Homöopathie bei Tieren

Krankheiten der Haut

9.1 Haarausfall

Außerhalb der Haarwechselzeiten im Frühjahr und Herbst zeigt der Haarausfall immer eine Störung des Stoffwechsels an, nach deren Ursache gefahndet werden muß.

Geht der Haarausfall mit Schuppenbildung einher, die besonders in der Lenden- und Kreuzgegend stark auffällt, gibt man einige Zeit Sulfur D 6, 3mal täglich 1 Tablette.

Bei Tieren, die viel Fertigfutter oder Konservenkost erhalten und aus diesem Grunde an einem Haarausfall das ganze Jahr über leiden, ist Natrium muriaticum D 12 das Heilmittel, 3mal täglich, mindestens 3 Wochen lang. Dabei gehen die Haare aus, sowie man sie nur anfaßt (dazu Durst, unvermitteltes Beißen, jede Kleinigkeit reizt ihn zum Zorn, wird leicht müde).

Sehen wir bei älteren weiblichen Tieren einen umschriebenen, symmetrisch auftretenden Haarausfall in der Lenden- oder Rückengegend, wird in den meisten Fällen Sepia D 6 den gestörten Hormonhaushalt (mit den Wechseljahren des Menschen vergleichbar) in das Gleichgewicht bringen.

Fetten Tieren, die dazu träge, traurig, fröstelnd, ängstlich und verstopft sind und wenig laufen wollen (Hypothyreose) und die überdies unter trockener, rissiger Haut leiden, wie Schrunden an den Körperöffnungen (d. h. am Übergang der äußeren Haut in die Schleimhaut), diesen Typen wird Graphites D 8 ausgezeichnet bekommen und den Haarausfall heilen (3mal 1 Tablette täglich).

Findet sich kein wesentlicher Anhaltspunkt für eine gezielte Therapie, dann sollte man Thallium aceticum D 12, 1 Tablette 2mal täglich, für 3 Wochen, evtl. auch länger, versuchen.

Wenn die vorgeschlagenen Mittel nicht durchgreifend bessern, bietet es sich an, den Kreatininwert im Blut bestimmen zu lassen. Ist dieser erhöht, dann liegt eine unterschwellige, bis auf den Haarausfall symptomenlose Nierenkrankheit zugrunde. Lespedeza (s. 8.4) ist dann das gezielt wirkende Heilmittel.

Ab und zu eine Gabe Sulfur D 30 bei Tieren mit glanzlosem Fell wirkt gewöhnlich sehr stoffwechselanregend und gibt dem Haarkleid Glanz und Lack zurück. Auf einem zweiten Gleise kann die Fütterung ergänzt werden mit der lebendigen Hefe, der Bäckerhefe, von der 3-4mal wöchentlich ein kirschgroßes Stück dem Futter beigefügt wird. Dadurch wird die Bakterienflora des Darmes günstig (und preiswert) verändert, was auf vielen Umwegen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, dem Haarwuchs zugute kommt. Eine einleuchtende, natürliche Ursache für den Haarausfall sind überheizte Räume und trockene Luft. In solchen Fällen genügt ein Platzwechsel in frischer Luft und kühle Umgebung.

Haarausfall nach schweren Krankheiten

China D 6

Ferrum metallicum D 5

Ausfall der Haare am Widerrist, Haarbruch Lycopodium D 12 neben Einreibungen mit Salizylspiritus

Ausfallen der Haare, besonders der Unterwolle

Ausfallen der Barthaare

Ausfallen der Haare nach der Geburt

Silicea D 6-D 12

Kalium phosphoricum D 6

Sepia D 12 Lycopodium D 12

9.1.1 Haarverfilzung

Bei Verfilzung des Haares, der sogenannten Trichombildung, besonders hinter den Ohren und an den Extremitäten, ist Sulfur, der Schwefel, in der Hauptzahl der Fälle das Heilmittel. Sulfur D 6, 3mal täglich einige Zeit (nach Entfernung der Haarfilze oder dem Scheren des Hundes). Aber auch Acidum fluoricum D 15 sowie Psorinum D 10, je nach Typ, sind die Heilmittel nach Sulfur, 2 Gaben täglich.

9.1.2 Haarbruch

Der Haarbruch setzt meistens in der Widerristgegend ein und kann sich über den ganzen Körper verbreiten. Bei den lang-haarigen Rassen wie Schäferhund und Chow-Chow ist er häufiger zu beobachten. Den Haarbruch auslösend ist immer eine, wenn auch unterschwellige, Leberstörung, labormäßig noch nicht faßbar. Bei diesen Hunden sind mehr oder weniger starke Appetitschwankungen bemerkbar: sie scheinen Hunger zu haben, sind aber nach wenigen Bissen satt. Hier hilft Lycopodium schnell und sicher, den Leberschaden auszuheilen. Bei berufstätigen Hundehaltern, die wenig Zeit haben, empfehlen wir 1 Tablette Lycopodium D 30 abends, sonst Lycopodium D 12, 3mal täglich. Lycopodium in der 18. LM, 2mal täglich 5 Tropfen, ist die Arznei bei chronischem Haarbruch. Sobald die Leberblockade aufgehoben ist, wachsen die Haare gesund wieder nach. Aus diesem Grunde empfehlen wir auch keine äußerlichen Anwendungen.

9.1.3 Schuppen

Nicht selten erscheint ein Hund munter und kregel, leidet aber unter einer totalen Trockenheit der Haut mit enormer Schup-penbildung. Sie macht sich beim Kämmen und Bürsten des Felles, besonders in der Kreuzgegend, bemerkbar. Sulfur D 6 bewährt sich gut, wenn 3 Gaben täglich davon einige Zeit gegeben werden. Zugleich muß aber eine Futterumstellung erfolgen, d.h. die Konservennahrung und das Fertigfutter werden reduziert, besser noch weggelassen. Wenn dazu noch für einen größeren Auslauf gesorgt wird, dann bessert sich der Zustand des Hundes rasch, und das Fell glänzt vor Gesundheit.

Typisch für Sulfur ist der strenge Geruch »nach Hund«. Schuppen, die in großen Flocken abblättern, besonders beim alten Hund, benötigen Arsenicum album D 6.

Eine andere Möglichkeit zur Auswahl des Mittels:

rote warme oder heiße Haut benötigt Sulfur,
blasse oder kühle Haut dagegen Arsenicum album.

9.2 Allergie (Nesselsucht)

Durch plötzliches Frieren, äußere Reizungen und Intoxikationen infolge gewisser Stoffwechselprodukte, die bei fehlerhafter Verdauung entstehen, wird bei kurzhaarigen Rassen, besonders Boxer, Teckel, Dobermann, Dalmatiner, mitunter eine Allergie ausgelöst. Das ganze Haarkleid oder auch nur umschriebene Teile sind in Minutenschnelle mit Quaddeln übersät. Der Hund sieht aus als wäre er von Bienen gestochen worden. Der Kopf schwillt an (Dickkopf), oft besteht Juckreiz. Junghunde zur Zeit des Zahnens sind besonders empfindlich. Die Anfälle klingen rasch ab nach einigen Dosen Apis D 3, das man, dem schnellen Krankheitsverlauf entsprechend, zuerst alle 10-20 Minuten, mit Besserung seltener gibt. Ist Apis in einer Hochpotenz zur Hand wie D 30, dann kann man es genau so gut einsetzen, man wird aber nicht mehr als einige Dosen geben. Auch kalte Umschläge mit Essigwasser tun Gutes. Man vermischt eine Tasse gewöhnlichen Essig mit einem Liter kalten Wassers. In den folgenden Tagen sorgt man für knappes Futter, das eine Messerspitze Karlsbader Salz oder Heilerde enthalten soll. Hat der Hund eine Anlage zur Nesselsucht, wiederholen sich diese Zustände von Zeit zu Zeit, dann wird nach Abklingen der akuten Erscheinungen, die mit Apis beherrschbar sind, eine Kur angeschlossen mit Caicium carbonicum D 12, 3mal täglich eine Tablette für drei Wochen.

Bewährt hat sich auch bei chronischen Fällen eine Eigenblutbehandlung nach dieser Zubereitung: Es wird 1 Tropfen Blut in einem Fläschchen mit 100 Tropfen Alkohol 35% vermischt und auf die C 5, C 6 und C 7 homöopathisch aufbereitet.

Davon erhält der Patient der Reihe nach C5, 2mal täglich 5 Tropfen, danach die C 6, einmal täglich 10 Tropfen, und zum Schluß die C 7, einmal wöchentlich 10 Tropfen, immer möglichst abends spät vor dem Schlafengehen. Diese Behandlung mit potenziertem Eigenblut hat nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Hunden (und Katzen) hervorragende Erfolge bei allergischen Erscheinungen, Furunkulose und sich wiederholenden Infekten, wie Mandelentzündungen, Schnupfen, Gehörgangsentzündungen und Bronchitiden gezeigt. Der in der Homöopathie erfahrene Tierarzt wird diese Behandlung zu gegebenem Anlaß anwenden und die Arzneien zubereiten.

9.3 Juckreiz und Räude

Bei Juckreiz zuerst nach Parasiten fahnden: Flöhe (besonders am Ohrgrund, Kruppe, Unterbauch), Läuse (am Ohrrand), Haarlinge und Herbstgrasmilben im Spätsommer (meist zwischen den Zehen, Unterbauch). Ein einziger Floh genügt heutzutage, daß ein normaler Hund sich kratzt und benagt. Im Zweifelsfalle also immer in die Wanne. Ein Bad mit einem anti- parasitären Badezusatz ist einem Spray oder einem Puder vorzuziehen, weil es bis auf die Haut dringt und nicht an den Haaren hängen bleibt. Juckreiz ist immer nur ein Symptom einer Krankheit, die Ursache muß vom Tierarzt geklärt werden. Nicht immer wird dies möglich sein. Bei den vielen in Betracht kommenden Ursachen, die zugrunde liegen können, wird man verstehen, daß es ein einziges Mittel zur Behandlung dieser Krankheit nicht geben kann.

Der trockene Juckreiz mit Schuppen, Hautrötung und dem Verlangen nach Kälte benötigt Sulfur D 6, 4mal täglich. Sind hohe Potenzen von Sulfur verfügbar, z. B. D 200, gibt man eine solche Dosis einmal wöchentlich. Ist die Haut trocken und verlangt der Hund nach Wärme, denkt man an Arsenicum album D 6, besonders dann, wenn die nächtliche Verschlechterung kurz nach Mitternacht beginnt und das Tier viel Kräfte kostet.

Bei nächtlichem Juckreiz der Hündin, der mit dem Auftreten von roten Flecken einhergeht, muß eine hormonelle Ursache angenommen werden, denn er vergeht auf Pulsatilla D 200, morgens und abends eine Gabe für 3 Tage. Heftiger Juckreiz bei allen Stadien entzündlicher Hautveränderungen wie Pusteln, Ekzemen, Blasen, Geschwüren, Entzündungen des Zellunterhaut-Gewebes mit Neigung zum Brandigwerden (Gangrän) verlangt Kreosotum D 4, 6-, 5-, 4mal täglich 1 Tablette. Alle Absonderungen stinken und machen Haut oder auch Schleimhäute wund. Ist die Ursache des Juckreizes nicht auszumachen, versuche man diese Zusammenstellung:

Echinacea
Dulcamara D 2
Mezereum D 3

jeweils zu gleichen Teilen, 3stdl. eine Gabe bis zur Besserung. Stark juckende, gerötete Sohlen der Pfoten - mehr vorn als hinten, aber auch an allen vieren zugleich - nötigen den Hund, Tag und Nacht mit heißer Zunge und viel Speichel zu lecken, weil dies den Juckreiz lindert. (Analog beim Menschen: die geröteten und juckenden Handinnenflächen werden besser durch Eintauchen in warmes Wasser.) Oft werden die Sohlen danach so wund, daß man sich genötigt sieht, sie einzubinden, um das qualvolle Lecken zu unterbrechen. Sekundäre Infektionen kommen beim Laufen mit wunden Pfoten hinzu und verschlechtern das Bild dramatisch. Hier wird nun Rhus venenata D 3 eingesetzt, ein »kleines«, seltenes Mittel, das gute Heilerfolge aufzuweisen hat. Aber Achtung! Durch jeden Hautausschlag werden toxische Stoffe ausgeschieden, in diesem Fall über die Pfoten. Eine Futterumstellung und eine Kur mit dem Nebel'schen Drainagemittel müssen mit der Behandlung einhergehen, um eine Heilung, nicht nur Besserung, zu erreichen.

Räude

Die heute nur selten vorkommende Plage, von Hund zu Hund übertragbar, ist die durch Milben verursachte Räude. Beim erwachsenen Tier erscheint sie zuerst am Kopf, weswegen sie auch Kopfräude genannt wird. Über Stirn, Ohren und Augen geht sie an den Hals, die Pfoten und den Rumpf über. Hinzu kommt die Faltenbildung der Haut mit Juckreiz, der sich in der Wärme verschlimmert und einen kleieartigen Belag mit unangenehmem Geruch nach Mäusen verbreitet. Beim Jungtier ist die Räude zuerst an Hals und Bauch zu sehen. Räudekranke Hunde sollten, wenn irgendmöglich, isoliert werden, sofern noch weitere Tiere im Hause sind. Lager, Kamm und Bürste sowie die Halsbänder müssen sorgfältig desinfiziert werden, um einen Neubefall zu verhindern. Zur Bekämpfung der Räude verwendet man ein vom Tierarzt zu empfehlendes Mittel, meistens ein Bad, das öfter wiederholt werden muß, oder eine Einreibung. Auch zusätzliche Maßnahmen bespricht man mit seinem Tierarzt, denn die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier, was manche Probleme aufwerfen kann. Homöopathisch können wir nur indirekt durch die Veränderung und Stärkung des Hautterrains einwirken. Mit Sulfur, 3 Gaben täglich, wird dieser Prozeß eingeleitet.

Demodikose*

Sulfur D 6, 3mal täglich 1 Tablette, 10 Tage lang, zusammen mit Echinacea D 1, 3mal täglich 1 Tablette, vier Wochen. Wiederholung der Kur wird bei erneutem Krankheitsschub notwendig.

" dureh Haarbalgmilben hervorgerufene Erytheme und follifculäre Scnuppung.

9.4 Ekzem

Das Ekzem ist eine nicht ansteckende Hautkrankheit, die der Körper als Ventil benutzt, um Stoffwechselgifte auszuscheiden. Er wird sozusagen mit seinen körpereigenen »Müllpro-blemen« nicht fertig. Demzufolge ist es für die Heilung nicht günstig, diese Ausbrüche mit Salben oder Einpinselungen zu blockieren. Meist treten sie an anderer Stelle wieder auf und bringen früher oder später weitere Krankheiten hervor. Bei nässendem Ekzem wird an verschiedenen Stellen der Haut eine seröse Flüssigkeit abgesondert. Der Hund leckt, beißt und kratzt sich selbst die wunden Stellen auf. Die bis handtellergroßen Hautbezirke können sich noch durch Kratzen und Beißen infizieren. Dagegen bleibt beim trockenen Ekzem die Haut trocken, und der Juckreiz ist nicht so verheerend stark. Die Ursachen dieser Ekzeme sind vielfältig: Nicht ausgewogene Ernährung, ein Zuviel an Konservenkost, angeborene Empfindlichkeit der Haut sowie Störungen im Leber-Nieren-Ausscheidungssystem, im Darm oder im Hormonhaushalt. Ein Mangel an Auslauf spielt meistens eine große Rolle.

Was ist zu tun?

In jedem Falle ist man gut beraten, den Hund sofort auf ein anderes Futter umzustellen, selbst wenn es dem Tier schwerfällt und es einige Tage die neue Kost nicht annehmen will. Erhielt es zuviel Büchsenfutter vorher, dann bekommt es jetzt mehr Frischfleisch. Bei einem Übermaß von Fleisch sollte der Hund mehr Getreideprodukte und Fisch erhalten.

Immer und in jedem Fall hilft beim akuten Ekzem die innere Reinigungskur. Sie ist ein hundertprozentiges Heilmittel, ohne Spritzen und Medikamente, aber nur, wenn sie ganz korrekt durchgeführt wird.

Wer aber seinen Hund in diesem Zustand nicht fasten lassen will, der muß das wirklich passende homöopathische Heilmittel für ihn aussuchen. Bei allen Ekzemformen sind zunächst zwei grundsätzliche Mittel in Erwägung zu ziehen.

Sulfur:

Als Mittel gegen Selbstvergiftung. Gekennzeichnet durch heiße Haut mit juckendem Hautausschlag bei geröteten Kör-peröffnungen wie Auge, Mundhöhle, Ohren, Vorhaut, Scheide, Afterschleimhaut. Man wendet es an bei trockenen Ausbrüchen, die schuppen und jucken. Der Sulfur- Patient riecht übel und ungesund. Im akuten Falle D 6, Sstündlich, bei chronischen die D 12, 3mal täglich. Höhere Potenzen im akuten Fall sind nicht empfehlenswert.

Psorinum:

Bei diesem Patienten herrscht eine extreme Kälteempfindlichkeit vor, ein unangenehmer Körpergeruch und nässende Ausbrüche. Oft ist diese Eruption der Haut mit einem Ohrenausfluß gekoppelt, der eitrig, braun, fötid und stinkend ist. Der Juckreiz ist außerordentlich stark. Die tägliche Gabe Psorinum D 30 ist hier als Basismittel heilsam. Reicht diese Einteilung trocken-nässend nicht aus, wendet man sich den lokalen Besonderheiten zu und setzt diese Mittel ein:

Ekzeme in den Gelenkbeugen und den Innenflächen der Extremitäten verlangen

3mal täglich.

Natrium muriaticum D 12,
Ekzeme am After Paeonia D 3
Ekzeme, ausschließlich am Hals lokalisiert, sprechen gut auf an. Berberis D 3

Ekzeme am Hodensack:

1mal täglich

4mal täglich.

Rhus toxicodendron D 30,

Croton D 6,

Ekzem am weiblichen Genitale:

1mal täglich und

3mal täglich.

Rhus toxicodendron D 30,

Mercuhus solubilis D 6,

Ekzeme zwischen den Zehen: Silicea D 12.
Ekzeme an der Sohlenhaut, Ekzeme, die sich im Winter verschlimmern:

Petroleum D 12

Rhus venenata D 3

Sommerekzeme:

Acidum fluoricum D 6

Kreosotum D 4.

Trockene, chronische Ekzeme mit schuppigen Ausbrüchen (wie Kleie), die beim Kratzen bluten, aber nicht nässen, dabei nächtlicher Juckreiz (zwischen ein und drei Uhr) und wundmachender Ohrenausfluß, Patient ist meist mager: Arsenicum album D 6.

In den letzten Jahren, mit Zunahme des Verbrauchs von Fertigfutter, tritt ein nässendes Ekzem in den Vordergrund, das dem Natrium muriaticum-Bild entspricht. Es ist dies ein Mittel, das am tiefsten in das konstitutionelle Gefüge einzugreifen vermag, ein Mittel, mit dem man die Homöopathie gern fragwürdig machen möchte. Wer wollte schon vom Kochsalz, das massenweise genossen wird, Heilsames in zusätzlicher Feinstdosierung erwarten? Und doch, richtig diagnostiziert, homöopathisch potenziert und angewendet, ist es ein Wundermittel, einfach deswegen, weil es den gestörten Kochsalzhaushalt reguliert. Die physiologische Kochsalzlösung umgibt jede Zelle im Körper.

Es ist bekannt, daß Fertigfutter und Konservenkost Zusätze enthalten, die oft in diesen Haushalt eingreifen und vom gesunden Organismus über die Haut in Form eines Ekzems ausgeschieden werden.

Wie sieht ein solcher Natrium muriaticum-Ausbruch, ein solches Ekzem aus? Man kann ihn schon bei jungen Tieren beobachten, die nach dem Absetzen von der Mutter in der Zoohandlung bis zum Verkauf ein Fertigfutter erhalten haben: Sie lassen sich ungern anfassen, denn die Haut ist überall schmerzempfindlich. Sie sind überaus ängstlich, leiden unter Haarausfall und an Ekzemen in der Achselhöhle und in den Gelenkbeugen, dazu können auch Risse am After oder an der Nase kommen, außerdem ist das Tier leicht ermüdbar und ungemein fröstlig. Man glaubt nicht, wie gut sich ein solches Bündel Hund nach der Medikation von Natrium muriaticum D 12, 3mal täglich, erholt.

Sollte bei den Ekzemen ein Pilzbefall hinzukommen, eine Mykose, dann geben wir zusätzlich Cinnabaris D 6, mehrmals am Tage. Auch Acidum formicicum D 15, 2mal täglich, hat sich in diesen Fällen bewährt. Als Drainagemittel fügen wir jeder Gabe eine Tablette Berberis D 4 hinzu, zur Ausleitung der toxischen Stoffe.

Während trockene Ekzeme mit einer fehlerhaften Leberfunktion zusammenhängen, weisen nässende Ekzeme auf eine Fehlfunktion der Nieren hin, selbst wenn die Laborwerte noch nicht pathologisch ausfallen.

Mercurius solubilis D 200 ist hier das Mittel der Wahl. Man gibt es 3mal täglich in der 200. Potenz, möglichst im 8 Stundenin-tervall (morgens frühzeitig auf nüchternen Magen, dann mittags und am späten Abend), aber nicht länger als 5 Tage. In den meisten Fällen ist die Anwendung von Mercurius solubilis erfolgreich. Man erspart sich dann die Last der äußerlichen Handhabungen wie Scheren, Schmieren, Waschen usw. Bei hochakuten nässenden Ekzemformen, wie sie bei Chows im Sommer oft anzutreffen sind, sollte man an den ersten beiden Tagen 4 Dosen Mercurius solubilis D 200 geben (6stündlich, auch nachts), vom 3,-5-Tage nur noch 3mal täglich. Unter Umständen paßt bei nässendem Ekzem mit heftigem Juckreiz und stinkender Absonderung auch Cantharis D 5, 2stündlich oder bei Rötung mit Bläschenbildung Rhus toxicodendron D 12 und bei Bläschenbildung mit weißlichen Krusten und gelbem Eiter Mezereum D 4. Es gibt Ekzemformen mit einer honiggelben Absonderung, die vorwiegend in den Gehörgängen sowie am äußeren Ohr, um die Augen, an den Lefzen, in den Gelenkbeugen oder an den Geschlechtsteilen lokalisiert sind. Wenn dies der Fall ist, wird man an Graphites D 4, 3mal täglich, denken. Gern gibt man noch Berberis D 4, ebenfalls 3mal täglich, als Drainagemittel hinzu.

Lokal unterstützend und juckreizstillend wirken gewebefreundliche Flüssigkeiten wie Honigwasser, Johanniskrautöl, Calendula-Salbe oder Calendula-Umschläge oder aber auch Calendula-Tinktur direkt auf die offenen Hautstellen geträufelt, mehrmals täglich. Beim trockenen Ekzem bewährt sich Heilerde oder das gewöhnliche Kartoffelmehl zum Einpudern.

Juckende Ekzeme mit Haarausfall beim alten Hund, die hor-monelle Ursachen haben, sprechen gut auf Aristolochia clematitis D 2 an, gleichgültig, ob Rüde oder Hündin. Fallen Ekzeme durch ihren unangenehmen Geruch auf, denkt man an das »Stinkermittel«

Kreosotum D 4

9.5 Furunkulose, Akne

Die Furunkulose erscheint beim Hund auf dem Nasenrücken oder am Unterkiefer, und wenn sie auf eine Behandlung mit Hepar sulfuris D 6, 3mal täglich, innerhalb von 10 Tagen nicht anspricht, wähle man diese Zusammenstellung:

Aristolochia clematitis D 15, (D 3, wenn erhältlich)
Mezereum D 4
Rhus toxicodendron D 4

3mal täglich eine Gabe von jedem Mittel. Diese Arzneien können auch zusammen eingegeben werden.

Akne beim alten Hund, besonders am Unterkiefer, benötigt zur Heilung Kalium bromatum D 12.

Liegeschwielen an Ellbogen oder Kniegelenken auftretend. reagieren auf:

Graphites D 4 und
Antimoniurti crudum D 15

4mal täglich, im Wechsel und abends 1 Tablette

Qaicium fluoratum D 30

für 2-3 Wochen.

9.6 Abszeß

Der Abszeß ist ein infektiöser Prozeß mit allen Zeichen der Entzündung: Rötung, Hitze, Schmerz, Schwellung, Eiterbildung. Hepar sulfuris D 3, alle 2 Stunden gegeben, fördert die Eiterbildung und läßt den Abszeß reifen, bis er sich von selbst öffnet.

Verzögert sich der spontane Durchbruch des Eiters, dann wirkt das »homöopathische Messer« Myristica sebifera D 3, mehrmals täglich 5 Tropfen, außerordentlich günstig. Eine Spaltung mit dem Messer wird nur selten notwendig sein. Äußerlich sind warme Leinsamen- oder Breiumschläge von Pellkartoffeln sehr nützlich (Pellkartoffeln in einem Säckchen, nicht zu heiß. Man prüfe die Wärme am eigenen Handrücken). Kompressen oder Bäder mit Calendula- oder Echinacea-Tinktur tun in jedem Falle sehr wohl (1 Teelöffel = 25 Tropfen auf ein Glas abgekochtes Wasser). Zur narbenfreien Ausheilung verhilft Silicea D 12, 2mal täglich eine Tablette, anzuwenden nach Eröffnung des Abszesses.

Kalte Abszesse, bei denen die entzündlichen Erscheinungen fehlen, sind selten. Sie treten im Zusammenhang mit Tuberkulose auf und werden mit Mercurius solubilis D 6 oder Hepar sulfuris D 6 angegangen, langwierige Fisteln erfordern Silicea D12.

Der Umlauf (Panaritium), eine Krallenbett-Vereiterung, und die Zwischenzehen-Abszesse der Hunde werden ebenfalls mit Hepar sulfuris D 3 2stündlich behandelt. Nach Abszedierung sind zur komplikationslosen Abheilung -es entstehen sonst oft Fisteln - 2-3 Gaben von Silicea D 6 für wenige Tage von Nutzen. Ganz zu Beginn, vor der Eiteransammlung, gibt es eine elegante Lösung:

Hepar sulfuris D 30 und eine Stunde später
Pyrogenium D 30 eine Gabe.

Die Anwendung wird allerdings nur selten möglich sein, weil dieses Stadium vielfach übersehen wird.

9.7 Mykose (Hautpilz)

Der Pilzbefall ist nur bei einem geschädigten Hautmilieu möglich. Der intakte Milchsäure-Schutzmantel der Haut und die normale Talgabsonderung wirken fungizid. Eine Behandlung der Haut, eine Bekämpfung des Pilzbefalles allein genügen nicht: Man muß das »Terrain« verbessern und dabei den gestörten Stoffwechsel normalisieren und mit ihm die Funktionen der Haut. Dazu verhelfen uns die Hauptmittel der homöopathischen Hautbehandlung, nämlich

Sulfur
Caicium carbonicum
Lycopodium
Arsenicum album.

Als Konstitutionsmittel haben sie neben ihrer allgemeinen auch eine hervorragende örtliche Wirkung.

Sulfur: Schleimhäute sind rot, besonders an den Körperöffnungen wie Mundhöhle, After, Scheidenschleimhaut, häufig gerötetes Innenohr, Besserung in der Kälte, oft verstopft oder Verstopfung und Durchfall in einem Stuhl, Schuppen.

Caicium carbonicum Hahnemanni: Lymphatiker mit verzögertem Wachstums, kopflastig, dicker Bauch, großer Fresser, besonders gierig nach Obst und Eiern, Milch wird gern genommen, macht aber Durchfall, viele Magen-Darm-Beschwerden.

Lycopodium: Aufblähung des Leibes einige Stunden nach der Nahrungsaufnahme, Leber empfindlich und schmerzhaft. Furunkel, Akne, Intertrigo, Ekzem. Wenn appetitlos, dann in der typisehen Art: beim Klappern der Futterschüssel stürzt er herbei mit scheinbar großem Hunger, riecht daran, nimmt evtl. ein, zwei Bissen und zieht davon. Heißhunger mit Völlegefühl. Besserung abends, wo er auch Futter zu sich nimmt.

Arsenicum album: Meist mager und erschöpft, trotzdem nächtliche Unruhe und Angst, besonders nach Mitternacht, aashafter Geruch der Ausscheidungen, schuppige Eruptionen wie Kleie, Bluten beim Kratzen, ohne zu nässen. Trinkt oft, aber wenig.

Kann man den Patienten in einem solchen Typ unterbringen, gibt man das Mittel in der D 12 dreimal täglich. Findet man keinen Anhaltspunkt für diese vier Medikamente, empfiehlt sich Cinnabaris D 4-D 6, 3mal täglich eine Tablette für 2-3 Wochen bei mehr akuter Besiedelung. Äußerlich kann eine handelsübliche antimykotische Salbe angewendet wer-den. Auch Echinacea enthaltende Salben sind dafür geeignet, obwohl sie sich nur indirekt gegen das Pilzgeflecht wenden.

Chronische Mykosen, die oft schon monate- oder jahrelang bestehen und bisher nicht beeinflußbar waren, die mal hier, mal dort auftreten und trotz intensiver und massiver Therapie nicht weichen, reagieren gut auf Psorinum 18. LM, 2mal täg-lich 5 Tropfen nach vorherigem 10maligem Schütteln, wie man das bei LM(Q-) Potenzen immer tun muß. Schließlich bewährt sich bei ausgebreitetem Pilzbefall auch die Umstimmung im ph-Wert der Haut: man badet den Hund oder man wäscht ihn ab mit einer 0,5%igen Kupfersulfatlösung, drei Tage hintereinander, d. h. 5 g Kupfersulfat = Kupfervitriol auf einen Liter Wasser.

9.8 Parasiten

Ein kerngesundes Tier wird selten von Parasiten befallen. Der kräftig ausgebildete und intakte Milchsäure-Schutzmantel der Haut verleidet ihnen den Aufenthalt, sie verziehen sich rasch wieder. Ein Naturmittel, das diesen Schutzmantel erfahrungsgemäß kräftigt, ist der Schwefel in Form der Schwefelblüte oder in potenzierter Form wie Sulfur D 4 oder D 6, weil dieser über die Haut ausgeschieden wird (wie man seit den Versuchen des großen Chirurgen BIER weiß). Er verändert das Hautterrain ebenso wie die Bäckerhefe, die gleichfalls in dieser Art wirkt. Flöhe, Läuse und Herbstgrasmilben werden mit einem der käuflichen antiparasitären Waschmittel beseitigt.

Zecken haben eine Art Schraubgewinde am Kopf. Durch Drehen nach links schrauben sie sich ins Gewebe, durch Drehen nach rechts lassen sie wieder los. Also wird man eine Zecke mit leichtem Zug ein- bis zweimal nach rechts drehen und »abschrauben«. Dabei reißt der Kopf mit den gefürchteten Zangen nicht ab, und Komplikationen wie Dermatitis oder Abszeßbildung bleiben aus.

Zecken galten bisher als harmlose Parasiten, die Krankheiten nicht übertragen, jedenfalls nicht in Mitteleuropa. Doch scheint sich ein Virus unter den Zecken zu verbreiten, was beim Biß die Zecken-Enzephalitis hervorruft, eine Gehirnhautentzündung, die bisher in Österreich, Jugoslawien, Polen, Rußland, Schweden und bei uns im Schwarzwald und im Bayerischen Wald beobachtet worden ist. Schon aus diesem Grunde ist es wichtig, diese Holzböcke abzulesen und Waldgebiete zum Spazierengehen zu meiden, von denen man weiß, daß sie stark zeckenverseucht sind.

Auch in den Odenwald und den Frankfurter Raum scheinen sie in letzter Zeit eingeschleppt worden zu sein. In einigen, bisher glücklicherweise wenigen Fällen haben Hunde, unge-fähr 1 Stunde nach Entfernung der Zecke - offenbar ist dies der auslösende Moment, weil sie unbemerkt schon einige Zeit im Fell waren - enzephalomyelitische Erscheinungen gezeigt wie plötzliche Bewußtseinstrübung, Benommenheit, Apathie. Die Patienten stehen stundenlang in einer Ecke oder fallen in langen Schlaf (Borreliose). Dem gegenüber stehen Aufregungszustände wie Schreckhaftigkeit, Verkrampfungen, Im-Kreise-Laufen oder, bei einseitigem Prozeß, mit Schiefhaltung des Kopfes, mit Rollbe-wegungen des ganzen Körpers sowie Lähmung der Hinterhand. Bei den akuten Aufregungszuständen hilft Belladonna D 4, anfangs 1/4 - 1/2stündlich 1 Gabe, bei Lähmungen Nux vomica D 6. Liegen gemischte Formen vor, gibt man beide Arzneien im Wechsel.

Nun ist nicht jede Zecke mit dem Virus behaftet, die meisten sind harmlos. Wenn also der Hund in solcher Zeit täglich etwas Knoblauch erhält, der über die Haut wieder ausgeschie-den wird, ist dies eine gute Vorbeugung.

9.9 Warzen

Die Warzen sind Wucherungen der oberen Hautschicht und können an allen Körperteilen erscheinen, besonders ältere Tiere haben darunter zu leiden. Das Hauptmittel ist Thuja D 30 täglich, auf das weit über die Hälfte aller Warzen reagiert, eine Woche lang täglich einmal und später in größeren Abständen gegeben. Man kann dann äußerlich dazu die Warzen mit Thuja-Tinktur betupfen. Die Thuja-Warzen sind gespalten, blumenkohlartig, sie jucken und bluten leicht. Ein anderes, gutes Warzenmittel beim alten Hund ist Caicium carbonicum D 200, wenn es sich um runde, kleine, juckende Warzen handelt, eine Tablette wöchentlich über längere Zeit. Warzen im Ohr benötigen Caicium carbonicum D 30 morgens und Causticum D 12 abends, bis sie geschrumpft und verschwunden sind.

Die Warzen, die auf Causticum ansprechen, sind sehr hart, klein und überall am Körper, sie sind vorzugsweise jedoch am Gesicht, den Augenbrauen, an der Nase und den Vorderläufen zu finden. Es wird ebenso wie Thuja angewendet. Warzen, die sich ebenso gern an den Augenlidern und der Nase sowie an den Vorderpfoten oder zwischen den Krallen festsetzen, sind die Acidum nitricum-Warzen: schmerzhaft, leicht blutend, weich, feucht, juckend. Das sind jene Warzen, die an den Augenlidern sitzen und einen ständigen Tränenfluß verursachen und die immer wieder nachwachsen, wenn sie chirurgisch entfernt werden.

Die homöopathische Warzenbehandlung besteht darin, den gestörten Stoffwechsel, der zu einer Warzenbildung führt, zu normalisieren. Dann erneuern sie sich nicht, und bestehende Warzen schrumpfen oder fallen ab. Das gelingt nicht immer, aber in vielen Fällen.

Warzen der Mundhöhle, plötzlich massenweise auftretend, sieht man gelegentlich bei Jungtieren. Sie sehen grau aus, stinken und stören die Tiere bei der Futteraufnahme. Acidum nitricum D 6, 3mal täglich eine Gabe, und einige Tage lang eine Gabe von Caicium carbonicum D 30 schaffen dieses Übel leicht aus der Welt.

9.10 Verfärbung des Haarkleides

An einzelnen Stellen ins Gelbliche: Sepia D 6
Haare wachsen grau nach, wenn sie ausgefallen waren: Graphites D 6
Haare wachsen schwarz nach, auch schwarze Hautpigmentierung Thuja D 6

 

 




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