Das Verstehen und Vermeiden von Aggressionsverhalten bei Hunden

Wie aggressiv ist Ihr Hund wirklich ?
Aggressionstest und Anzeichen von Aggression
 

Mit Hilfe dieses Kapitels wird der Hundebesitzer herausfinden, ob sein Hund aggressiv ist - und wenn ja, in welche Kategorie der Aggression er gehört. Vielen Hundebesitzern fällt es äußerst schwer, zugeben zu müssen, dass ihr Hund tatsächlich Aggressionsverhalten zeigt. Aus einer Vielfalt von Gründen driften sie beim Leugnen in eine Traumwelt ab, in der sich alles wie von Zauberhand von selbst löst. Erst die Folgen des Aggressionsverhaltens des Familienhundes reißen solche Träumer rau in die Wirklichkeit zurück, dann ist es aber in der Regel zu spät. Wenn tatsächlich ein Mensch gebissen wird, ist ein zu hoher Preis bezahlt. Natürlich lieben diese Hundebesitzer ihre Hunde sehr und suchen jede vorstellbare Ausrede für das gesellschaftlich nicht akzeptable und gefährliche Verhalten ihres Hundes, ganz ähnlich wie Eltern, denen ihre Kinder Sorgen machen. Wenn sich ihre Hunde aggressiv verhalten, versuchen sie, es zu entschuldigen -aus Furcht, die Liebe ihres Hundes zu verlieren, aus Furcht, den Hund selbst zu verlieren oder auch aus Furcht, die notwendigen Änderungen aktiv vorzunehmen, weil sie dies für schwierig erachten. Rationale Ausreden wie er möchte doch nur schützen oder er ist doch nur verspielt - oder das hat er noch nie getan - werden oft vorgebracht. Wie immer dies sei - wenn ein Hund knurrt, die Zähne fletscht oder beißt, sollte es logisch unmöglich sein, der unangenehmen Wahrheit nicht ins Auge zu schauen - nämlich dass dieser Hund aggressiv und möglicherweise recht gefährlich ist.

Mit ganz einfachen Tests und Beobachtungen, wie sie dieses Kapitel aufzeigt, kann jeder Hundebesitzer selbst genau erkennen, ob sein Hund aggressiv ist. Eine richtige Bewertung der Aggressivität ist wichtig, wenn man die Absicht hat, das Verhalten zu ändern. Beispielsweise wird die Aggression eines ängstlichen Hundes völlig anders behandelt als die Aggression eines zu dominanten Tieres. Die nachstehenden sechs Tests und neun Einzelbereiche, die zu untersuchen sind, lassen sich leicht durchführen. Die Interpretation der Ergebnisse fordert nichts anderes als gesunden Menschenverstand. Trotz der Einfachheit dieser Maßnahmen - sie haben sich als höchst effektiv und hilfreich für Tausende von Hunden und ihre in Angst versetzten Familien erwiesen. Es handelt sich um persönlich erprobte und als richtig befundene Maßnahmen. In vielen Fällen bieten sie die allerletzte Chance, die Situation selbst wieder in Ordnung zu bringen.

Aggressionstests

Nachstehende Tests wurden über drei Jahrzehnte aktiv beim National Institute of Dog Training eingesetzt und haben es ermöglicht, mehr als 35.000 Hunde zu bewerten. Wenn Sie die Tests in diesem Kapitel sachlich auswerten, sollten Sie in der Lage sein, genau zu bestimmen, in welche Aggressionskategorie Ihr Hund gehört und dann angemessene Methoden der Erziehung und Umerziehung finden. Beachten Sie bei jedem Test besonders sorgfältig Reaktionen des Hundes und was sie bedeuten, dadurch können Sie die Ergebnisse besser verstehen. Die Möglichkeit, die verschiedenen Formen hundlicher Aggression zu unterscheiden, vermitteln Ihnen wichtige Einblicke in das unerwünschte Verhalten Ihres Hundes.

Alle diese Tests können im eigenen Zuhause durchgeführt werden, wenn Sie bereits den Hund besitzen. Einige sind bei der Auswahl von Welpen besonders nützlich. Achten Sie besonders auf die Tests dominantes Fixieren, Test körperliche Empfindlichkeit und Überrollen. Alle diese Tests ermöglichen schwerwiegende Fehler bei der Auswahl eines Welpen zu vermeiden. Bei der Durchführung der Tests muss der Hund immer mit Leine und Halsband ausgestattet sein, um aus Sicherheitsgründen Kontrolle zu ermöglichen.

Ganz egal, wie genau Sie Ihren Hund zu kennen glauben - die Durchführung aller dieser Tests kann aggressives Verhalten auslösen, das nie zuvor auftrat. Natürlich müssen Größe des Hundes, Grad und Art seines aggressiven Verhaltens die Intensität bestimmen, mit der Sie diese Tests durchführen. Ein Hund der knurrt, die Lefzen hochzieht oder zu beißen versucht, fordert mehr Vorsicht als friedlichere Artgenossen.

Sicherheitsstufen

Wenn Ihr Hund:
Sieben Wochen bis sechs Monate alt ist: Können alle Tests in der Regel mit wenig Risiko durchgeführt werden.
Sechs Monate bis ein Jahr: Gewisse Vorsichtsmaßnahmen sind angebracht.
Ein Jahr bis drei Jahre (oder älter): Bei den Tests ist äußerste Vorsicht angezeigt.

Dominantes Fixieren (Dominant Stare Test)

Dieser Test zeigt, ob Ihr Hund als dominanter oder sich unterwerfender Hund geboren ist. Einen dominanten Hund nennt man häufig Top Dog, Alpha Dog oder Rudelführer. Ein Hund, der die Voraussetzungen für einen Rudelführer mitbringt, möchte auch Anführer seiner menschlichen Familie sein, könnte sich dabei aggressiv zeigen. Deshalb ist es wichtig festzustellen, ob der Hund dominant ist oder nicht, dann kann man sich auf potenziell aggressives Verhalten einstellen, während er noch jung ist und auch damit fertig werden, wenn er einmal ausgewachsen ist.

Der Test. Der Test wird sowohl im Haus wie im Freien durchgeführt. Ein Helfer hält aus Sicherheitsgründen den Hund an der Leine, der andere führt den Test durch.

Stellen Sie sich in etwa drei Meter Abstand auf und rufen Ihren Hund beim Namen, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Er soll Sie direkt ansehen, Augenkontakt aufnehmen. Starren Sie in seine Augen zurück, fixieren Sie ihn. Gebrauchen Sie auch Ihre Körpersprache, nehmen eine autoritäre Haltung ein. Beugen Sie sich etwas nach vorn. Keine verbale Kommunikation in diesem Stadium. Wiederholen Sie diesen Test einmal in der Wohnung, dann wieder im eigenen Garten. Beide Bereiche sind Territorien, die der Hund für sich selbst in Anspruch nimmt.

Um genauere Ergebnisse zu erzielen, sollte der Test durch Einbeziehung von Familienmitgliedern wie auch von Fremden, die dem Hund nicht vertraut sind, wiederholt werden.

Reaktionen des Hundes - und was sie bedeuten.

Wenn Ihr Hund dominant ist, wird er Ihnen direkt in die Augen starren, das Fixieren nicht abbrechen oder zur Seite schauen. Möglicherweise zieht er auch die Lefzen hoch oder knurrt. Seine Rute und Ohren versteifen sich, zeigen senkrecht nach oben. Er wirkt, als vergrößere sich sein Körper. In dieser Stellung erstarrt der Hund oder bewegt sich langsam auf Sie zu. Wenn er das Fixieren nicht abbricht, den direkten Augenkontakt zu Ihnen hält, überträgt er die Botschaft, dass er sich Ihnen gegenüber als dominant empfindet. Ist dies der Fall, sollten Sie den Augenkontakt abbrechen, sofort zur Seite schauen, so dass Sie den Hund nicht wütend machen und seine Aggression beschleunigen. Ein dominanter Hund übernimmt automatisch die Rudelführerschaft in Familie und Haus. Alle Situationen, die seine Führerstellung und das Kommando über das Territorium bedrohen, führen zur ernsthaften Aggression (vergleiche in Kapitel 1 Dominanzaggression).

Ist Ihr Hund bereit, sich zu unterwerfen, bricht er den Augenkontakt ab, schaut seitlich, unterwirft sich Ihrer Dominanz. Ein sich unterwerfender Hund weiß, dass sein Besitzer (der den Test durchführt) der Rudelführer ist, mit der Aufgabe, Familienterritorium und Wohlbefinden aller zu schützen. Einige Hunde erweisen sich nur dem Besitzer gegenüber als unterordnend, anderen gegenüber - auch dem Rest der Familie - können sie dominant sein.

Dominanter Hund
Sich unterwerfender Hund

Der Futtertest

Dieser Test zeigt, ob der Hund futter-aggressiv ist. Dieses Verhalten kann durch Territorialaggression, Dominanzaggression wie auch übersteigerten Überlebensinstinkt bedingt sein, es kann aber auch durch eigene Erlebnisse als streunender Hund erworben worden sein. Auch ein Vorbesitzer, der dieses Verhalten förderte, könnte diese unerwünschten Reaktionen aufgebaut haben.

Futter-aggressives Verhalten kann bereits bei einem sieben Wochen alten Welpen auftreten, meist als Folge von Auseinandersetzungen der Wurfgeschwister um das Futter. Wichtig ist bei futter-aggressiven Hunden festzustellen, ob es täglich bei der Fütterung auftritt, ob der Besitzer (oder ein Kind) möglicherweise gebissen wird, wenn er die Futterschüssel berührt. Dies kann auch schon eintreten, wenn er sich nur der Schüssel nähert. Nahezu mit Gewissheit erfolgt das Beißen, wenn er versucht, die Schüssel mit oder auch ohne Futter wegzunehmen.

Schwer verständlich, aber wahr - dies kann sogar passieren, wenn man versucht, zusätzliches Futter in die Schüssel zu geben. Das Testergebnis vermittelt Wissen über den Hund, was die eigene Sicherheit angeht.

Der Test. Es gibt drei Methoden, um Futteraggressivität zu prüfen:

1
Setzen Sie Ihren Hund in einen Drahtkäfig, wenn Sie einen besitzen (siehe Lösungsvorschläge Kapitel 5 "Beseitigung der Aggression") und füttern Sie ihn, während die Käfigtür geschlossen ist. Nähern Sie sich ihm, während er frisst und beobachten Sie ihn.
2
Besitzen Sie keinen Käfig, kann man stattdessen einen Kinderlaufstall oder ein Welpengitter einsetzen. Damit wird ein Zimmer vom anderen getrennt. Jetzt wird das Futter nahe dem Gitter auf den Boden gestellt. Man nähert sich dem Hund von der anderen Seite, während er frisst und beobachtet ihn.
3
Vorsicht bei der Durchführung dieses Tests! Legen Sie dem Hund Halsband und Leine an, füllen Sie die Futterschüssel mit seiner Lieblingsmahlzeit, stellen Sie die Schüssel an den gewöhnlichen Futterplatz. Stellen Sie sich selbst auf zwei Meter Abstand ans Leinenende, wenn er zu fressen beginnt. Ein Helfer betritt den Raum, während der Hund weiterfrisst. Achten Sie darauf, dass Sie die Leine fest halten. Zeigt sich kein aggressives Verhalten, bewegt sich der Helfer langsam in Richtung Hund, beobachtet sein Verhalten. Beginnt der Hund zu knurren, muss die Annäherung sofort abgebrochen werden.

Reaktion des Hundes und was sie bedeutet. Wenn der Hund knurrt, die Lefzen hochzieht oder schnappt, ist er futter-aggressiv (Kapitel l "Besitzaggression"). Reagiert der Hund nicht, steht fest, dass er keine Futteraggressivität aufweist. Dieser Test ist nicht auf Futter beschränkt. Es gibt andere Gegen-stän-de, beispielsweise Spielzeug, Büffelhautknochen und Ähnliches, deretwegen ein Hund möglicherweise aggressiv wird. Führen Sie damit den gleichen Test durch, prüfen Sie aggressive Reaktionen bei Bedrohung anderer Besitztümer.

Reaktionstest auf Strafen

Dieser Test soll die Frage beantworten, ob der Hund auf irgendwelche Körperteile geschlagen oder bedroht wurde, ob man ihn mit harten Worten disziplinierte oder mit anderen Drohungen dominierte. Eine furchtsame oder aggressive Reaktion bei diesem Test zeigt Verhalten, das erworben wurde, in der Regel infolge von Anschreien oder körperlicher Strafen. Die Reaktion des Hundes auf diesen Test ist besonders wichtig, weil so viele Kontakte zwischen Hund und Menschen den Gebrauch der Hände verlangen. Ein durch Strafen aggressiv gemachter Hund könnte beißen, wenn man ihn mit den Händen zu berühren versucht.

Der Test. Dieser Test sollte durchgeführt werden, während der Hund seitlich vom Führer steht, durch Leine und Halsband kontrolliert. Ein Helfer, der mit

dem Hund nicht zusammenlebt, führt den Test durch. Er steht etwa zwei Meter vor dem Hund, simuliert eine drohende Einwirkung, als wolle er mit der Hand oder zusammengefalteter Zeitung den Hund schlagen. Dann deutet er mit dem Finger auf den Hund und schreit ihn an: "Warum hast du das getan?"

Der Hund wird nicht geschlagen - es handelt sich ausschließlich um einen Test.

Reaktionen des Hundes und was sie bedeuten. Wurde der Hund in der Vergangenheit geschlagen, kann er auf zwei verschiedene Arten reagieren.

Wurde Ihr Hund niemals geschlagen oder hart ausgeschimpft, erfolgt keine der oben dargestellten Reaktionen, wirkt der Hund unbeeindruckt.

1
Er knurrt, grollt, springt an oder versucht sogar zu beißen.
2
Er versucht wegzukommen, dreht den Kopf zur Seite, duckt sich. Er kann auch wegzulaufen versuchen. In die Ecke getrieben könnte er bellen, knurren oder beißen.

Reagiert er mit Furcht oder Aggression, wurde er entweder geschlagen oder in der Vergangenheit mit anderen groben Mitteln diszipliniert. Er könnte beißen, wenn er den Eindruck hat, durch Handbewegungen, die für ihn drohend wirken, in Gefahr zu sein.

Test körperlicher Empfindlichkeit (Physical-Sensitivity Test)

Ziel dieses Tests ist herauszufinden, ob der Hund über eine ungewöhnlich niedrige Toleranz gegenüber geringen Schmerzen und Unbequemlichkeiten verfügt. Ein körperlich empfindlicher Hund reagiert gegenüber jedermann aggressiv, der auf ihn auch nur einen geringfügig körperlichen Reiz ausübt. Bedauerlicherweise sind kleine Kinder besonders von einer solchen Veranlagung betroffen, weil sie im Spiel häufig an verschiedenen Körperteilen des Hundes ziehen. Ein Schnappen oder ein Biss könnten auch deshalb erfolgen, weil der Hund an einer schmerzhaften Krankheit leidet, beispielsweise an Hüftgelenksdysplasie. Kleinere, durch Alter oder Arthritis bedingte Schmerzen und Empfindlichkeiten könnten aggressive Reaktionen auslösen, wenn der Hund an empfindlichen Körperstellen berührt wird. Falsche Pflegetechniken können auch überraschende Reaktionen auf nur geringfügiges Zwicken oder Ziehen auslösen. Wichtig ist zu wissen, dass viele körperlich empfindliche Hunde fehlende Toleranz gegenüber geringen Schmerzen ererbt haben und auch auf die einfachsten körperlichen Einwirkungen aggressiv reagieren.

Der Test. Wählen Sie einen ruhigen Ort für diesen Test, an dem niemand anderes verweilt. Kontrollieren Sie Ihren Hund mit Leine und Halsband, um nicht gebissen zu werden. Ist Ihr Hund körperlich empfindlich, könnte er während dieses Tests schnappen oder beißen. Nehmen Sie die Finger einer Hand zum Testen, während die andere die Leine festhält.

Zu Anfang des Tests wird an der Haut des Hundes mit der linken Hand gezogen, während die rechte Hand über die Leine den Hund kontrolliert. Beginnen Sie mit dem Test an seinen Schultern, am Anfang ganz sanft, dann nach und nach die Intensität steigernd. Zupfen Sie dann an der Haut im Mittelbereich des Körpers in gleicher Art, erst sehr sanft, dann mit mehr Nachdruck. Als Nächstes folgt die Hundehaut am Rumpf - wieder auf gleiche Art.

Der Schluss dieses Tests betrifft die Rute. Halten Sie den Hund mit Leine und Halsband an Ort und Stelle, fassen die Rute und ziehen Sie zunächst ganz sanft, dann mit etwas mehr Kraft.

Die Reaktionen des Hundes und was sie bedeuten. Auf Ziehen an der Haut wird der Hund auf einer der nachstehenden Möglichkeiten reagieren:

1
Er knurrt und versucht, ohne Warnung zu schnappen oder zu beißen.
2
Er jault auf, versucht in die Hand zu beißen, wegzulaufen oder duckt sich ab, als sei er verletzt.
3
Er zeigt sich entweder übertrieben unterwürfig oder dominant, je nach seinem Charakter.
4
Er blickt seinen Halter an, als wäre alles ein Spiel, zeigt keinerlei Anzeichen von Aggression.

Auf das Ziehen an der Rute könnte der Hund wie folgt reagieren:

1
Er versucht zu beißen und knurrt, unabhängig davon, wie leicht man an der Rute zieht.
2
Er kann dieses Ziehen nicht tolerieren, heult auf oder schreit erbärmlich.
3
Er zieht die Lefzen hoch, schnappt, versucht wegzulaufen.
4
Er dreht sich um und betrachtet den Tester neugierig, scheint wenig beeindruckt, möchte sogar spielen.

Die Reaktionen des Hundes sind leicht zu interpretieren. Reagiert er aggressiv oder extrem auf das Ziehen, ist er offensichtlich körperlich empfindlich. Der Grad der Empfindlichkeit auf geringe Reize ist aus der Stärke seiner Reaktionen ersichtlich. Einige Hunde sind nur auf dem Rumpf empfindlich, andere an der Rute oder anderen Körperteilen. Die Reaktion des Hundes auf diesen Test zeigt an, wie man ihn behandeln muss und wie man Schmerzen vermeidet, die aggressives Verhalten auslösen.

Der Überrolltest (Rollover Test)

Ziel dieses Tests ist festzustellen, ob der Hund Dominanz oder Unterwürfigkeit geerbt hat. Dieses Wissen ermöglicht, mit ihm, ohne ihn zu bedrohen, zusammen zu leben. Ist man in der Lage, erblich bedingte Verhaltensmerkmale des Hundes zu identifizieren, hilft dies, ihn richtig zu behandeln und die Maßnahmen einzusetzen, die für ihn und sein Umfeld angemessen sind. Der Wert dieses Tests wird klar, wenn man den Hund zur Unterordnung erzieht oder versucht, Verhaltensstörungen zu lösen.

Wenn man den Hund auf den Rücken rollt und er dann einfach daliegt oder sich verspielt wälzt, ist er höchst wahrscheinlich nicht aggressiv. Knurrt er, schnappt oder beißt, können Sie sicher sein, dass er Aggressionen zeigt. Ein aggressiver Hund kämpft darum, wieder hoch zu kommen, zieht die Lefzen hoch, zeigt eine Vielfalt aggressiven Verhaltens. Beim Überrolltest dokumentieren seine Reaktionen nicht nur, ob er aggressiv ist oder nicht, vielmehr hilft das Testergebnis auch, den Typ seiner Aggression zu bestimmen, mit dem man sich befassen muss. Einige Hunde reagieren furchtsam, wenn man sie auf den Rücken dreht. Sie kreischen und wimmern, kämpfen, um sich zu befreien, auch wenn man ihnen gar nicht wehtut. Andere Hunde reagieren durch Anstarren, Knurren, möglicherweise dominantes Attackieren. Es liegt auf der Hand, dass die Reaktionen eines dominanten oder furchtsamen Hundes in dieser Situation gefährlicher ausfallen als die der anderen. Der Überrolltest zeigt die jeweiligen spezifischen Aggressionsneigungen des Hundes.

Der Test. Vorsicht: Wenn Sie sich hinsichtlich der Aggressivität Ihres Hundes unsicher fühlen, sollten Sie beim nachstehenden Test einen weichen Nylonmaulkorb anlegen, um nicht gebissen zu werden. Beachten Sie "Ausbildungsausrüstung" in Kapitel 4.

Der Test wird in einem ruhigen Bereich in- oder außerhalb des Hauses abgehalten, wo keine Dritte zugegen sind. Legen Sie Leine und Halsband an, um den Hund zu kontrollieren. Rollen Sie Ihren Hund schnell, aber sanft und freundlich auf den Rücken, ehe er die Chance hat, sich dagegen zu wehren. Ihn nicht auf eine Seite legen! Er muss direkt auf den Rücken gerollt werden, wobei die Wirbelsäule flach auf dem Boden liegt. Beugen Sie sich über den Hund, Ihre beiden Beine stehen auf beiden Seiten des Körpers. Wenn das nicht möglich ist, knien Sie neben ihm. Über den Hund gebeugt bringen Sie ihn in eine Stellung, in der er sich äußerst verletzlich fühlt. Halten Sie die Leine in der linken Hand und fassen den Hund fest, aber freundlich mit der rechten unter das Kinn, direkt unter das Halsband. Verhalten Sie sich völlig neutral, reagieren Sie bei diesem Test auf die Reaktionen des Hundes nicht. Halten Sie das Kinn des Hundes nicht länger als fünfzehn bis dreißig Sekunden. Ein wirklich dominanter Hund gestattet in aller Regel nicht, einen solchen Test an ihm auszuüben. Während Sie den Hund auf den Rücken drehen, könnten Sie als Warnsignal ein Knurren vernehmen. Wenn dieses ertönt, sollten Sie den Test sofort abbrechen - dann wissen Sie bereits, dass er aggressive Neigungen hat.

Reaktionen des Hundes und was sie bedeuten. Der Hund wird wie folgt reagieren:

1
Er könnte knurren und die Lefzen hochziehen.
2
Er könnte Sie zu beißen versuchen.
3
Er nimmt direkten Augenkontakt auf, starrt Sie hart an.
4
Er könnte sich wehren und wegzukommen versuchen.
5
Er schreit, wimmert oder beklagt sich lauthals.
6
Er nimmt eine unterwürfige Körperhaltung ein.
7
Er uriniert.
8
Er verhält sich furchtsam, scheu, versucht aber gleichzeitig zu beißen.
9
Er zeigt sich entspannt oder verspielt.

Ein dominant aggressiver Hund reagiert meist mit tiefem Grollen, hochgezogenen Lefzen oder dem Versuch zu beißen. Oft sucht er direkten Augenkontakt, versucht sich aus der untergeordneten Position zu befreien.

Ein furcht-aggressiver Hund könnte ebenfalls knurren und versuchen wegzukommen, je nach Intensität seiner Furcht. Er könnte kreischen oder wimmern, als habe er Schmerzen. Diese Reaktion ist ein Ausdruck starker Erregung, weniger ein Aufschreien aufgrund körperlicher Schmerzen. Sein Körper bleibt wahrscheinlich in unterwürfiger Haltung, wobei sich Vorder- und Hinterläufe zusammenlegen. Er zeigt das Benehmen eines scheuen Hundes, versucht aber zusätzlich zu beißen. Ein Hund, der weder dominant aggressiv noch furcht-aggressiv ist, wird sich entspannen oder zu spielen versuchen.

Nach Abschluss dieser sechs Testverfahren weiß der Hundebesitzer, ob er mit einem dominant aggressiven oder furcht-aggressiven Hund lebt. Dieses Wissen hilft, Handlungen und Reaktionen des Hundes vorauszusehen, seine Persönlichkeit viel besser zu erkennen als zuvor. Dank dieser Informationen können die Hundebesitzer mit ihrem aggressiven Hund einfacher kommunizieren und ihn entsprechend ausbilden.

 



nach oben

© by JMK! Digitales Mediendesign 1999 - 2001