Das Verstehen und Vermeiden von Aggressionsverhalten bei Hunden

Wie aggressiv ist Ihr Hund wirklich ?
Aggressionstest und Anzeichen von Aggression
 

Anzeichen von Aggression

Obgleich die Tests im ersten Teil dieses Kapitels dem Hundebesitzer helfen, seinen Hund richtig einzuschätzen, wird er noch sehr viel mehr lernen, wenn er nur einfach das tägliche Verhalten seines Hundes beobachtet. Bedauerlicherweise erkennen viele Hundebesitzer die weniger eindeutigen Zeichen hundlicher Aggression überhaupt nicht. Exzentrisches Verhalten ihres Hundes wird nur zu häufig als normal angesehen. Wenn ein Hund in seine Schüssel beißt, das Wasser über den ganzen Boden verschüttet und dann die Schüssel wie einen Tennisball gegen die Küchenwand schlägt, erntet er wahrscheinlicher eher ein allgemeines Gelächter als dass er - wie erforderlich - korrigiert wird. Wahrscheinlich begreift die Familie des Hundes noch nicht einmal, warum der Hund knurrt, wenn sie versucht, ihm die Schüssel aus dem Maul zu nehmen. Sehr wichtig - weigert sich ein Hund, die Schüssel loszulassen und knurrt, wenn er berührt wird, besteht akuter Handlungsbedarf. Dies ist ein ganz wichtiges Anzeichen von aggressivem Verhalten und muss als Warnung von diesem Hund gesehen werden. Er bringt zum Ausdruck, dass er seinen Besitzer möglicherweise beißt, wenn dieser auf seinem Vorhaben besteht.

Wenn Sie Ihren Hund auf Anzeichen von Aggressivität hin beobachten, sollten Sie sich immer vom gesunden Menschenverstand leiten lassen. Das Ausschauhalten nach Anzeichen von Aggressivität fordert ein völlig neues Denken über den Hund. Sie müssen jetzt Ihre Augen öffnen und werden schnell neue Erkenntnisse gewinnen. Ganz einfaches Beobachten des Hundes reicht aus, um die Anzeichen von Aggression zu erkennen - haben Sie hierüber Klarheit gewonnen, wählen Sie die einzelnen Wege zur Problemlösung, wie sie in Kapiteln 4 und 5 aufgezeigt werden. Selbst wenn Sie ein Aggressionsproblem nicht zu lösen vermögen, können Sie doch lernen, es zu kontrollieren. Wirksame Kontrolle des eigenen Hundes kann der entscheidende Faktor sein, wenn es um sein Schicksal geht.

Wenn Ihr Hund bisher niemanden gebissen hat, sollten Sie das als Glück betrachten und sich im Klaren sein, dass die Dinge sich mit der Zeit verändern könnten. Nachstehende Aggressionsmerkmale sind Warnsignale, die man ernst nehmen muss, wenn man vermeiden möchte, dass der Hund Menschen verletzt. Wenn Ihr Hund gegenüber Ihnen oder einem anderen zu irgendeiner Zeit knurrt - gleich an welchem Ort und aus welchem Grund - kann sich dies zu einem Problem mit gefährlichen Konsequenzen auswachsen. Wenn Ihr Hund droht, seine Lefzen hochzieht, Menschen zu besteigen versucht, sie anspringt, nach ihnen schnappt, ihnen den Weg verstellt oder aggressiv bellt, könnte der nächste Schritt das Beißen sein. Dies sind alles Verhaltensformen, die bei jedem aggressiven Hund auftreten können, gleich ob er scheu oder dominant ist.

Einige Hundebesitzer sprechen nicht vom Beißen ihres Hundes, wenn keine Wunde genäht werden musste und sein Schnappen die Haut nicht verletzt hat. Dies ist eine risikoreiche Haltung, denn solche Hunde können jederzeit gefährlich werden. Diese Aggressionsmerkmale garantieren nahezu innerhalb kurzer Zeit einen echten Beißunfall.

Nachstehend eine Übersicht der Lebensbereiche und Anlässe, bei denen Zeichen hundlicher Aggression auftreten können. Zeigt Ihr Hund aggressives Verhalten in einer der nachstehenden Situationen, müssen seine Störungen gezielt behandelt werden.

Mögliche Aggressionen: In Küche und Esszimmer
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Wenn der Hund frisst und jemand in Richtung seiner Futterschüssel geht.
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Wenn der Hund Futter stiehlt und jemand versucht, es ihm wegzunehmen.
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Wenn der Hund sich während der Mahlzeit unter dem Tisch aufhält und jemand - beispielsweise ein Kind - Essen auf den Boden fallen lässt und dieses wieder aufheben möchte.
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Wenn jemand versucht, den Hund vom Durchwühlen eines Abfalleimers zurückzuhalten.
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Wenn zwei Hunde gleichen Geschlechts gleichzeitig gefüttert werden.
Mögliche Aggressionen: Im Schlafzimmer
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Wenn der Hund auf dem Bett seines Besitzers liegt und jemand versucht, ihn von dort zu vertreiben.
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Wann oder wo immer der Hund berührt oder weggeschickt wird.
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Wenn jemand den Raum betritt, gleich ob Familienmitglied oder ein Fremder.
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Wenn der Hund im Bett schlafen darf und vom Ehepartner oder Freund des Besitzers vertrieben wird, auch wenn er plötzlich aufgeweckt wird.
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Wenn der Hund unter dem Bett liegt und jemand ihn anzufassen versucht; dabei könnte er sich eingekesselt und beengt fühlen.
Mögliche Aggressionen: Im Wohnzimmer
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Wenn der Hund von den Polstermöbeln herunter muss.
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Wenn der Hund die Unterschiede zwischen seinem Besitz und dem Spielzeug des Kindes nicht versteht.
Mögliche Aggressionen: An der Eingangstür
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Wenn ein Bote oder Fremder durch die Tür eintritt.
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Wenn der Hund bellt und dann zurückweicht, sich auf der Seite seines Besitzers aufstellt und dem Fremden nachjagt, sobald dieser sich umdreht und weggeht.
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Wenn der Hund durch eine plötzliche Bewegung erschreckt wird.
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Wenn jemand die Hand ausstreckt, um etwas zu übergeben oder die Hände zu schütteln.
Mögliche Aggressionen: Im Kinderzimmer
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Wenn Besucherkinder mit dem Hund spielen als wäre es der eigene.
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Wenn getobt und unsanft gespielt wird.
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Wenn die Kinder den Hund necken oder ihn an bestimmten Körperteilen ziehen.
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Wenn ein Kind auf den Hund fällt.
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Wenn der Hund einem Kind das Spielzeug stiehlt und das Kind versucht, es sich zurückzuholen.
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Wenn ein Erwachsener den Hund festhält und ein Kind sich nähert.
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Wenn ein Hund mit kleinen Kindern nicht vertraut ist, plötzlich einem neugeborenen Baby oder einem besuchenden Kind gegenüber steht.
Mögliche Aggressionen: Vor dem Haus und im Garten
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Wenn der Hund frei läuft und ein Lieferservice ins Haus möchte.
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Wenn der Hund angebunden ist und jemand das Territorium betritt.
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Wenn der Hund am Zaun vorbeigehende Passanten anknurrt.
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Wenn Fremde sich dem Hund nähern, sich über ihn beugen, um ihn zu streicheln oder ihm den Weg abschneiden.
Mögliche Aggressionen: Auf öffentlichem Gelände
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Wenn der angeleinte Hund Jogger, Fahrradfahrer oder Rollerbladesbesitzer beim Passieren anspringt.
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Wenn ein anderer Hund vorübergeht.
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Wenn der Hund im Park angebunden wird.
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Wenn ein Fremder auf den Besitzer zugeht, freundlich ist und sich bückt, um den Hund zu streicheln.
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Wenn ein kleiner Hund von seinem Besitzer festgehalten wird und ein Fremder sich nähert.
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Wenn ein Hund allem nachsetzt, was sich bewegt.
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Wenn der Hund von einem Helfer - beispielsweise Tierarzt oder Hundepfleger - angefasst wird.
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Wenn bei einer Überprüfung bestimmte Körperteile des Hundes berührt werden.
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Wenn jemand sich über den Hund stellt, so dass er sich dominiert oder ängstlich fühlt.
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Wenn im Tierarztwartezimmer sich ein anderer Mensch oder Hund zu sehr nähert.
Mögliche Aggressionen: Im Auto
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Wenn ein Fremder sich dem Fahrzeug nähert.
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Wenn der Hund einen anderen Hund sieht und sein Besitzer versucht, mit den Händen ihn zu beruhigen oder festzuhalten.
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Wenn der Hund vom Polstersitz herunter muss, den er als sein Territorium ansieht.
Mögliche Aggressionen: In anderen Bereichen
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Wenn der Hund einen Weg blockiert.
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Wenn der Hund durch Schimpfen oder Körpereinsatz korrigiert wird.
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Wenn der Hund neue Menschen sieht.
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Wenn man dem Hund Medikamente eingibt.
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Wenn man dem Hund sein Halsband anlegt.
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Wenn der Hund gegenüber einem Familienmitglied knurrt.
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Wenn Sie versuchen, Ihren Hund hochzuheben und ihn vom Polstersessel auf den Boden setzen.
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Wenn der Hund tief schläft und er sich beim Aufwachen erschreckt fühlt.
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Wenn Sie sich Ihrem Hund auf seinem Territorium zu sehr nähern.

Jetzt sollten Sie eigentlich erkannt haben, wie nützlich es ist, Ihren Hund auf aggressives Verhalten zu testen und selbst in der Lage zu sein, Anzeichen der Aggression zu erkennen. Man kann eine Situation nicht ändern, solange man sie nicht verstanden hat. Nachdem Sie jetzt Ihren Hund richtig einschätzen, folgt der nächste wichtige Schritt - der Anfang einer Erziehung zur Änderung seines Verhaltens. Die Kapitel 5, 6 und 7 befassen sich mit diesem Thema in sehr spezifischer Art. Wichtig ist die Tatsache, dass die meisten Probleme des Aggressionsverhaltens von Familienhunden im Verlauf einer Unterordnungserziehung gelöst werden können, besser als auf irgendeine andere Art. Den richtigen Schritt, den Sie einschlagen können, weist Kapitel 4 "Wie erzieht man aggressive Hunde zur Unterordnung?"

 



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