Das Verstehen und Vermeiden von Aggressionsverhalten bei Hunden

Wie erzieht man aggressive Hunde zur Unterordnung ?
 

Grundsätzlich ist es möglich, einen aggressiven Hund weniger gefährlich und zu einem angenehmeren Lebensgefährten zu machen, indem man ihn Unterordnung lehrt. Jede Umerziehung eines aggressiven Hundes beginnt mit Unterordnungstraining - ein entscheidender Prozess, um sein Verhalten zu ändern, Ihnen Kontrolle einzuräumen. Sie können aggressionsbedingte Verhaltensstörungen nicht beseitigen, wenn Sie Ihren Hund nicht erziehen. Die Erziehung eines aggressiven Hundes jedoch erfordert Erziehungstechniken, die von denen, die normalerweise bei der Unterordnungsausbildung angewandt werden, manchmal abweichen.

Als Erstes müssen Sie sich den Aggressionsgrad Ihres Hunde näher ansehen. Ist er ein Beißer, ein Knurrer oder nur ein bellender Halbstarker? Die Erziehung muss auf die Form des Aggressionsverhaltens des Hundes abgestimmt werden - es lässt sich durch Studium der ersten drei Kapitel dieses Buches, einschließlich der Tests, bestimmen. Ist Ihr Hund furchtaggressiv, dominant-aggressiv, territorial-aggressiv, besitz-aggressiv oder handelt es sich um eine Kombination aus einigen der zehn Kategorien? Wägen Sie alle Faktoren, die zur Erziehung beitragen, nach gesundem Menschenverstand und Ihren Kenntnissen über das Verhalten Ihres Hundes ab. Beispielsweise fassen Sie einen Hund, der Sie anknurrt, sicherlich anders an als einen, der diese Untugend nicht aufweist. Wenn Ihr Hund knurrt, droht er Sie zu beißen, wenn Sie das, was Sie gerade tun, fortsetzen. In einer solchen Situation oder beim Auftreten von Gefahren in der Ausbildungsstunde, raten wir Ihnen, dem Hund immer einen weichen Nylonmaulkorb anzulegen. Wenn Sie diesen einsetzen, kann Sie Ihr Hund nicht beißen. Wichtig - diese Vorsichtsmaßnahme beseitigt Furcht und Anspannung während der Ausbildungszeit.

Wahrscheinlich fragen Sie, ob Sie als Hundebesitzer selbst Ihren aggressiven Hund erziehen sollten oder dies besser einem Berufstrainer überlassen. Treten Sie einen Schritt zurück, schauen Sie sich Ihren Hund genau an und versuchen objektiv zu sein. Fragen Sie sich selbst: "Würde ich mich sicher fühlen, diesen Hund in Anbetracht seines Aggressionsgrades auszubilden, wenn er nicht mein eigener wäre?" Wenn Ihr Hund in der Regel gehorsam ist, Sie als Rudelführer anerkennt und nicht unkontrollierbar gefährlich wird, dann sind wahrscheinlich Sie der Richtige, um ihn auszubilden. Nach unserer Erfahrung können die meisten aggressiven Hunde zu Hause bei ihrem Besitzer erzogen werden, aber.... Sie sollten nicht versuchen, Ihren Hund selbst zu trainieren, wenn er bereits Menschen gebissen hat und dabei ernsthafte Verletzungen verursachte. Unter derartigen Umständen sollten Sie einen Profitrainer beauftragen, der sich auf diese Aufgabe spezialisiert hat und sich mit einem Tierverhaltensforscher oder einem Tierarzt beraten. Hat Ihr Hund wirklich Menschen angegriffen und schwer verletzt, müssen Sie ernsthaft überlegen, ob Sie das Zusammenleben mit ihm fortsetzen sollten oder nicht.

Halten Sie sich bitte vor Augen, dass nachstehendes Ausbildungsprogramm kein Patentrezept bietet, das auf alle anwendbar wäre. Es gibt keine Garantie, dass Ihr Hund nicht knurren oder wieder beißen wird. Aber mit diesem Trainingsprogramm können Sie zumindest dafür sorgen, dass das Problem sich nicht noch laufend verschlimmert. Sie müssen unbedingt verstehen, dass Sie das aggressive Wesen Ihres Hundes niemals grundlegend verändern können. Ihr Hund wird immer ein aggressiver Hund bleiben, aber Sie können sein Verhalten so abändern, dass er kontrollierbar und gehorsam ist, dadurch zum viel angenehmeren Familienhund wird. Wenn Ihr Hund richtig auf Unterordnung erzogen ist, sind Sie in der Lage, ihn bei unerwünschtem Verhalten zu stoppen und zu verhindern, dass er sich aggressiv benimmt. Beispielsweise wird ein gut erzogener Hund keine Menschen oder andere Hunde anspringen, wenn er das richtige Kommando Fuß erhält und er bei Ungehorsam korrigiert wird. Darf Ihr Hund nicht in Ihr Bett, sondern wird mit dem Kommando Bleib in sein Lager platziert, kann er sie nicht beißen, weil Sie ihn nicht vom Bett jagen müssen. Der Ausbildungskurs vermittelt Ihnen Wissen, Werkzeug und die Geschicklichkeit, um die Verantwortung für Ihren aggressiven Hund zu übernehmen. Sie werden danach viel mehr Freude mit ihm haben.

Wenn Ihr Hund bereits einmal ausgebildet wurde, Sie aber weiter durch aggressive Verhalten belastet, müssen Sie ihn erneut erziehen. Beginnen Sie dann diesen Kurs von Anfang an. Viele Hundebesitzer bilden sich ein, Ihr Hund sei ausgebildet, obgleich er auf Kommando Sitz nur manchmal reagiert und nur so lange in der richtigen Stellung Fuß bleibt, bis er einen anderen Hund sieht. Auch Hunde, die nur manchmal auf Kommando zu ihrem Besitzer herankommen, sich hinlegen, wann immer sie wollen und nur wenig auf ihre Besitzer hören, sollte man niemals als erzogene Hunde ansehen. Der beste Rat lautet, das Ausbildungsprogramm noch mal ganz von vorne zu beginnen. In der Erziehung eines aggressiven Hundes darf es keinen Platz für Fehler geben.

Bevor Sie loslegen, sollten Sie überlegen, was einen scheuen oder aggressiven Hund motiviert, aufmerksam zu sein. Arbeitet er für das Loben, seinen Ball, sein Spielzeug, sein Frisbee oder für Futterbelohnungen? Hundeerziehung verlangt, den Hund nach jeder Korrektur zu belohnen. Die beste Belohnung ist das Loben. Es gibt aber viele Hunde, die anders motiviert werden müssen, um Verhaltensprobleme zu überwinden und sich richtig zu benehmen. Hierfür müssen ganz spezielle Belohnungen eingesetzt werden. Im weiteren Verlauf werden Sie lernen, wann und wie derartige Spezialmotivationen gegeben werden. Der Einsatz von Erziehungsverstärkern wie Futter festigt die Bindung zwischen Hundebesitzer und Hund und hilft, das Vertrauen des Hundes für das, was Sie gemeinsam mit ihm unternehmen, zu gewinnen.

In der Hundeausbildung führt der Mensch und der Hund gehorcht. Um dies zu erreichen, müssen Sie eine Beziehung aufbauen, die auf Liebe, Freundlichkeit und Führerschaft basiert. Sie müssen lernen, freundliche Konsequenz, Geduld und Verständnis auszuüben.

Wissen um die Grundlagen natürlichen hundlichen Verhaltens ist für die Ausbildung unerlässlich, insbesondere wenn der Hund aggressiv ist. Näheres hierzu in Kapitel 2 "Wie wurde er so?" Gerade ein aggressiver Hund fordert Führerschaft und Autorität seines Ausbilders. Alle Wolfsrudel brauchen zur Sicherung des Überlebens einen Führer, dieses Konzept ist im natürlichen Verhalten des Hundes genetisch verankert.

Jeder Hund erwartet, dass jemand im Rudel (oder in der Familie) der Führer ist. Er fühlt sich solange unsicher, bis jemand diese Aufgabe übernimmt. Der aggressive Hund übernimmt die Führerschaft des Rudels selbst, wenn es kein anderer tut. Die Hundeausbildung wird viel leichter, wenn Sie verstanden haben, dass Ihr Hund die Kommandos eines Familienmitglieds dominanter Persönlichkeit leichter befolgt - von all denen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Sind Sie aus dem Blickwinkel des Hundes der Rudelführer, akzeptiert er Ihre Autorität für das ganze Leben.

Ganz wichtig ist, dass alle Familienmitglieder gegenüber dem Familienhund eine dominante Stellung einnehmen. Dies besagt in keiner Weise, dass es hierzu körperlicher oder emotioneller Unterdrückung bedarf. Beispielsweise aber sollten Ihre Hände nur zum Streicheln und als Ausdruck von Zuneigung dienen, niemals schlagen. Unbeherrschtheit, Anschreien und körperliche Strafen sind nutzlose Ausbildungstechniken, schädigen die Bindung zum Hund schwer, sind auch einfach unangemessen. Sich über einen kleinen Hund zu erheben, ihn grob anzufassen, sind einschüchternde Handlungen und erschrecken ihn. Drohungen, Deuten mit anklagendem Finger auf den Hund, während man ihn ausschimpft, sind sehr negative Maßnahmen. Alle Hunde brauchen das Gefühl, dass sie von allen akzeptierte Familienmitglieder sind. Dies ist der Grund, warum sie den so starken Wunsch haben, zu gefallen. Sie können gegenüber dem Familienhund dominant und dennoch verspielt und fröhlich in den Alltagsaktivitäten sein. Wenn Sie die richtige Bindung zu Ihrem Hund aufgebaut haben, wird seine Haltung Ihnen viel Liebe und Spaß bereiten. Sie können Rudelführer und trotzdem freundlich und liebenswürdig sein.

Erfolgreiche Hundeerziehung basiert auf der Akzeptanz der menschlichen Vorrangstellung durch den Hund und seiner Bereitschaft, die Position eines untergeordneten Familienmitglieds einzunehmen. Alle Hunde streben danach, als Familienbestandteil akzeptiert zu werden, die Familie ist einfach aus ihrer Sicht Ersatz für das Hunderudel. Genau wie das Rudel bietet die Familie Bequemlichkeit, Sicherheit des Überlebens - der Preis ist die Anerkennung der Rangordnung. In der Hundeerziehung gibt es bewährte Methoden, mit deren Hilfe Hunde lernen, bestimmte Unterordnungskommandos nahezu mechanisch zu befolgen, beispielsweise Sitz, Bleib, Fuß und so weiter. Dies alles zeigt dieses Kapitel.

Loben und Korrektur

Das wichtigste Ausbildungswerkzeug bietet das Prinzip Loben und Korrektur. Loben ist die Belohnung des Hundes für richtiges Tun. In der Regel erfolgt es in Form eines begeisterten Kompliments wie braver Junge! Was für ein lieber Hund! Manchmal ist es auch nur ein angenehmes Klopfen an der richtigen Körperstelle. Futterleckerbissen sind als Belohnung nützlich, vor allem bei außergewöhnlich eigenwilligem, ängstlichem oder aggressivem Verhalten. Für die meisten Hunde bedeutet Loben die mächtigste Lernmotivation. Loben übermittelt dem Hund, dass er alles richtig gemacht hat, verstärkt das Verstehen jedes Kommandos. Mit Loben sollte zwar freizügig, aber nicht verschwenderisch umgegangen werden. Gerade bei der Erziehung eines aggressiven Hundes muss man sich vergewissern, dass er seine Belohnung tatsächlich verdient. Dies lässt ihn um des Lobes willen härter arbeiten.

Von allergrößter Wichtigkeit ist, zu erkennen, dass Sie Ihren Hund mit jedem Loben lehren, genau das zu tun, was er gerade im Augenblick vor dem Loben getan hat. Das kann sich natürlich gegen die Zielsetzung auswirken, wenn man beispielsweise den Hund direkt nach Aggressionsverhalten lobt. Dies kommt besonders häufig vor, wenn ein Hundebesitzer versucht, seinen Hund zu beruhigen und freundlich mit ihm zu sein, obwohl er etwas falsch gemacht hat. Wenn Sie zu ihrem Hund braver Junge sagen, damit er nach dem Bellen wieder ruhig ist, lehren Sie ihn tatsächlich zu bellen, also das zu wiederholen, was er zuvor machte. In diesem Zusammenhang ist braver Junge Belohnung und Anerkennung für das Bellen.

Eine Korrektur ist für den Hund das Signal, dass er entweder auf ein Kommando nicht gehorchte oder den Befehl nicht richtig ausgeführt hat. Die traditionelle Korrektur ist der Leinenruck, dabei ist die Leine mit einem Ausbildungshalsband (auch als Würger bekannt) verbunden. Der Leinenruck überträgt eine negative Botschaft und ist meist von einem strengen Nein! des Ausbilders begleitet.

Mit dieser Geste sollte kein echter Schmerz verbunden sein. Es handelt

sich um eine gezielte Kommunikation, die dem Hund sagt, dass er etwas Falsches getan hat. In Ausbildungskursen rät man häufig zu einer Schüttelbüchse (beispielsweise Getränkedose mit Münzen darin) oder zu einer Sprühflasche mit Wasser. Diese Werkzeuge dürfen keinesfalls missbraucht werden. Ein Hund sollte Korrekturen nie als Strafe verbinden. Die Korrektur ist ein Lernwerkzeug. Strafe ist für das Lernen nicht nur unwirksam, sondern auch inhuman. Strafe bewirkt nicht nur erhöhtes Aggressionsverhalten, sie verändert und unterminiert auch das Ziel der Ausbildung - nämlich den Hund unter Kontrolle zu bekommen. Haben Sie gelernt, wann und wie man den Hund wirksam lobt oder korrigiert, dann haben Sie bereits das Grundwerkzeug zur Kommunikation in Ihren Fingerspitzen. Loben und Korrektur sind die Mittel, dem Hund zu übertragen, was richtig und was falsch ist.

Ziel jeder Unterordnungserziehung ist, den Hund zu veranlassen, sich bei jedem Kommando auf ganz spezifische Art zu benehmen. Man erreicht dies über eine Kommunikationsverknüpfung, die auf dem bereits Erlernten aufbaut. Wenn der Hund den Gehorsam verweigert, muss man ihn daran erinnern, dass er das Kommando befolgen muss, dies erfolgt durch Lob und Korrektur.

Sie dürfen nie die Geduld verlieren, wenn Ihr Hund Sie frustriert. Das dient nicht nur Ihrer eigenen Sicherheit, sondern ist auch Voraussetzung für jede erfolgreiche Erziehung. Kontrollieren Sie die eigene Stimme, sie muss fest und fordernd klingen. Seien Sie dabei nicht hart. Lernen Sie einen empfindsamen Hund zu locken, anstatt streng mit ihm zu sein. Entwickeln Sie einen munteren, fröhlichen Tonfall anstelle hysterischer Klänge. Halten Sie sich immer vor Augen, dass Sie den Hund erst lehren müssen, was Sie von ihm wollen, ehe Sie erwarten können, dass er es tut. Zeigt Ihr Hund auf Kommandos keinen Gehorsam, liegt dies wahrscheinlich daran, dass Sie ihm nicht genau beigebracht haben, was das Kommando von ihm verlangt.

Als Ausbilder Ihres Hundes müssen Sie immer selbstsicher sein, beschwingt, geduldig und - als Allerwichtigstes - ruhig. Ihre Haltung muss immer das Gegenstück zu der Haltung Ihres Hundes sein. Ist er aggressiv, sollten Sie neutral wirken. Sie können im Training seine Aggression nicht stoppen, wenn auch Sie selbst aggressiv sind. Es gibt einen ganz gewichtigen Unterschied zwischen Aggression und Selbstbewusstsein.

Natürlich unterscheidet sich die Erziehung eines Welpen klar von der eines erwachsenen Hundes. Welpen fordern eine sanftere, geduldigere Methode, ihre Körper sind noch sehr empfindlich, ihr Selbstbewusstsein wird leicht verletzt. Erwachsene Hunde fordern eine festere Haftung, falls sie nicht scheu, ungewöhnlich empfindsam oder bis zum Extrem aggressiv sind. Welpen verlangen kürzere Ausbildungszeiten. Ihre Forderung an einen Junghund darf nie die gleiche wie für den älteren sein. Sie müssen tolerant sein, mit Fehlern und ein wenig Unfug rechnen.

Unterordnungskommandos bei der Ausbildung

Sitz. Auf Kommando setzt sich der Hund aufrecht, sein volles Gewicht ruht auf den Hinterläufen. Sitz ist ein verbales Kommando.

Fuß. Hierdurch gewinnt man beim Spaziergang mit dem angeleinten Hund die notwendige Kontrolle. Der Hund geht zur Linken, Kopf nahe dem menschlichen Knie. Der Hund geht, wenn der Führer geht, stoppt, wenn dieser stehen bleibt. Beim Steigen der Geschwindigkeit bewegt sich der Hund auch schneller. Diese Kontrolle hilft überall im Straßenverkehr, beim Straßen überqueren, auch wenn man einem vorausgegangenen Freund nachläuft. Wenn Hund und Führer anhalten, sollte der Hund als Teil des erlernten Kommandos neben seinem Führer sitzen. Fuß bedarf eines Wortkommandos und spezieller Leinentechniken.

Bleib. Der Hund verharrt in exakt der Stellung, in die er befohlen ist (Sitz-Bleib oder Platz-Bleib), bis ihn ein Kommando befreit. Den Hund in die Position Sitz zu bringen, nützt wenig, wenn man ihn nicht auch lehrt, in dieser Stellung zu bleiben, bis er wieder freigegeben wird. Bleib fordert ein Wortkommando und ein Handzeichen.

Platz. Hierbei liegt der Hund auf dem Boden, Kopf aufrecht, Augen nach vorn gerichtet. Die Vorderläufe sind ausgestreckt, die Hinterläufe liegen entspannt, das Gewicht des hinteren Körpers ruht auf beiden Keulen. Der Bauch liegt flach am Boden. Platz erfordert ein Wortkommando und ein Handzeichen. Ein gut erzogener Hund wird dieses Kommando auch alleine auf Handzeichen durchführen.

Hier auf Kommando. Auf Anruf kommt der Hund zum Führer, setzt sich in Stellung Sitz dem Führer vis-a-vis, wartet auf das nächste Kommando. Das Kommando nutzt man in einer Vielzahl von Gelegenheiten, immer muss der Hund direkt zum Führer kommen - Beispiel Anlegen des Halsbandes. Hier auf Kommando fordert ein Wortkommando und ein Handzeichen.

An dein Plätzchen. Auf dieses Kommando beendet der Hund, was immer er gerade tut und geht zur festgesetzten Stelle (beispielsweise Körbchen in der Ecke des Zimmers). Hier bleibt er auf Kommando Bleib. Auf dein Plätzchen besteht nur aus einem verbalen Kommando.

Dies sind alle die Grundkommandos für Unterordnung, die eine Familie einsetzen muss, um Kontrolle über das Aggressionsverhalten ihres Hundes zu gewinnen. Hundeerziehung ist für jeden Hund, nicht nur für einen aggressiven, eine Notwendigkeit und beileibe kein Luxus. Große Hunde, kleine Hunde, Rassehunde und Mischlinge, sie alle brauchen Erziehung. Es gibt in den einzelnen Ländern viele Berufsausbilder (manche inserieren in Hundezeitschriften oder den gelben Seiten), an die man sich wenden kann, wenn man glaubt, nicht alleine zurechtzukommen.

Unabhängig aber wer sie durchführt, ist Unterordnungserziehung bei einem aggressiven Hund der einzige Weg, ihn unter Kontrolle zu bekommen. Es ist völlig unmöglich, spezifische Aggressionsprobleme, wie sie detailliert in Kapitel 5 dargestellt sind, zu lösen, ohne dass zunächst der Hund einwandfrei zur Unterordnung erzogen ist. Steht er aber einmal unter Kontrolle - dank der Ratschläge in diesem Kapitel - verbessern sich seine Beziehungen zu seiner Familie und gegenüber den Nachbarn beträchtlich.

Wichtige Trainingstipps

1
Während des gesamten Ausbildungsverlaufes sollte immer nur eine Person Ausbilder sein. Erst wenn der Hund erzogen ist, müssen die übrigen Familienmitglieder lernen, wie die Kommandos ausgeführt werden.
2
Vorausgesetzt Ihr Hund ist nicht futter-aggressiv, sollten Sie ihn zwei bis drei Stunden vor dem Training nicht füttern. Hunde kann man viel leichter erziehen, wenn sie hungrig sind. Dann sind sie viel aufgeschlossener, dem Trainer zu folgen und alles für ihn zu tun. Ist der Hund hungrig, wird der Trainer für ihn die wichtigste Person in seinem Leben, und er erlernt die Kommandos mit der Aussicht auf Futterbelohnungen williger.
3
Zur Erziehung sollten Sie immer einen Platz ohne Ablenkungen aussuchen. Das heißt, dass keine anderen Hunde oder Menschen oder sonstige Aktivitäten den Hund ablenken dürfen, andernfalls kann er sich nicht konzentrieren. Ein abgeschlossener Trainingsgebiet ist auch für den Ausbilder günstiger. Viele Hundefreunde, die erstmals einen Hund erziehen, empfinden es als belastend, vor anderen Menschen die notwendigen einzelnen Schritte durchzuführen. Sie fühlen sich zur Schau gestellt.
4
Wenn nicht anders vorgeschrieben sollten Sie das Unterordnungstraining eines aggressiven Hundes nie auf dem eigenen Territorium vornehmen, also Zuhause, im Garten oder an anderen Stellen, die der Hund für sich territorial in Anspruch nimmt. Bringen Sie ihn immer auf ein Ausbildungsgelände, wo er keinen Zwang fühlt, dieses zu verteidigen. Dies gilt besonders für dominant-aggressive Tiere und Hunde mit übersteigerter Territorialaggression.
5
Einen aggressiven Hund sollte man nie auf einem besonders kleinen, eingeschränkten Platz ausbilden. Das könnte Furcht auslösen und zu Aggressionsverhalten führen.
6
Immer sollte man den Hund nur über kurze Zeitabschnitte trainieren, aber zumindest zweimal täglich.
7
Achten Sie bei der Hundeausbildung darauf, keine negative Körpersprache auszudrücken. Beugen Sie sich nicht so stark über ihn, dass es für ihn erdrückend wirkt, insbesondere wenn der Hund schon furchtsam ist und sich in die Ecke gedrängt fühlt. Machen Sie keine plötzlichen Bewegungen oder Gesten, die Ihren Hund ängstlich oder nervös machen könnten.
8

Achten Sie genau auf die Körpersprache Ihres Hundes - sie sagt Ihnen, ob er furchtsam oder dominant ist und hilft bei der Entscheidung, welche Ausbildungstechniken für jedes Kommando richtig sind. Die Körpersprache Ihres Hundes ist der Schlüssel zum Aufbau des gedanklichen Konzeptes, um den Hund wirksam zu erziehen.

Zur dominanten Körpersprache des Hundes zählen gestraffter Körper, aufrecht getragene Ohren, Anspannung, steil nach oben gerichtete Rute, gesträubtes Haar über Hals, Rücken und Rute und der Versuch, dem Ausbilder direkt in die Augen zu starren.

Furchtsame Körpersprache enthält flache Ohrhaltung, abgesenkte oder zwischen die Läufe gezogene Rute, Zurückweichen oder sich schütteln. Ein furcht-aggressiver Hund kann dank Körpersprache sowohl Furcht wie auch Dominanz ausdrücken. Ist solches Verhalten zu erkennen, ist es immer am besten, das Training abzubrechen oder dem Hund einen weichen Nylonmaulkorb anzulegen - wie bereits beschrieben - und erst dann mit der Ausbildung fortzufahren.

9
Achten Sie während des gesamten Trainings auf den Gesichtsausdruck des Hundes. Dominant-aggressives Verhalten erkennt man im Gesicht des Hundes an hochgezogenen Lefzen, Zähne fletschen, Mundwinkel nach unten gezogen und gekrauster Nase. Viele dieser Formen findet man auch beim furcht-aggressiven Hund. Ganz gleich, was dahinter steckt, alle diese Ausdrucksformen warnen vor aggressivem Verhalten. Wieder ist es das Beste, entweder das Training abzubrechen oder es fortzusetzen, nachdem dem Hund ein weicher Nylonmaulkorb angelegt wurde.
10
Bei der Ausbildung eines aggressiven Hundes darf der Hundename immer nur in positivem Zusammenhang verwendet werden. Um dies zu erreichen, sollte man seinen Namen immer vor einem Kommando aussprechen. Der Hund freut sich, wenn er seinen Namen hört, und verbindet damit, dass jedes Kommando etwas Positives für ihn bedeutet. Dieses System unterscheidet sich von der Ausbildung nicht aggressiver Hunde. Beim Standardhundetraining wird der Name nur in Verbindung mit dem nachfolgenden Kommando ausgesprochen, wenn eine Vorwärtsbewegung beabsichtigt ist, beispielsweise Fuß oder Hier. Dadurch versucht man den Hund anzufeuern. Bei der Ausbildung eines aggressiven Hundes ist es dagegen das Beste, den Namen des Hundes vor jedem Kommando einzusetzen. Dadurch trägt man dazu bei, dass der Hund das Training als positives Erlebnis empfindet.
11
Nach jedem Unterordnungskommando folgt das Loben, wenn das Kommando richtig ausgeführt wurde, Korrektur, wenn nicht. Hierdurch wird die Autorität des Trainers gestärkt.
12
Seien Sie sich darüber im Klaren, dass niemand einen Hund trainieren, kann, ohne selbst richtig ausgebildet zu sein. Der Führer muss lernen, den Hund so zu lenken, wie er die einzelnen Unterordnungskommandos durchführen muss. Selbst wenn Sie Ihren Hund von einem Berufstrainer ausbilden lassen, müssen Sie auch selbst daran teilnehmen, oder Sie werden keinen Erfolg haben.
13
Wenn Ihr Hund nach Ihnen knurrt oder schnappt, wann immer Sie versuchen, ihn zu berühren, legen Sie ihm einen Nylonmaulkorb an. Verwenden Sie ihn vor jedem Training und so zwar lange, bis Sie sich sicher fühlen. Der Maulkorb erlaubt Ihnen, den Hund zu berühren und die notwendigen Techniken anzuwenden, ohne dass Sie dabei gebissen werden können.
14
Der Schlüssel zum erfolgreichen Hundetraining ist, zu lehren, zu zeigen, zu loben und zu lieben.

 



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