang mit der Bindung an seinen Herrn. |
| Schwellenwertänderung |
bezeichnet
die Änderung in der Auslösbarkeit einer Verhaltensweise. Sie
kann von verschiedenen Faktoren bestimmt werden und führt entweder
zu einer Schwellenerhöhung (schwere Auslösbarkeit der Reaktion)
oder zu einer Schwellenerniedrigung bzw. -Senkung (leichtere
Auslösbarkeit der Reaktion). Extreme Schwellenerniedrigung kann
Leerlaufhandlungen zur Folge haben. |
| Sensibilität |
ist
die Empfindlichkeit und die gesteigerte Empfindungsfähigkeit. |
| Sensible
Phase |
ist
derjenige Lebensabschnitt, in dem ein Lebewesen für bestimmte
Lernerfahrungen besonders empfänglich ist. Sie tritt im Leben
des Tieres nur einmal auf und zeigt sich beim Hund z. B. in
der Prägungs-phase. |
| Sozial
|
bedeutet
in der Ethologie, daß die betreffende Verhaltensweise die Aufgabe
einer innerartigen Verständigung erfüllt. |
| Sozialisierungsphase |
ist
der Lebensabschnitt des Hundes, in dem er seine spezifischen
sozialen Kontakte erwirbt. Sie dauert von der 8. bis 12. Woche
und ist für ein optimales Mensch-Hund-Verhältnis von entscheidender
Bedeutung. Wird sie verpaßt, kann der soziale Erfahrungsentzug
später nicht mehr nachgeholt werden. Der Hund ist in bezug auf
Menschen sozial "fehlgeprägt" (Zwingerhunde). |
| Spieltrieb |
ist
mit dem Bewegungs- und Betätigungstrieb verwandt bzw. zum Teil
in ihm begründet. Er ist in der Jugend besonders ausgeprägt
und bleibt bis in das hohe Alter des Hundes erhalten. |
| Spielverhalten |
bezeichnet
alle jene Verhaltensweisen, die innerhalb des Verhaltensbereiches
keinen "Ernstbezug" besitzen. Es ist allgemein gekennzeichnet
durch einen relativ hohen Anteil an spontanen Verhaltenswei-sen
und kann als Solitärspiel, Objektspiel oder Sozialspiel durchgerührt
werden. |
| Sphinxstellung |
ist eine gespannte Liegestellung von kurzer Dauer, die den Schutzhund
zu blitzschnellen Reaktionen befähigt. Dabei sind die Vorderläufe
vorgestreckt, der Kopf und die Vorhand aufgerichtet, die Hinterläufe
eng an den mit der Rute eine Gerade bildenden Körper angelegt.
|
|
|
| Stammbaum |
ist
das Verzeichnis aller von einem Zuchttier oder Elternpaar ab-stammenden
Nachkommen. Er ist je nach den Generationsfolgen mehr oder weniger
verzweigt und umfangreich. |
|
T
|
| Temperament |
des
Hundes äußert sich in der psychischen Beweglichkeit und der
Reaktionsintensität auf die verschiedenen Umweltreize. Dabei
gilt: der Hund ist um so temperamentvoller, je lebhafter und
reaktionsintensiver er sich gegenüber seiner Umwelt verhält.
Er ist um so temperamentsärmer, je träger und interessenloser
er sich benimmt. Jedoch darf das Temperament nicht mit Nervosität
verwechselt werden. |
| Tierpsychologie |
ist
jenes Teilgebiet der Verhaltensbiologie, das sich mit den Persönlichkeitsmerkmalen
eines Tieres beschäftigt und sie beschreibt. Dabei sind viele
wichtige tierpsychologische Erkenntnisse an Zoo- und Zirkustieren
gewonnen worden. |
| Totschütteln |
bezeichnet
ein intensives seitliches Kopfschütteln mit der im Fang gehaltenen
Beute. Bei jungen Hunden ist das Totschütteln ein häufiger Bestandteil
des Spielverhaltens. |
| Trieb |
ist
die ererbte Bereitschaft des Hundes zu einem bestimmten Verhalten.
|
| Triebstau |
entsteht,
wenn ein bestimmter Trieb lange keine Gelegenheit mehr zum Ablaufen
hatte. Dadurch steigert sich die Bereitschaft des Hundes zu
einem bestimmten Verhalten. |
| Trockenverbellen |
ist
allgemein eine bellformende Übung, die dem Hund das gezielte
Bellen lehrt. Speziell dient das Trockenverbellen dazu, die
saubere Ausrührung einer späteren, an einen bestimmten Außenreiz
gekoppelten Verbellübung systematisch vorzubereiten. |
|
U
|
| Übersprungsbewegung |
ist
eine schwächer aktivierte Verhaltensweise, die in einer Konfliktsituation
durch die gegenseitige Hemmung der vorherrschenden Verhaltenstendenzen
zum Durchbruch kommt. |
| Umwelt
|
bezeichnet
allgemein die gesamte Umgebung oder "Außenwelt" des Hundes.
Speziell jedoch diejenigen Faktoren der Umgebung, die auf den
Hund tatsächlich in irgendeiner Weise einwirken. |
| Unterordnungsbereitschaft |
ist
die Neigung des Hundes, sich dem Ranghöheren unterzuordnen,
nachdem er dessen Autorität erlebt und respektieren gelernt
hat. |
|
V
|
| Verhalten |
umfaßt
allgemein alle Bewegungen, Lautäußerungen, Körperhaltungen und
Verständigungsweisen des Hundes. |
| Verstärkung |
oder
Bekräftigung oder Nacheffekt ist die Bezeichnung für alle Ereignisse,
die nach einer vom Hund ausgeführten Verhaltensweise auftreten
und zu einer anschließenden Wiederholung oder zum Abbau der
gezeigten Verhaltensweise führen. |
|
W
|
| Weichheit
|
oder
große Empfindlichkeit ist die Eigenschaft des Hundes, sich von
unlustvollen Empfindungen oder beängstigenden Ereignissen stark
und nachhaltig beeindrucken zu lassen. Sie bedeutet keine Wehleidigkeit. |
| Wehrtrieb
|
ist
das Bestreben des Hundes, sich gegen eine physische oder psychische
Bedrohung oder gegen eine offene Aggression zu verteidigen.
|
| Wesen |
ist
die Eigentümlichkeit und die Eigenart des Hundes. Es äußert
sich z.B. in Temperament, Anhänglichkeit, Lernfreudigkeit, Arbeitswillen,
Ausdauer, Kampfesmut usw. und ist bei jedem Hund andersartig
gelagert. |
| Wesensschwäche |
ist
im wesentlichen angeborene starke Feigheit, Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit,
Nervenschwäche und Mißtrauen. Die Mängel können weder mit Dressurmaßnahmen
noch mit irgendeiner anderen Methode verringert oder beseitigt
werden. |
| Wesenssicherheit |
ist
das Gegenteil der Wesensschwäche und die Grundlage jeder optimalen
Aufbauarbeit. Sie hängt ab von dem Intensitätsgrad der drei
Wesensgrundlagen Konstitution, Trieb- und Instinktveranlagungen
und den höheren psychischen Fähigkeiten. |