Homöopathie bei Tieren

Nervensystem

10.1 Verhaltensstörungen

10.1.1 Angst

Unsere Schutzbefohlenen sind gerade in der heutigen Zeit mancherlei Streß unterworfen wie Großstadtverkehr und starkem Lärm, Abgasen, Nervosität der Besitzer, unvorteilhafter Haltung oder auch unangebrachter Verzärtelung, so daß sich im Laufe der Zeit Symptome von Angst entwickeln, - sofern dieselben ihnen nicht schon bei der Geburt mitgegeben wurden - die unbedingt einer Behandlung bedürfen, zu der sich gerade die Homöopathie mit ihren verschiedenen Möglichkeiten zur Einwirkung auf das Seelenleben anbietet.

Als mildeste Form einer nervösen Störung kann man die Bellwut mancher Hündinnen ansehen, verbunden mit Unruhe, Erregtheit und Eifersucht, mit der sie ihrer Umgebung recht zur Last fallen können. Sie ist mit einer wöchentlichen Gäbe von Lachesis D 200 gewöhnlich gut zu beeinflussen.

Sehr unangenehme Gefährten sind durchwegs die sogenannten »Angstbeißer«. Plötzlich, ohne jede Ankündigung durch Knurren, beißen sie zu. Hinzu kommt eine starke Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht und Berührung. Sie sind bei vielen Rassen anzutreffen, und ihre Besitzer müßten einer Sorge enthoben sein, wenn eine tägliche Anwendung von Belladonna D 30, 10 Tage lang, mit einer abschließenden Gabe von Calclum carbonicum D 200 diesen Fehler behebt.

Hunde, die ihre Absicht zu beißen vorher durch Bellen und Knurren kundtun (und daher nur an der Leine ausgeführt werden dürfen, weil sie sich sonst auf jeden, besonders kleineren, Rassegenossen, stürzen würden), brauchen täglich Hyoscyamus D 30 und mit wahrnehmbarer Besserung in größeren Abständen eine C 200 oder C 7000. In diesem Zusammenhang kann an Nux vomica gedacht werden - ein Mittel, das in der Humanmedizin dem nervösen, aufbrausenden, unter Verdauungsstörungen leidenden und bei Gelegenheit ängstlichen Zeitgenossen entspricht. Sein Spiegelbild ist der wütende Hund, der am liebsten jeden Besucher zerfleischt und, wenn ersieh an ihn gewöhnt hat, ihn beim Hinausgehen doch wieder angreifen möchte. Hier wäre ein Versuch mit Nux vomica D 30 angebracht. Gewitterdonner und die Knallgeräusche des Silvesterfeuerwerks sind für viele Hausgenossen mit ihrem vierzigmal besseren Gehör eine Qual, der - in letzterem Fall schon 14 Tage vorher - mit Borax D 3, 3mal täglich 1 Tablette begegnet werden kann, sofern nicht stärkere Beruhigungsmittel herangezogen werden müssen. Patienten, die glauben, bei einem Tierarztbesuch schlechte Erfahrungen gemacht zu haben, sind leicht geneigt, bei erneuter Konsultation vor der Schwelle ihres Helfers kehrt zu machen. Diese Scheu behebt Phosphorus D 200, eine Stunde vorher. Wenn der alte Hund bei körperlichem Wohlbefinden nachts umhertappt, wenn alle ändern schlafen und sich unruhig bemerkbar macht, indem er ins Freie möchte - dann wird ein fürsorglicher Hausvater dabei verwundert feststellen, daß dies ohne ersichtlichen Grund geschah. Denn ohne sich entleert zu haben, wie man angenommen hatte, ist er bald wieder zurück und tappt weiter in der Wohnung umher. Hier wirkt Arsenicum album D 30 in einer einzigen Gabe, indem es wieder ruhige Nächte herbeiführt. Diese Gabe kann wiederholt werden, wenn sich die Wirkung erschöpft hat.

Wenn bisher stubenreine Tiere plötzlich unsauber werden und durch Harn und / oder Kotabsatz auf sich aufmerksam machen möchten, dann ist es Zeit, ihnen eine Gabe Pulsatilla D 200 zu verabreichen. Meistens hilft es sofort, andernfalls folgt eine Gabe Platinum D 200 drei Tage später.

Leidige Rangkämpfe und Beißereien unter den Hunden eines Besitzers stoppt Chamomilla D 200. Jeder Hund erhält gleich-zeitig eine Gabe (einmalig).

Angst, sog. Platzangst, die oft bei »Ausstellungen« unangenehm für die Besitzer ist, hat Argentum nithcum. Man muß es in der D 30 täglich einmal schon Tage vor dem Ereignis geben, wenn man weiß, wie sich der Hund benehmen wird, nämlich gar nicht: Er ist dort widersetzlich und hört nicht auf eingefuchste Kommandos, schnappt nach Fliegen, die nicht da sind, klemmt den Schwanz ein, rennt verwirrt umher oder bleibt stehen und hat alles vergessen, was er gelernt hat, kurz - er ist konfus. Einige dieser Typen sind leicht daran zu erkennen, daß sie auch nicht allein bleiben können und bei Aufregung Durchfall bekommen.

Auch der Phosphor-Hund auf Ausstellungen ist eine Plage für den, der ihn führen muß. Unkonzentriert, zappelig und übererregt, zerrt er an der Leine und ist bei plötzlichem Lärm oder Geräuschen vor Angst ganz aus dem Häuschen. Auch dieser Typ bleibt ungern allein, und bei Gewitter ist seine Angst gewaltig. Schnelle Erschöpfung, danach aber auch relativ rasche Erholung, sind ebenso typisch wie das zarte Fell und die feingliedrigen Extremitäten, die Hinterbeinvene (V. saphena) tritt überdeutlich hervor. Er sollte 1 Stunde vor der Ausstellung 1 Dosis Phosphorus D 200 erhalten.

Rüden, die auf Ausstellungen sich mit anderen anlegen oder bestimmte persönliche Feinde haben, mit denen sie stets und ständig in Konflikt geraten, Tage vorher Nux vomica D 30, 1mal täglich 1 Tablette geben.

Neben der Angst bei Ausstellungen nimmt die Trennungsangst in der Hundewelt aus vielfältigen Gründen zu. Meist ist die menschliche Zuwendung dabei zu stark! Diese Art von Angst äußert sich in dem Nicht-alleine-sein-Können. Das löst Beißwut aus oder Bellen, Teppiche werden eingenäßt, Gardinen heruntergerissen, Möbel angefressen und die Türen lä-diert. Mehr oder weniger stark macht sich dieser Kampf um den sozialen Status bemerkbar. Das, was krankhaft daran ist, nimmt das passende homöopathische Mittel. Was aber durch falsche Erziehung entstanden ist, muß anders ausgeglichen werden. Man sollte solche Tiere kühl behandeln und das Alleinbleiben üben: Sperren sie ihn ab und zu alleine in ein Nebenzimmer, so daß er Ihre Stimme gerade noch hören kann. Sollte er sich nicht ruhig verhalten, öffnen Sie plötzlich die Tür und rufen ihn scharf an. Will er sogleich winselnd an Ihnen hochspringen, dann spritzen Sie ihm kaltes Wasser auf die Nase (die Einmalspritzen mit 10 oder 20ml eignen sich besonders gut). Das hilft großartig! Auch bei zudringlichen Tieren, die z. B. immer ins Bett kommen wollen und nicht sollen. Der Mensch muß immer »die Nummer 1« im Meuteverhältnis sein, denn Ziel jeder Verhaltensstörung des Hundes ist, die Nummer 1 zu werden, anders gesagt, der Hund will sich selbst zum Herrn aufschwingen. Damit da keine Unklarheiten auftreten, ist es gut, ihn von vornherein von gewissen Wohnungsbereichen auszusperren, z. B. Kinderzimmer oder Schlafzimmer, ihn auch nicht zu animieren, auf Stühle, Sessel oder Sofas hochzuspringen oder auf den Schoß oder ins Bett, denn die Höhe, sozusagen die Perspektive, ist für den Abstand zum Menschen sehr wichtig. Je höher, je gleichrangiger fühlt er sich. Man sollte darauf achten, daß Befehle exakt ausgeführt werden - richtig wohl in seiner Haut fühlt sich ein Hund nur, wenn er gehorchen darf - an Streicheln, Kraulen oder Loben denkt man erst nach ausgeführten Befehlen.

Immer klar die Überlegenheit des Menschen hervorheben, das erspart viel Ärger.

Eine andere Methode ist, ab und zu den Hund an Kopf, Hals und Schultern anzufassen, ihn mit leichter Hand nach hinten zu drücken und zum Sitzen zu zwingen. Das gibt starke Dominanz. Ein weiteres Mittel, die menschliche Überlegenheit zu zeigen, ist das Schütteln am Genick bei gleichzeitig scharfem Anblick.

Damit sollte man nicht sparen, wenn der Verdacht auftritt, daß der Hund die Neigung verspürt, die Nummer 1 werden zu wollen. Früher, tempi passati, in rauheren Zeiten, prügelte man ihn windelweich, das hielt fürs ganze Leben.

Diese Verhaltensstörungen seien noch angeführt:

Angst vor dem Gewitter

Phosphorus D 200

1 Gabe vor dem Ereignis

Empfindlich nur auf geringe Geräusche, Donnerschlag und Knallerei machen dagegen nichts aus

Nux vomica D 30

täglich 1 Tablette für kurze Zeit

Abends auftretende Nervosität Angst vor Alleinsein

Causticum D 30

Arsenicum album D 30,

Phosphorus D 30 (bellt),

Pulsatilla D 30 (zerbeißt)

Furcht vor Männern, vor Hosenbeinen Lycopodium D 30
Furcht vor allem Neuen Argentum nitricum D 12
Angst im Schlaf mit Bellen

Apis mellifica D 3

im Wechsel mit

Zincum D 6

Schreckhaftigkeit Kalium phosphoricum D 12
Schreckfolgen Opium D 30

10.1.2 Eifersucht

Eine weit verbreitete Untugend unseres umhegten Hausgenossen ist die Eifersucht, die sich durchaus einmal schaden-bringend auswirken kann und der daher alle 14 Tage mit Hyoscyamus D 200 begegnet werden sollte. Ebenso können auch jähzornige Hunde für ihre Umgebung gefährlich werden, so daß man hier ebenso Hyoscyamus D 200 rechtzeitig anwenden soll. Bei der häufig zwischen Rüden oder Hündinnen beobachteten sexuellen Rivalität wird der verantwortungsbewußte Hundehalter gern auf Platinum D 200 zurückgreifen. Eifersucht der zu oft bellenden Hündin: Lachesis D 200.

10.1.3 Heimweh

Heimweh führt zur Abmagerung, weil der Hund keine Nahrung zu sich nimmt, oder zur Heiserkeit und zum Stimmverlust, weil er dauernd nach seinem »Leithund«, seinem Herrn, winselt und bellt. Beides macht ihn krank. Jeder kennt das traurige Bild, wenn ein Tier abgemagert aus einer Klinik oder einer Hundepension nach Hause kommt. Muß ein heimwehverdächtiges Tier in eine Hundepension oder Klinik gebracht werden, sollte man ihm kurz vor der Ablieferung 2 Gaben Ignatia D 30 im Abstand von 2 Stunden geben. Es nimmt dann klaglos seine neue Umgebung an und wird unter der Trennung nicht leiden.

10.1.4 Fahrkrankheit (Flug-, Auto-, Eisenbahn-, Seekrankheit)

Es kommt vor, daß Hunde unsere Transportmittel nicht vertragen. Entweder sind sie unruhig, stehen die ganze Zeit, wollen sich nicht setzen, jaulen und stürzen von einer Seite des Fahrzeugs zu der anderen, dann ist Nux vomica D 30 das Heilmittel. Im anderen Falle legt sich der Hund zu Boden, er speichelt oder erbricht, mitunter gehen auch unwillkürlich Kot und Urin ab, dann ist Cocculus D 6 das geeignete Medikament (in Ausnahmefällen mit Tabacum D 6 zusammen). Mit beiden Mitteln beginnt man 1/2 Stunde vor der Fahrt und gibt es während der Fahrt jede Stunde. Nach einigen Fahrten braucht man es nicht mehr zu wiederholen, weil sich die Anfälligkeit verloren hat. Ebensogut kann man aber die Arznei als Kur 3mai täglich schon 10 Tage vorher durchführen. Verursacht nicht das Fahren selbst - denn gleichmäßige Fahrt auf der Autobahn wird gut toleriert - sondern das Anfahren und das Bremsen Übelkeit und Erbrechen, dann hilft eine einzige Gabe Strychninum phosphoricum D 200 für viele Monate oder für das ganze Leben. Mit Petroleum D 200, wöchentlich eine Gabe, läßt sich das Problem - sollten die oben angeführten Mittel nicht passen -unter Umständen auch lösen.

10.2 Epilepsie

Der Hund bleibt plötzlich wie angenagelt stehen, stürzt zusammen und streckt alle Gliedmaßen von sich. Nach wenigen Sekunden verkrampft er sich, die Extremitäten zucken und strampeln, er verdreht den Kopf, der Blick ist starr und die Pupillen erweitert. Die Kiefer schlagen aufeinander, wobei schaumiger oder, bei Verletzung der Zunge, blutig verfärbter Speichel hervorgebracht wird. Der Harnabsatz erfolgt unwillkürlich. Nach dem Anfall tappt er ein wenig benommen umher, weil die Bewußtseinsstörung nur vorübergehend war. Alles kehrt wieder rasch zum Normalzustand zurück. Die zeitlichen Abstände sind verschieden, oft liegen Monate dazwischen, bevor sich diese chronische Gehirnerkrankung wieder bemerkbar macht. Während eines Anfalles soll man nur darauf achten, daß der Hund sich nicht verletzt. Helfen kann man ihm nur in den Zeiten des Intervalls, und da gibt es diese Möglichkeiten:

Zunächst sollte man kurz nach dem Anfall 1/4- bis 1/2stündlich Belladonna D 6 geben, damit es zu keiner Wiederholung kommt. Gerade die Wiederholung der Krämpfe in kurzen Abständen erweist sich als lebensgefährlich. Sie führt in einen Status epilepticus, der dann nur durch eine Narkose unterbrochen werden kann. Die Behandlung erfolgt über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen, wenn nicht länger. Der Patient erhält als Basisbehandlung

Zincum D 6 und Apisinum D 6
viermal täglich im Wechsel,

sofern das Krampfbild nicht im folgenden eingeordnet werden kann:

Krämpfe nach Impfung Silicea D 12
Krämpfe nach Narkose einmalig Opium D 30
Krämpfe, deren Anlaß und Bufo rana D 15
Auslösung sexuelle Erregung oder Gerüche sind Krämpfe, gefolgt von Bewußtlosigkeit Oenanthe crocata D 15
Krämpfe mit Kollaps und Blaufärbung der Zunge und Mundschleimhäute, Kälte des Rumpfes und der Glieder Cuprum D 15
Krämpfe, gefolgt von starkern Bewegungsdrang, die Tiere entfliehen und rasen wie gehetzt lange Strecken bis zum Umfallen Stramonium D 30

Diese Beobachtung berichte ich als Augenzeuge des Staupeseuchenzuges nach dem 2. Weltkrieg, in dem bei Ausbruch der Gehirnstaupe diese Art von Krämpfen vorkam. Die mit Stramonium Behandelten überlebten.

Das Gebiet der Epilepsie und der Krämpfe ist weit und unerforscht. Die Lehrmedizin versteht sich nur auf die Unterdrückung der Krampfbereitschaft durch chemische Mittel, die über kurz oder lang zu Nebenwirkungen führen. Bei dieser Alternative sollte der Versuch einer homöopathischen Behandlung gemacht werden. Es muß aber auch gesagt werden, daß es angeborene Formen gibt, die überhaupt nicht beeinflußbar sind.

10.3 Lähmungen

Eine Lähmung der Hinterhand beobachten wir

° nach Unfällen,

° als Folge einer Bandscheibenerkrankung,

° im Verlaufe der nervösen Staupe sowie bei

° der Rückenmarkshautverknöcherung der alten Tiere.

° Gelegentlich wird sie auch vorgetäuscht durch heftigen Rheumaschmerz in der Lendengegend, aber auch durch eine akute Prostatitis oder eine hochakute Analbeutelentzündung.

Jede Lähmung ist ein Problem für sich. Durch mechanische Einwirkungen wie Schlag, Stoß, Unfall entstehen die Erschüt-terung, die Quetschung oder der Bluterguß im Rückenmark. Die Lähmung selbst tritt oft erst Stunden oder Tage später in Erscheinung. Hier kann mit Arnica D 6 nicht früh genug begonnen werden, jede Stunde eine Gabe. Sollte der Rücken beim Darüberstreichen mit der Hand empfindlich sein, füge man Hypericum D 3 hinzu.

Tritt die Lähmung als Folge eines Bandscheibenvorfalles ein, was besonders bei Teckeln zwischen 5 und 7 Jahren der Fall ist, so ist die heilende Arznei bei einer spastischen Lähmung Nux vomica D 6, 2stündlich tagsüber. In diesem Falle ist die Muskulatur der Hinterhand bretthart gespannt und schmerzt bei der geringsten Bewegung. Die schlaffe Lähmung (aber nicht durch Unfall ausgelöst) wird mit Plumbum metallicum D 6 angegangen. Bei dieser Lähmung ist typisch, daß bereits in den ersten Tagen die Muskulatur zu schwinden beginnt. Plumbum metallicum wird alle 3 Stunden tagsüber gegeben und sollte durch 2-3tägige Quaddelungen des Rückens (z. B. mit AS 101 VA) sowie durch Gaben von Vitamin E und B 12 ergänzt werden.

Auch im Verlauf der nervösen Staupe kann eine Lähmung der Hinterhand auftreten. Zunächst wankt das Tier, dann vermag es sich nicht mehr von seinem Lager zu erheben, und schließlich folgt eine nach vorn zuschreitende Lähmung, die unter Umständen auch die Atemmuskulatur erfassen kann, was natürlich den Tod zur Folge haben wird.

Hier sind die Heilmittel Conium D 6 und Cocculus D 4 zu geben, je 4mal täglich. Wenn die Lähmung nach vollkommener Erschöpfung durch die vorangegangene Staupe eintritt, dann leistet Gelsemium D 30, 2mal täglich eine Dosis, gute Dienste. Beim Versuch, sich auf seine Vorderpfoten aufzustützen, taumelt der Hund hin und her und fällt schließlich wieder zurück. Auch die Futteraufnahme gelingt nur mühselig, weil er infolge der Halbsichtigkeit (Augenmuskellähmung) mit dem Fang neben den Futternapf stößt. Das ist Gelsemium. Glücklicherweise sind diese Bilder durch die vorbeugenden Impfungen selten geworden.

Alte Schäferhunde neigen infolge einer Rückenmarkshautverknöcherung von einem Tag zum anderen zu einer Lähmung der Hinterhand. Bei sofortiger Gabe von Nux vomica D 6, jede Stunde, kann man eine Lähmung vermeiden, die sonst zur Euthanasie führen würde. Sie geht dann ebenso schnell vorüber, wie sie gekommen ist, und der alte Hund hat bis zum nächsten, zweiten Schub, der evtl. erst Monate später kommt, noch eine gute und schmerzfreie Zeit, während der er laufen kann.

Eine Lähmung, ausgelöst durch kalte Nässe, wird mit Dulcamara D 6 binnen kurzer Zeit reguliert. Ist ein akuter Rheumatismus an der Muskellähmung schuld, was bei Jagdhunden vorkommen kann, die in eiskaltes Wasser springen, dann wird Rhus toxicodendron D 6 (bis 30) im Wechsel mit Bryonia D 6 (bis 30) vortreffliche Dienste leisten, wenn es 1 bis 2stündlich in einer dieser Potenzen gegeben wird.

Lähmung, spastisch Nux vomica D 6
Lähmung schlaff

Plumbum D 6

Opium D 6

oder diese Zusammenstellung (wenn Oberschenkelmuskulatur nicht schrumpft, d. h. strophisch wird):

Rhus toxicodendron D 6

Colocynthis D 3

Gnaphalium D 2 ana

4-, 3-, 2mal täglich

Lähmung, plötzliche, beim alten Hund Nux vomica D 6 stündlich
»Lähmung« durch feuchte Kälte Dulcamara D 6
»Lähmung« durch Rheuma Rhus toxicodendron oder Bryonia D 6-30
Lähmung während oder nach Staupe Gelsemium 30
Facialislähmung Causticum D 6
Lähmung nach epil. Anfall Curare D 6-30
Peroneuslähmung Hypericum D 30 oder 6. LM
Spondylose, Osteochondrose Caicium fluoratum D 30, 1mal täglich, 2-3 Wochen Mineral D 6*

10.4 Veitstanz, Muskelzucken, Muskeltic (Myoklonie)

Das Zucken einzelner Muskelgruppen ist unfreiwillig, oft wird der ganze Körper geschüttelt. Man hat den Eindruck, als sei dies die Reaktion auf eine Reihe von elektrischen Stößen. Manchmal hört das Zucken eine Zeitlang auf, auch oft während des Schlafes, um danach in regelmäßigem Rhythmus wiederzukehren. Für den Hund und seine Umgebung ist dies eine langwierige und unerfreuliche Krankheit. Es gibt aber eine Reihe von homöopathischen Mitteln für

* Als Vennicullte D 6 im Handel (Lohnhersteller Stauferi-Pharma, Vertrieb Holomed, Niederlande), beziehbar über jede Apotheke.

diesen Zustand, und mit etwas Geduld wird das Tier bald wieder Freude am Leben haben. Man wird einsehen, daß hier Beruhigungsmittel wenig Sinn haben, denn Schuld an diesem Zucken ist in der Mehrzahl der Fälle eine zentralnervöse Störung im Gehirn, die durch eine Staupeinfektion verursacht wurde.

Nur eine einzige Art von Muskelzucken gibt es, die auf Anhieb sofort heilbar ist, das ist jene, die mit einem zu schnellen Wachstum einhergeht, ohne daß der Hund die Staupe gehabt zu haben braucht. Hier ist Phosphorus D 30 das Heilmittel, wenn es einmal täglich bis zur Besserung gegeben wird.

Rührt aber die Myoklonie von der Staupe her, dann sieht man gute Erfolge durch Agaricus D30, wenn die Muskelstöße während des Schlafes aufhören und sie diagonal auftreten, z. B. vorn links und hinten rechts, und außerdem unkoordinierte Bewegungen während des Laufens zu sehen sind und die Hinterhand ungewöhnlich schwach ist.

Auch Cocculus D 6, 4mal täglich, ist ein Mittel für diesen Zustand nach der Staupe. Hört das Zucken während des Schlafens nicht auf, wird Zincum D 6 angezeigt sein. Zu Zincum gehört abendliche Verschlimmerung. Zincum geben wir 3mal täglich.

Bei linksseitigem Zucken:
Cuprum, Tarantula
bei rechtsseitigem Zucken:
Causticum, Arsenicum album
Alle Mittel in der D 30, einmal- oder D 12 zweimal täglich.

Findet man keine Anhaltspunkte für die angegebenen Mittel, dann wählt man diese Zusammenstellung:

Caicium phosphoricum D 6
Magnesium phosphoricum D 6
Kalium phosphoricum D 6

3 Gaben in täglichem Wechsel, wochenlang.

10.5 Neuralgien

Kurzhaarige Rassen sind für Neuralgien empfänglich, und meistens werden die Muskeln der Schulterpartien befallen. Der Schmerz kommt urplötzlich und ist so reißend, daß der Hund laut aufschreit. Die Muskeln können geschwollen sein, man hat den Eindruck, als ob der Hals kurz und dick geworden wäre. Das Tier bewegt sich nur langsam und steif vorwärts, und nicht allein bei Bewegung, sondern auch während der Ruhe treten diese Schmerzattacken auf.

Hat man den begründeten Verdacht, daß der Hund sich erkältet hat (das muß nicht unbedingt im Freien sein, geschieht vielmehr häufig durch Zugluft oder durch Vor-den-Türen-Liegen), dann wird Aconitum D 6 das Wundermittel sein. Wenn sich dies aber nicht nach einigen Gaben bessert, ist in den meisten Fällen Belladonna D 6 die richtige Medizin. Man gibt es 2stündlich, bis die Heilung (Belladonna, das Mittel der örtlichen Entzündung und der anfallsweise auftretenden krampfartigen Schmerzen) eingetreten ist.

Ein ähnlicher Zustand kann auch durch einen Bandscheibenschaden der Halswirbelsäule hervorgerufen werden. Dann ist Nux vomjca D 6, 2stündlich, das Mittel der Wahl.

Handelt es sich um eine Hündin in höherem Lebensalter, in dem sich die Eierstöcke zurückbilden, dann wird Cimicifuga D 4 oder D 6 noch besser helfen.

10.6 Aufbaumittel, homöopathische Stärkungsmittel

Es gibt in der homöopathischen Arzneimittellehre eine Reihe von Medikamenten, die im Sinne eines Stärkungsmittels Her-vorragendes leisten und den entsprechenden chemischen Spezialitäten ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen sind, sofern die jeweiligen Anwendungsmodalitäten sorgfältig und genau beachtet werden.

Hier einige Beispiele:

Nux vomica D 6-D 30

Es ist das Tonikum für reizbare und überforderte Menschen und Tiere mit Neigung zur Verstopfung und zur Magenver-stimmung. Nux vomica ist ein ausgezeichnetes Mittel bei Vergiftungen. Hat man den Verdacht, daß eine Vergiftung im Gange ist, sollte es immer gegeben werden. Nux vomica eignet sich gut zur Beruhigung des nervösen Magens des Hundes, d. h. eines Hundes, der häufig erbricht, besonders nach dem Essen, und das Erbrochene auch gleich wieder auffrißt. Zusammen mit Carbo vegetabilis D 6 wirkt es vorzüglich bei allen Magen-Darm-Beschwerden. Nux vomica ist auch das Mittel für nervöse Hunde, die beim Autofahren z. B. aufgeregt sind und von einer Seite zur ande-ren fegen oder während des Fahrens ständig bellen.

Kalium phosphoricum D 12

ist eine vorzügliche Arznei gegen Schwächezustände, die gekennzeichnet sind durch allgemeine Reizbarkeit und Unruhe. Jeder Hund, der Angst hat, reagiert gut auf Kalium phosphoricum D 12 (siehe Angst 10.1.1)

Caicium phosphoricum D 6-D 12

ist das Mittel gegen Schwächezustände nach akuten und chronischen Krankheiten, auch bei jugendlichen Ernährungs Störungen. Caicium phosphoricum wenden wir außerdem immer an beim Zahnen (man kann es auch dort nachlesen) und nach Knochenbrüchen. Wenn bei der Urin-Untersuchung viele Phosphate im Urin gefunden werden, dann ist das auch immer ein Zeichen dafür, daß der Organismus Caicium phosphoricum D 6 zur Heilung braucht.

Staphisagria D 6

ist ein gutes Mittel für nervöse Tiere mit sexueller Übererregbarkeit. Es beruhigt besonders die männlichen Tiere, wenn man es 4- oder 5mal am Tag einige Zeit lang gibt. Für weibliche Tiere eignet sich in gleicher Art Murex purpurea D 6.

China D 6

wirkt gegen Schwäche nach Flüssigkeitsverlusten infolge Durchfalls, nach Blutverlust oder nach Säfteverlust durch Eiterungen und Gebärmutterentzündungen. Diese Folgezustände, die mit Schwäche und Müdigkeit einhergehen, sind ein dankbares Gebiet für China.

Eine spezielle Zusammensetzung eignet sich gut für alte Tiere, die revitalisiert werden sollen. Für eine solche »Verjüngungs-kur« empfehlen wir

Ambra D 12 und
Barium carbonicum D 12

täglich eine Gabe für längere Zeit; außerdem Injektionen von Acidum formicicum D 30, bei schlanken (leptosomen) Rassen und Typen (K-Typ) oder von Caicium carbonicum D 30 bei entgegengesetztem Habitus (pyknisch, W-Typ) alle 4 Wo-chen.

Ein homöopathische »Stärkungsmittel« kann in gewissen Fällen das Nebel'sche Drainagemittel sein. Es ist dies eine Zusammensetzung von verschiedenen Drogen pflanzlicher Herkunft in niedriger homöopathischer Potenz, die die aus-scheidenden Organe des Körpers anregen, wenn der seit längerem kranke Organismus mit Toxinen überladen ist. Deswegen gibt man es gerne nach überstandenen Krankheiten, während der Genesungszeit. Ein ähnlicherzustand stellt sich auch beim Krebs dar, und das Mittel wird hier zusätzlich vor und nach Krebsoperationen verordnet. Beim inoperablen Krebs leistet es zusammen mit Arsenicum album D 6 gute Dienste. Angezeigt ist es auch bei Hunden, die einseitig nur Fleisch und nichts anderes annehmen und dabei im Laufe der Jahre in eine harnsaure Diathese hineingeraten. Es bewährt sich in einer Langzeitbehandlung von mindestens 30 Tagen, wenn es gemäß den Ausscheidungsstunden der chinesischen Organuhr, nämlich morgens zwischen 5 und 7 und mittags zwischen 13 und 15 Uhr, gegeben wird. Die Wirkung tritt früher oder später ein, je nach dem Grade der innerlichen »Verschmutzung«. Die Kur kann unbedenklich verlängert oder nach einer Pause wiederholt werden. Die Zusammensetzung:

China D 6, Hydrastis canadensis D 6, Solidago virgaurea D 2, Taraxacum D 3, Ceanothus americanus C2 und Crataegus D 6 ana.

 




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