Das Verstehen und Vermeiden von Aggressionsverhalten bei Hunden

Einleitung
 

"GRRR!" So tönt ein aggressiver Hund, der über lange Zeit ein treuer und liebenswerter Familiengefährte war, bis er sich plötzlich herausgefordert oder bedroht fühlt. Ihr liebgewonnenes Wunschbild vom besten Freund fliegt zum gleichen Zeitpunkt durchs Fenster, wenn in Ihnen der Wunsch entsteht, den Namen Ihres Hundes von Schnuppi in Mistvieh umzuwandeln. Sie haben die feste Vorstellung, Ihr bester Freund sollte ein fröhlicher, sanfter Lebensgefährte sein. Ihr Leben teilen. Ihnen Liebe entgegen bringen. Ihr Hund soll nicht übertrieben häufig bellen, knurren, schnappen oder - was Gott verhüten mag - gar beißen. Und doch gibt es Hunde, die aggressiv sind und manchmal gegenüber Menschen oder anderen Hunden, die in direkten Kontakt mit ihnen kommen, gefährlich werden. Aggressives Verhalten verursacht Stress und wird mitunter gefährlich. Jedenfalls ist es bestimmt nicht das, was man sich für ein Zusammenleben mit Hunden wünscht.

Vorsicht bei jungen Hunden, die knurren oder gar plötzlich und unerwartet nach den Fingern schnappen, wenn man versucht, ihre Futterschüssel zu berühren. Was bei einem jungen Hund noch süß und völlig harmlos erscheint, hat das Potenzial, sich zum ernsthaften Problem auszuwachsen, wenn der Hund älter und größer wird. Aggressives Verhalten bei Hunden kommt in vielerlei Form vor. Einige Hunde provozieren vollkommen gutmütige Menschen, imponieren mit einschüchternder Körpersprache, drohen durch Bellen und Knurren. Andere Hunde wiederum laufen hinter unschuldigen Menschen her, jagen sie davon, wieder andere blockieren den Weg und lassen Menschen nicht weiter gehen. Drohverhalten eines Hundes ist immer eine ernsthafte Angelegenheit. Jeder Hundeliebhaber sollte sich sehr schnell und entschieden darum kümmern!

In den meisten Fällen ist die Situation zu korrigieren, aber dazu brauchen Hundebesitzer und Menschen, die sich einen Hund zulegen wollen, kompetenten Rat und klare Anweisungen. Dies vor Augen haben wir mit diesem Buch versucht, eine wichtige und gefährliche Lücke zu schließen.

Nicht-Hundehaltern fehlt jedes Verständnis dafür, dass manche Hundebesitzer offenbar von ihnen erwarten, sie hätten das aggressive Verhalten ihrer Tiere einfach zu akzeptieren. Es gibt eine deutlich wachsende öffentliche Abneigung gegen aggressive Hunde und deren Besitzer, wenn sich diese weigern, Aggressionsverhalten zu unterbinden. Die Reaktion darauf ist wesentliche Grundlage einer Antihundegesetzgebung, mit der versucht wird, schwerwiegende Einschränkungen auf Zucht und Besitz von Hunden auszuüben, bestimmte Hunderassen gar zu verbieten. Wir hoffen, mit diesem Buch einen Beitrag zum verantwortungsbewussten Hundebesitz zu leisten und damit negative Gefühle zu unterbinden, die gegen Hunde und Hundebesitzer entstanden sind.

Die großartigen Beiträge, die Hunde, Hundefreunde, Hundezüchter, Tierärzte und all die, die sich mit Hunden beschäftigen, unserer Gesellschaft oder auch für Einzelpersonen leisten, sind klar erkennbar. Fragen Sie blinde, ertaubte und motorisch behinderte Menschen, denen Hunde als Begleiter zur Seite stehen! Fragen Sie all jene, die in Altersheimen leben. Invaliden, behinderte Patienten, Depressive, Gefängnisinsassen, Kinder in Krankenhäusern und all die anderen, die hoffnungsvoll und voller Liebe darauf warten, dass Therapiehunde kommen und sie besuchen. Fragen Sie Polizeibeamte, Minensuchpatrouillen, Rettungshundeteams und Militäreinheiten, deren Hunde in Krieg und Frieden Leben retten. Befragen Sie Hundeliebhaber über ihre Hunde, sie alle werden Ihnen erzählen, wie Tag für Tag ihr Leben durch Liebe, Freundschaft und Gesellschaft bereichert wird, die sie so großzügig von den besten Mitgliedern ihrer Familie erhalten.

Das Problem besteht darin, dass einige wenige Hunde aggressiv geboren, andere von Menschen aggressiv gemacht werden. Dabei ist es ganz wichtig zu wissen, dass selbst der süßeste Hund unter bestimmten Umständen und Voraussetzungen aggressiv werden kann. Oft lässt sich beobachten, dass ein ansonsten in jeder Hinsicht wunderbarer Hund nur auf ganz bestimmte Situationen oder Personen negativ reagiert. Wenn der Mensch diese Situationen ändert und die negativen Reaktionen korrigiert, kann dieser Hund wieder vollständig liebenswert sein.

Aggressives Verhalten von Hunden ist nicht nur unangenehm und lästig -es kann für jedermann zur Gefahr werden - insbesondere für Kinder. So genannte Hinterhofhunde, aber auch Rassehunde werden zuweilen zur Aggression angeleitet, meistens sind es dann nicht nur die Hunde, die gefährlich werden können. Auch der allerkleinste Hund kann zur Bedrohung werden, wenn er nicht richtig gehalten wird. Große Hunde, kleine Hunde, sie alle haben Zähne - sie alle vermögen zu beißen.

Hat ein Hund erst einmal einen Menschen gebissen, hat er dadurch eine fundamentale Verhaltensschwelle überschritten. In diesem Augenblick muss es für die Hundebesitzer absolut klar sein, dass sie einschreiten müssen, ehe sich die Dinge verschlimmem. Leider leugnen einige Hundebesitzer dann immer noch, dass etwas fehlgelaufen ist und weigern sich, die Situation realistisch zu betrachten, bis es zu spät ist. Einigen erscheint die Situation hoffnungslos, denn sie haben den falschen Eindruck, dass die einzige Lösung darin bestünde, sich entweder vom Hund zu trennen oder mit den Konsequenzen zu leben - also große Summen an Schmerzens- und Schadenersatzgeldern für Verletzungen anderer Menschen zu bezahlen. Dies ist ein emotionell schwer belastendes Dilemma, insbesondere für alle jene, die ihre Hunde - aggressiv oder nicht - sehr lieben.

Leider ist die erste Reaktion des verzweifelten Liebhaberbesitzers auf aggressives Verhalten oft die Isolation seines Hundes, das Absperren gegenüber jedermann und jedem äußeren Einfluss - in der Garage, im Keller oder in einem isolierten Hundeauslauf. Es handelt sich dabei um eine schlimme Form der Einzelhaft. Aber schon bald merkt der Hundebesitzer, dass diese Maßnahme das Verhalten seines Hundes noch verschlimmert, die letzten Reste an Freude am Zusammenleben mit dem Tier verschwinden. Aber auch jetzt noch ist Hilfe möglich! In den meisten Situationen ist es der Hundebesitzer selbst, der das Aggressionsverhalten seines Hundes verändern kann - andernfalls gibt es Berufshundeausbilder, die das Problem zu lösen wissen.

Wie immer das Ganze auch enden mag, ganz wichtig ist, dass Besitzer solcher Hunde klar alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erkennen und auch wissen, wie sie diese nutzen können. Wie anders könnten sie sich richtig entscheiden? In nachstehenden Kapiteln bietet dieses Buch besorgten Hundebesitzern nützliche und aufklärende Informationen über aggressives Hundeverhalten, die verschiedenen Formen, die es annimmt und über die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun. Von besonderer Wichtigkeit sind die Techniken, mit deren Hilfe man dieses Nerven raubende und möglicherweise gefährliche Verhalten des viel geliebten Familienmitglieds verhindert, beherrscht und - wenn möglich - abändert. Noch viel wichtiger aber ist die Bereitschaft des Besitzers, das aggressive Hundeverhalten eindeutig zu identifizieren und in seinem Ablauf klar zu erkennen.

Ziel dieses Buches ist es. Hundebesitzer mit den unterschiedlichen Formen aggressiven hundlichen Verhaltens vertraut zu machen und Hilfen zu bieten, um damit fertig zu werden. Solche Informationen könnten einer Familie, die ihren Hund trotz seines unerwünschten Verhaltens liebt, neue Wege aufzeigen.

Man muss verstehen, dass die meisten Besitzer aggressiver - ja gefährlicher - Hunde Eltern gleichen, deren Jugendliche straffällig geworden sind. Sie hassen das Problem, lieben aber unverändert ihr Kind. Sie fühlen ihr Leben durch Klagen, Streitgespräche, Drohungen oder gar Strafanzeigen von Freunden, Verwandten, Nachbarn und gesetzestreuen Fremden gestört. Handwerker weigern sich, ihr Grundstück zu betreten, Briefträger stellen den Postdienst ein, Milchmänner bringen keine Milch mehr. Das ist das Leben mit Hunden, die beißen, bellen, auflauem, jagen, drohen, belästigen, knurren, auf jedermann, der ihr Territorium betritt, zulaufen und schnappen. Besitzer solcher Hunde sind in ständigem emotionalen Widerstreit und völlig verunsichert, was sie tun sollen. Aber verzweifeln Sie nicht - Hilfe ist schon unterwegs!

Obwohl einige fehlgeleitete Menschen den ausdrücklichen Wunsch auf Besitz eines aggressiven Hundes (meist zu Schutzzwecken) verspüren, ist dies bei der Mehrheit der Hundehalter nicht der Fall. Einen Hund aggressiv zu machen ist so, als lege man eine geladene Flinte auf den Teppich. Früher oder später passiert ein Unfall, denn niemand kann das Verhalten eines solchen Hundes genau voraussagen oder kontrollieren. Echte Schutzhunde sind völlig gehorsame Tiere, die eine Spezialerziehung durch sorgfältig geschulte Berufsausbilder erfahren haben. Daneben treffen wir Millionen und Abermillionen von Hunden, die einfach als Familienhunde in ihrer Familie leben. Sie sind Gefährten der Menschen, und ihre wichtigste Aufgabe ist, dass sich ihre Menschen geliebt, gebraucht und weniger alleine fühlen. Zusammenleben mit einem Hund sollte Spaß bereiten, insbesondere für Kinder und andere aufgeweckte Menschen.

Der Leiter des National Institute of Dog Training in Los Angeles - Koautor Matthew Margolis - ist schon von sehr vielen Leuten, die sich über aggressives Verhalten ihres Hundes große Sorgen machten, um Rat gefragt worden. Sie alle sehen sich von diesem Problem stark bedroht. Erstaunliche 80 Prozent aller seiner Klienten suchen Hilfe gegen aggressive Verhaltensstörungen. Folglich hat er ständig eine stattliche Anzahl von Hunden zur Umerziehung in seinem Ausbildungszwinger. Ziel ist immer, das Leben mit ihnen leichter - in einigen Fällen weniger gefährlich - zu machen.

Gerade die Konzentration des Medieninteresses auf Hundeangriffe und die Furcht vor solchen Attacken haben tief greifende Auswirkungen auf die Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Hunden im Allgemeinen und Pitbulls oder anderen Rassen, die als gefährlich angesehen werden, insbesondere.

Die Sensationsmeldungen in Zeitungen und Fernsehnachrichten über Hunde, die Menschen angegriffen haben, dokumentieren, wie sehr aus der Fassung geraten und ungeduldig die Gesellschaft gegenüber jenen geworden ist, die aggressive Hunde halten und sich darum bemühen, hierfür Entschuldigungen zu finden. Unser Buch wird eine wichtige Lücke in der Literatur füllen, indem es sich in nützlicher und hilfreicher Art mit Aggressionsverhalten befasst. Ziel ist, die Hundeliebhaber zu schulen, ihnen zu helfen, Besorgnis erregende Probleme aggressiven Hundeverhaltens zu unterbinden oder - soweit möglich - zu lösen.

Die Hundebesitzer müssen aggressives Verhalten ihres Hundes früh erkennen und lernen, damit zurechtzukommen. Richtig informierte Hundehalter können einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieses Problems leisten, indem sie sich weigern, derartiges Verhalten einfach hinzunehmen oder als unabänderlich anzusehen. Wir glauben fest daran, dass Hundebesitzer sich selbst helfen können, wenn sie nur lernen, wie man einen Hund mit gutem Wesen auswählt und begreifen, wie man aggressives Verhalten unterbindet, ehe es zum ernsthaften Problem wird. Wenn man die frühen Anzeichen aggressiven Verhaltens kennt und weiß, wie man sie fachkundig korrigiert, können Hundeliebhaber dafür sorgen, dass ihre Hunde gar nicht erst gefährlich werden.

Was aber tun, wenn ein besorgter Hundebesitzer bereits mit einem aggressiven Hund zusammenlebt, der ihn und andere bedroht? Eine Reihe von Hunden kann man völlig verändern, einige können beherrschbar werden und einige wenige lassen sich überhaupt nicht mehr kontrollieren. Dem ist leider in der Realität so. Wenn ein Hund gefährlich aggressiv ist und sich nicht umerziehen lässt, ist es auf alle Fälle besser, dies klar zu erkennen. Dieses Buch bietet grundlegende Informationen über hundliches Aggressionsverhalten und zeigt Möglichkeiten oder Techniken auf, mit deren Hilfe es (sofern möglich) geändert oder schon von vorneherein verhindert werden kann.

Unsere ehrliche Anerkennung gilt allen Besitzern von Hunden mit aggressiven Verhaltensproblemen, die das Kind beim Namen nennen und sich wirklich um eine Lösung des Problems bemühen Damit erweisen sie sich als gute Nachbarn, gute Bürger und großartige Hundebesitzer. Herzlichen Glückwunsch!

 



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